Innere Reinigung

Gebräuche und Rituale

Wie konnte sich dieses uralte Wissen erhalten? Das Leben der Zoé ist - vielmehr als bei uns - voller festgelegter Rollen Gebräuche und Rituale. Die Kinder lernen von den Alten. Und diese wiederum stehen in Kontakt mit den Ahnen.

Im Traum helfen die Verstorbenen bei schwierigen Entscheidungen und geben Ratschläge. Doch wie lange noch wird das so weiter gehen? Bisher hat der undurchdringliche Dschungel einen Teil ihres Schutzes übernommen. Jetzt aber soll eine Straße entlang der Grenze ihres Reservats gebaut werden.

Gut gemeinter Traum

Sydney weiß, dass dann der Kontakt mit Weißen unvermeidbar wird. Eine schreckliche Vision: verkommene Wellblechütten, schmutzige und zerrissene Kleidung, Krankheiten und Seuchen. Damit wäre ihr Untergang besiegelt, ihr Wissen verloren. Es ist absurd: Dieselbe Zivilisation, die es nutzen will, zerstört seine Quellen. Sydney weiß, dass er diese Entwicklung nicht stoppen, sondern nur herauszögern kann. Doch das gibt ihm wenigstens Zeit, die Indianer darauf vorzubereiten. Manchmal hat er den gut gemeinten Traum, eine riesige Mauer um das gesamte Indianer-Gebiet zu bauen, damit die Menschen dahinter unbehelligt bleiben.

Am Waschtag werden die Kinder mit den schäumenden Fasern einer Liane abgeschrubbt, denn es steht ein besonderer Tag bevor. Ein Reinigungszeremonie ganz anderer Art, die zweimal im Jahr bei Vollmond gefeiert wird. Sie dient der inneren Reinigung des Menschen. Krankheiten oder böse Geister werden mit Pflanzen und alten Ritualen bekämpft.

Funktionierendes Miteinander

Die Zoé aus dem Nachbardorf haben sich bereits auf den Weg gemacht. Das monotone Stampfen und das Schlagen ihrer Stöcke auf den Boden, versetzt sie in eine besondere Stimmung und gehört bereits zum Ritual. Ebenso die weißen Federn, die als wirksamer Schutz gegen negative Energien gelten. Jeder im Dorf ist mit seiner ganzen Kraft auf die Vorbereitungen konzentriert. Solche Rituale sind in der Gemeinschaft dieser Indianer die alles entscheidende Voraussetzung für ein funktionierendes Miteinander.

Die Mädchen und Frauen reiben sich mit der roten Schmuckfarbe Orucun ein, um die Nachbarn zu ehren. Für die ist das bevorstehende Ritual auch eine Möglichkeit, auf friedliche Weise Probleme zwischen den beiden Dörfern zu bereinigen. Natürlich ist es auch eine Art Brautschau, weshalb die jungen Mädchen besondere Sorgfalt auf ihren Haarreifen aus Geierflaum und ihr Ganzkörper-Make-up verwenden. Der aufwendige Federschmuck der Männer ist Ausdruck ihres Stolzes und zugleich eine Verbindung zur Geisterwelt. Die Federn sind eine Art Antenne, um die magische Energie vogelähnlicher Wesen zu nutzen.

Endlich sind die Nachbarn eingetroffen. Zeit für die Ältesten, Neuigkeiten auszutauschen. Da Sydney Possuelo bisher Forschern den Zutritt verwehrt hat, versteht kein Weißer die Sprache der Zoé. Sydney stört das wenig. Sprachbarrieren existieren für ihn nicht. Er redet mit den Indianern - und sie hören ihm zu, als ob sie jedes Wort verstünden.

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