Indo-europäische Sprache

Das Entziffern der Tafeln offenbart tiefe Einblicke in den Alltag

Im Zentrum der Metropole unterhielten die Herrscher fünf große Bibliotheken. Neben den kultischen Texten lagerten dort auch Schriften über Magie, Königschroniken, Gesetzessammlungen, Vorratslisten und Abrechnungen. Die Häuser des Wissens gehören zu den umfangreichsten Archiven, die je entdeckt wurden.

Entziffern der Tafeln Quelle: ZDF

Die altertümlichen Datenträger bieten einen unerschöpflichen Fundus an Informationen über das Leben der Hethiter. Ein Volk, das bereits im 3. Jahrtausend vor Christus nach Anatolien eingewandert ist. Und das seine Sprache als offizielle Amtssprache durchsetzte. Sie ist der Schlüssel zum Verständnis der uralten Kultur. Ihre Entschlüsselung steht seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt der Forschung. Geschrieben wurde Hethitisch in Keilschrift, einem Zeichensystem, das auch Babylonier und Assyrer verwendeten.

Babylonisch als Vergleichssprache

Anfang des 2. Jahrtausends vor Christus gelangte die Schrift von Mesopotamien nach Anatolien. Zunächst benutzten nur wenige Gelehrte die fremden Zeichen, allmählich aber eroberten sie auch die Schreibstuben für diplomatische und alltägliche Korrespondenz. Lange konnten die frühen Forscher nicht verstehen, was sie lasen. Sie brauchten eine bekannte Vergleichssprache, auf die sie sich beziehen konnten: Babylonisch. Es verwendet Wortzeichen, Logogramme, die in vielen Sprachen dieselbe Bedeutung haben. Ein Wegweiser, mit dem sich der Bedrich Hrozny durch die Texte quälte. Der Tscheche stieß zum Beispiel auf folgenden Satz:




Das Ergebnis der intensiven Studien von Bedrich Hrozny gilt noch heute als Meilenstein der Wissenschaft. 1915 erschien seine Publikation mit dem unerwarteten Fazit: Hethitisch ist keine orientalische, sondern eine indo-europäische Sprache. Die Erbauer der trutzigen Wehranlage müssen also aus dem Norden, vielleicht aus dem Kaukasus, eingewandert sein. Doch aus welcher Region genau, können selbst Fachleute nicht nachweisen. Wahrscheinlich bleibt die Herkunft der mächtigsten Dynastie Anatoliens ein ewiges Geheimnis. Ihre Taten jedoch gingen in die Weltgeschichte ein.

Eng beschriebene Tafel Quelle: ZDF

Das alltägliche Leben im Detail

30.000 eng beschriebene Tafeln beleuchten jedes noch so alltägliche Detail des Zusammenlebens inmitten der einsamen Bergwelt. So verraten die Palastregeln, dass dem König von Hattusa rund um die Uhr zwölf Leibwächter zu Diensten standen. Andere Tafeln benennen die Namen der Herrscher und ihre siegreichen Feldzüge. Das Küchenpersonal war verpflichtet, einmal im Monat einen Eid auf die Einhaltung der Reinheit zu schwören. Gesetze schrieben Landarbeit in staatlichen Betrieben und Steuerabgaben vor. Sie enthalten aber auch Paragraphen zu Inzest und Sodomie.

Heilig die Dekrete über religiöse Verpflichtungen der Gemeinschaft. Den obersten Gottheiten gebührte absoluter Gehorsam, den die Hethiter bedingungslos unter Beweis stellen mussten. Die himmlischen Wesen galten als Bewahrer der kosmischen Ordnung und des Königtums. Der Zorn der Götter kam über die Menschen, sollten sie einen Schwur brechen. Die Eide wurden meist durch Kulthandlungen untermauert.

Unabdingbare Treue

An erster Stelle stand die Treuebezeugung gegenüber dem König. Als irdischer Vertreter der Götter amtierte er zugleich als höchster Priester und Richter. Seinem Willen hatten sich die Vasallen aus dem ganzen Reich zu unterwerfen. Eine Forderung, die immer wieder Unruhen auslöste. Sich dem Regenten zu widersetzen, ahndete der Wettergott mit dem sofortigen Tod. Die Furcht vor einem schrecklichen Ende einte selbst kritische Verbündete. Es gehörte zu den schlimmsten Vergehen, das Band der geheimen Bruderschaft zu zerschneiden. Das war absolut tabu, ebenso wie das Töten eines Familienmitglieds.

Mit dem Verbrennen von Fetischen besiegelte die eingeschworene Runde das Schicksal ihrer Feinde. Alles Tun diente ausschließlich dem Wohl des Landes. In der unwirtlichen Bergwelt von Anatolien zählte nur der Staat. Wie spannende Abenteuer lesen sich die Geschichten über die mythische Welt der Götter. Sie erzählen von den Irrungen und Wirrungen ihrer Liebesverhältnisse, von dramatischen Kämpfen gegen die Unbill der Natur und vielen anderen Ereignissen.

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