Insel mit riesigen Wächtern

Entdeckung auf der Rückfahrt

Der schwierigste Teil der Pazifik-Überquerung liegt noch vor ihnen. Die Fahrt gegen den Wind nach Osten. Die magischen Kräfte des Vogelmenschen allein tragen kein Floß voran. Es bedarf der Technik der Stechschwerter, um das Gefährt auf Kurs zu halten. Einer Technik, die in der abendländischen Seefahrt fast unbekannt war. Nach langen Wochen erreichen sie eine Insel mit riesigen Wächtern.

Die Schwerter - zwei am Bug und zwei am Heck - machen nur in Verbindung mit dem Segel Sinn. Ein künstlicher Kiel, der es den Männern erlaubt, die Richtung zu ändern und sogar zu kreuzen.

Abenteuer und Albtraum

Auf See wechselt das Wetter ständig - von völliger Windstille hin zu tosenden Stürmen. Die Takelage droht zu reißen, das Floß zu zerbrechen. Sofort muss das schwere Segel eingeholt werden. Stoisch klammern sich die Indios an alles, was Halt bietet - stets einen Klumpen Kokablätter im Mund. Auch die Navigation - auf den schwankenden Planken ein Glücksspiel. Für den Kronprinzen aus Cuzco, der zum ersten Mal auf dem Meer unterwegs ist, muss das Abenteuer mitunter zum Albtraum geworden sein. Der Eroberungsdrang fordert seinen Preis.

Nach langen Wochen auf den Wellen - die Erlösung. Sie nähern sich einer Insel. Einheimische kommen ihnen entgegen. Denn für die Inka ist es unmöglich, aus eigener Kraft an Land zu kommen. Nur in wenigen Buchten können sie anlegen. Steile Felsen überragen die Küste. Für Ortsunkundige eine schwere Aufgabe. Im Morgengrauen leiten die Helfer die Flotte der Fremden zum Strand. Eine gespenstische Stille liegt über dem Land.

Überdimensionale Figuren

Landen die Inka auf "Ninachumbi", der "Vulkan-Umgürteten" - auf der sagenumwobenen Osterinsel, wie sie heute heißt? Die Bewohner von Mangareva haben dem Fürsten von großen Götterstatuen erzählt. Sie thronen auf einer Insel, die ihre Bewohner "Nabel der Welt" nennen. Die Mannschaft sichert das Hauptfloß - aus Furcht, die Flut könnte es davontragen. Ehrfürchtig blicken Tupac Yupanqui und sein Gefolge auf die gewaltigen Monumente. Solche überdimensionalen Figuren haben die Inka nie zuvor gesehen. Riesige Wächter aus Tuffstein. Einzigartige Wahrzeichen, die weit ins Land blicken.

Wer hat die Kolosse aus dem Fels gehauen und überall aufgestellt? Die stummen Zeugen, die zu Hunderten am Hang eines Vulkans stehen sind Abbilder von Göttern oder Ahnen - als ewiger Schutz für die Bevölkerung. Der Norweger Thor Heyerdahl hielt die so genannten Moais für das Werk altperuanischer Steinmetze. Gefertigt von Gefolgsleuten des legendären Führers Kontiki Viracocha. Heute wissen die Forscher, dass Siedler ab dem 4. Jahrhundert die mächtigen Statuen schufen. Steinritzungen stammen jedoch aus späterer Zeit.

Rätselhafter Steinaltar

Ein Ahu auf der Insel mutet rätselhaft an - ein Steinaltar mit Grabkammern, hochgezogen aus massiven Quadern. Fein gefügt wie die Mauern der Inka-Festung von Cuzco. Eine Hinterlassenschaft von Tupac Yupanqui: "Seht, wir waren hier!"?

    Archäologe Jorge Edwards über den rätselhaften Ahu:
    "Nein, das sind sehr weiche Steine, die jeder behauen kann. Wenn man die Blöcke genau betrachtet, stellt man fest, dass sie nicht so fein gearbeitet sind, wie die von Cuzco in Peru. Sie täuschen das Auge. Die Quader sind nur auf der Vorderseite fein aneinandergepasst. Nach hinten verjüngen sie sich aber. Ich vergleiche die Blöcke immer mit Fernsehgeräten, die nach vorn Wirkung machen sollen, hinter die man aber nicht schaut. Auf der Rückseite sind die Steine nur dürftig behauen."

Doch keine andere Insel weist vergleichbare Mauern auf. Im pazifischen Raum beherrschten nur die Inka-Steinmetze die hohe Kunst des nahtlosen Fugens. Zwischen die Blöcke passt nicht einmal die Klinge eines Messers. Die wenigen Spalten hat ein Erdbeben verursacht. Die Rückseiten der Mauern vernachlässigten die Steinsetzer.

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