Jäger auf Expedition zur Kokos-Insel

Unterschiedliche Ansätze, gemeinsames Anliegen

Das wirkliche Geschehen von damals zu rekonstruieren, gestaltet sich schwierig. Seit 15 Jahren sucht der Historiker Raul Arias nach Dokumenten, die die Existenz des Schatzes belegen.

Im peruanischen Nationalarchiv in Lima hofft Raul Arias auf entscheidende Unterlagen zu stoßen, denn in spanischen Archiven finden sich keine Anhaltspunkte, keine Inventarlisten, keine Aufstellung verschwundener Wertgegenstände.

Wichtige Unterlagen verschwunden

In Peru lagert ein großer Teil der Geschichte tief unten in den Katakomben des Justizpalastes. Dokumente, vernachlässigt und noch nicht systematisch ausgewertet. Bislang verfügte der Historiker Arias aus Costa Rica nicht über die nötigen Mittel, das Archiv zu durchforschen. Wahrscheinlich sind in den Wirren des Bürgerkrieges wichtige Unterlagen verschwunden, wie sonst ist es zu erklären, dass es so wenige historische Quellen über die Geschehnisse jener Zeit gibt?

Arias Meinung hierzu bleibt vorerst Spekulation und ist unter den Wissenschaftlern durchaus umstritten.

Das Schicksal der "Mary Dear" und ihrer kostbaren Ladung beschäftigt den Schatzjäger Chris Weston seit seiner Kindheit. Schon in den 40er Jahren berichtete sein Vater als Korrespondent für amerikanische und britische Zeitungen über den Schatz der Kokosinsel. Inzwischen besitzt die Weston-Familie ein umfangreiches Archiv. Bücher, Fotos von fast allen Expeditionen, Zeitungsartikel, die über Piratenschätze und Glückssucher geschrieben wurden. Auch bekannte Persönlichkeiten versuchten es: Theodore Roosevelt war auf der Insel und nahm an mehreren Expeditionen teil, als er Präsident der Vereinigten Staaten war.

Ursprung der Legende

Im Amerika der 30er Jahre sorgte die Schatzsuche auf der kleinen Insel im Pazifik für unterhaltsame Geschichten in den Klatschspalten. Roosevelt fand die Kostbarkeiten jedenfalls nicht und verlegte sich wieder aufs Fischen. Der 60 Millionen Dollar Schatz mitsamt Madonna blieb auch ihm verborgen. Weston zufolge liegt der Ursprung der Legende von einer goldenen Statue im 17. Jahrhundert, als der Pirat William Dampier vor Panama einen lukrativen Kaperzug machte.

Puntarenas an der Pazifikküste von Costa Rica ist heute der Ausgangspunkt für die meisten Expeditionen zur Isla del Coco. Im 19. Jahrhundert blühte hier der Handel mit Kaffee und Bananen, der Hafen war Anziehungspunkt für Seemänner, Kaufleute und Abenteurer. Mittlerweile reisen von Puntarenas aus Taucher mit Schiffen wie der Okeanos zur Kokosinsel. Diesmal allerdings wird das Schiff für die Forschungsreise von Raul Arias beladen. Eine Expedition, an der Chris Westen nicht teilnimmt. Die beiden Schatzjäger sind seit langem zerstritten. Sein Sohn Steven jedoch will sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Ihn eint mit Arias das Bestreben, endlich die Überlieferung von historischer Wahrheit zu trennen. Zu lange schon geistern nicht nur in Puntarenas immer neue Varianten der Schatzlegende in den Köpfen der Menschen herum.

Mit der Okeanos zur Kokosinsel

Zur Ausrüstung der Expedition gehört ein Ultra-Light-Flugzeug, mit dessen Hilfe Luftbilder gemacht werden sollen, um die Topographie der Insel zu analysieren. Doch unter erschwerten Bedingungen, denn auf Kokos gibt es keine Start- oder Landebahn. Nach 36 Stunden auf See und rund 300 Seemeilen von Puntarenas erreicht die Okeanos die Schatzinsel. Das Beiboot nimmt Kurs auf die größte Bucht der Insel, die Wafer-Bay. Das Anlanden wird zum ersten Abenteuer für Steven Weston und Raul Arias. Mit Mühe gelingt es, das Fluggerät an Land zu bringen, doch ein Start auf dem engen Strandabschnitt scheint unmöglich zu sein.

Die Kokosinsel gehört seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO, Costa Rica bewahrt sie als Nationalpark. Nur Park-Ranger wohnen auf der Insel und bewachen sie das ganze Jahr über. Touristen dürfen die Isla del Coco nur sehr eingeschränkt betreten, Übernachtungsmöglichkeiten gibt es nicht. Weston und Arias erfreuen sich ab jetzt der "fürsorglichen Betreuung" durch die Ranger, die ihre Sache nicht lateinamerikanisch entspannt, sondern durchaus ernst nehmen. Den beiden Forschern werden Auflagen gemacht, mit denen sie nicht gerechnet hatten. Sie bekommen nur die Genehmigung, ganz bestimmte Gegenden zu betreten. Andere Gebiete bleiben unter Berufung auf den Naturschutz gesperrt.

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