Inferno in Jerusalem

Tempelberg in Flammen

Im ersten Jahrhundert nach Christus ist Palästina eine Provinz des Römischen Reiches. Doch im Volk regt sich Widerstand. Im Untergrund operiert eine Befreiungsbewegung. Die Rebellen wollen die verhassten Römer mit Waffengewalt vertreiben. Die Provinz Judäa versinkt immer mehr in Aufruhr und Chaos.

Im Jahr 70 nach Christus zieht der römische Feldherr Titus mit seinen Legionen gegen die aufmüpfige Kolonie. Am 2. August erstürmen seine Soldaten die Mauern Jerusalems. Allein auf dem Tempelgelände fallen Hunderte von Verteidigern im verzweifelten Kampf. Die Legionäre plündern das Haus Jahwes und schleppen seine wertvollen Schätze als Kriegstrophäen weg.

Gewaltige Feuersbrunst

Schließlich stecken die Sieger das Gebäude in Brand. Eine gewaltige Feuersbrunst vernichtet das Gotteshaus. "Als ob der ganze Tempelberg in seinen Fundamenten koche" - so schildert ein jüdischer Zeitzeuge, der in römischen Diensten Karriere machte, das Werk der Flammen. Mit seinen ausführlichen Erinnerungen an die letzten Tage von Jerusalem hinterließ Flavius Josephus ein bewegendes Dokument der dramatischen Ereignisse.
Systematisch zerstören die Eroberer die Stadt und das Heiligtum und ziehen mit ihrer Beute zurück nach Rom. Mit der Katastrophe im Jahr 70 nach Christus beginnt der Untergang des ersten Staates der Juden.

So ist der Triumphbogen von Titus am Forum Romanum auch ein Mahnmal jüdischer Geschichte. Die Innenseite des mit Marmor verkleideten Baus schmückt ein weltberühmtes Relief. Soldaten schleppen den Schaubrottisch und die Menora aus dem Jerusalemer Tempel durch die Straßen Roms. Selbst nach fast 2000 Jahren präsentiert sich der fein gemeißelte Leuchter noch mit allen Details. Akribisch genau hat der römische Künstler die Einzelheiten des symbolträchtigen Beutestücks festgehalten. Das erlaubt Spezialisten für Modellbau, die Menora exakt zu rekonstruieren. Als Vorlage dienen Fotografien des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Das DAI ließ vor einigen Jahren den Titusbogen wissenschaftlich dokumentieren.

Hellenistischer Einfluss

Die Fabelwesen auf dem Sockel haben Historiker schon immer verwundert. Die Abbildung von Tieren auf sakralen Objekten ist nach altjüdischer Tradition verpönt. Denn viele Kreaturen gelten als unrein. Die Darstellungen auf dem Leuchter entstammen einem anderen Kulturkreis. Offensichtlich sind sie beeinflusst vom Hellenismus - der seit Alexander dem Großen griechisch geprägten Welt des Vorderen Orients. Der Überlieferung nach stiftete König Judas Makkabäus um 160 vor Christus eine neue Menora für den Tempel. Vermutlich das Exemplar, das in Rom landete.

Auch der Schaubrottisch nimmt noch einmal Gestalt an. Ebenso die beiden Posaunen, die auf dem römischen Relief zu sehen sind. Sie gehörten zum Tempelschatz, der in Depots rund um das Heiligtum lagerte. Um sie wirkungsvoll zur Schau zu stellen, montierten die Römer die Instrumente eigens für den Triumphzug an den Tisch. Auch der verzierte Rahmen kann nach der Abbildung rekonstruieren werden. Obwohl das Relief stark verwittert ist, verrät es noch, dass die Tischbeine in Löwenpfoten endeten. Dass Menora und Schaubrottisch im Tempel des Herodes standen, geriet schon bald nach dem Raub in Vergessenheit. In zeitgenössischen Dokumenten tauchen sie als "Instrumente Salomons" auf. Ein Irrtum, denn der weise König aus dem Alten Testament lebte 900 Jahre früher.

Pompöser Triumphzug

Was mit den Geräten am Tiber geschah, erlebte Flavius Josephus ebenfalls aus nächster Nähe. Denn er war mit den römischen Legionen nach Italien gekommen. Wie alle Feldherrn des Imperiums, feiert Titus seinen Sieg mit einem pompösen Triumphzug. Kriegsgefangene und die spektakulärsten Beutestücke lässt er der Bevölkerung in den Straßen präsentieren. Die exotischen Schätze erregten bei dem neugierigen Publikum ungeheures Aufsehen, schreibt Josephus.

Die schönsten Objekte befiehlt Titus im Tempel der Friedensgöttin aufzustellen. Ein Museum besonderer Art. Dort bestaunen die Bürger Attraktionen aus den fernen Ecken des Weltreichs. Längst ist der Friedenstempel vom Erdboden verschwunden. Doch in der Ewigen Stadt erinnern andere Spuren an das Inventar aus dem Haus Jahwes. Wie die frühen Christen, so bestatteten auch die Juden der Tibermetropole ihre Toten in unterirdischen Friedhöfen - den Katakomben. Viele aus Palästina vertriebene Menschen hatten sich in Rom angesiedelt. In den künstlichen Höhlen ritzten sie Abbildungen des siebenarmigen Leuchters in die Wände. Nach dem Verlust ihres Tempels erkoren die Juden die verschleppte Menora zum wichtigsten Symbol ihres Glaubens. Zum Zeichen der Hoffnung, irgendwann in die Heimat zurückzukehren.

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