Interdisziplinäres Forschen

Archäologe trifft Botaniker

Die Archäologen allein kommen auf der Jagd nach dem grünen Gold, den Arzneien des Regenwaldes, nicht weiter. Archäologie-Professor Nikolai Grube trifft sich mit einem pharmazeutischen Biologen und Botaniker.

Professor Michael Heinrich ist Spezialist für mesoamerikanische Arzneipflanzen. Jahrelang hat er in Mexiko geforscht. Gemeinsam mit dem Archäologen begutachten er ein Ornament im Palast von Palenque.

Verwittertes Abbild

Sie sind sicher, dass eine Pflanze dargestellt ist. Doch mehr ist dem verwitterten Abbild nicht zu entlocken. Ob sie für Heilung von Krankheiten und Wunden genutzt worden ist, lässt sich nicht mehr entziffern. Die Wandmalereien lassen nur Pflanzen erahnen.

Grube zeigt Heinrich auch die wesentlich ausgeprägteren Darstellungen am Sarkophag. Die Mayas glaubten, dass die Seelen der Verstorbenen gelegentlich ins Leben zurückkehrten, um den regierenden Fürsten Ratschläge zu geben. Der Botaniker hält die Vermutung, dass es sich bei dem über tausendjährigen Steinfries um eine Darstellung der Nanche handelt, für durchaus möglich. Die Nanche, wissenschaftlich Byrsonima crassifolia, ist Heinrich als Heilpflanze bekannt. Auffällig sind die gelben Blüten der Nanche: ein Baum, der bis zu 15 Meter hoch wachsen kann.

Kabinett voller Naturschätze

Rund 30.000 verschiedene Pflanzenarten in Mexiko sind wissenschaftlich erfasst, weitaus mehr als in Europa. Und immer noch werden neue entdeckt. Für das geübte Auge des Biologen ist der Regenwald ein Kabinett voller interessanter Naturschätze. Zwischen einigen überwucherten alten Stufen entdeckt er die Dorstenia contrajerva. Sie soll bei Schlangenbissen helfen. Doch bisher wurde sie nicht auf Wirkstoffe untersucht. Oft wachsen die Heilpflanzen nicht nur in der Nähe von Ruinen, sondern in unmittelbarer Nähe der Maya Dörfer.

Die Begonienart, eine Verwandte unserer Zierpflanze wird nicht nur als Gemüse gegessen, sondern ihre Knollen werden auch als Medizin eingesetzt. Und die Stängel helfen angeblich bei Herzbeschwerden. Tatsächlich konnten in Untersuchungsreihen sehr effektive, Zell tötende Wirkstoffe isoliert werden.

Medizinische Vorstellungen

Nach der mexikanischen Populärmedizin soll es bis zu 5000 Pflanzen geben, die heilende Wirkung haben. Allerdings wurden nur in wenigen Orten im Maya-Land wissenschaftlich exakte Erhebungen durchgeführt. Dabei müssen auch immer die medizinischen Vorstellungen der Maya beachtet werden, denn viele Heilpflanzen sollen gegen Beschwerden helfen, die kein moderner Arzt kennt.

Chemisch hergestellte Arzneimittel sind in Mexiko zwar überall erhältlich, aber für die Einheimischen meist zu teuer. Deswegen wird regelmäßig bei Leiden aller Art ein Heiler konsultiert. Die Heiler haben unterschiedliche Behandlungsmethoden. Einige verbinden pflanzliche Mixturen mit magischen Beschwörungsformeln, andere nutzen ihren Hausgarten als günstige Apotheke.

Gegen alles ein Kraut gewachsen

Der Heiler, den Professor Heinrich besucht, verwendet gerne eine amerikanische, von ihm aber mit dem europäischen Namen Arnika bezeichnete Art, Sie unterscheidet sich von der Europäischen, sieht ihr aber ähnlich. Auf seine selbst gemixten Augentropfen schwört er. Durch die Kenntnisse der weisen Alten ist Heinrich immer wieder auf interessante Pflanzen aufmerksam geworden. Gegen alles sei ein Kraut gewachsen.


Traditionell nutzt man bei Durchfall und Magenentzündungen die Früchte der Kaulotte, Guazuma ulmifolia. Heinrichs Untersuchungen ergaben, dass diese Pflanze eine Heilpflanze der alten Maya gewesen sein könnte.

In den Fruchtkapseln und in der Rinde finden sich Stoffe, die Durchfall hemmen können. Auch der Baum Palo Mulato wird als Medizin genutzt. Seine aromatische Rinde hilft als Aufguss.

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