Jagd auf Biopiraten

Indianerreservate in Gefahr

Blut, der "ganz besondere Saft", ist unter Pharmakologen und Genforschern noch begehrter, wenn er von Naturvölkern stammt. Ihre DNS ist reiner als die von Europäern oder Amerikanern und deshalb leichter zu analysieren.

Genlabore bieten per Internet Plasma aus Indioblut an, mit genauen Angaben über Alter, Geschlecht und Stammeszugehörigkeit des Spenders.

Blut für den Profit

Bei der Blutabnahme erklärte man den Yanomami, es sei ausschließlich für Malariatests bestimmt. Erst Jahre später erfuhren sie, dass dies eine Lüge war. Das Blut diente nur dem Profit der Pharmaindustrie. Es liegt bis heute in den Kühlschränken der Labors. Um seine spirituelle Bedeutung für die Indianer kümmerte sich keiner.

Aber nicht nur ihr Blut, auch das Heilwissen der Indianer ist für die westliche Industrie interessant. Im Auftrag von Pharmafirmen suchen Forscher den Kontakt mit Schamanen und Medizinmännern, um alles über die Wirkung von Pflanzen oder Insektengiften zu erfahren. Dann schmuggeln sie die Rohstoffe außer Landes. Biopiraterie ist eine neue Form organisierter Kriminalität. Die Pharmaforschung hat inzwischen erkannt, dass Medikamente, die auf natürlichen Molekularstrukturen basieren, verlässlicher sind und weniger Nebenwirkungen haben als synthetisch hergestellte Substanzen. Doch deren Ursprungsländer gehen meist leer aus.

Mutiger Kämpfer

Größtes Reservoir verwertbaren Genmaterials ist der Amazonas, eine der unwegsamsten Regionen der Welt. Das Javari Valley wurde 1984 zum Indianerreservat erklärt. Ohne Spezialerlaubnis hat hier kein Weißer Zutritt. Doch das Gebiet von der Größe Portugals ist nur schwer zu überwachen. Der Kampf gegen Biopiraterie wird hier von einem mutigen Mann geführt: Sydney Possuelo. Er war einer der letzten "Sertanistas", Waldläufer, die im Auftrag der brasilianischen Regierung unbekannte Regionen des Landes erkundeten. Heute arbeitet er für die FUNAI, die staatliche Indianerschutzbehörde. Er besucht regelmäßig selbst abgelegenste Indianerstämme, um Informationen über eventuelle Eindringlinge zu erhalten.

Vor allem Holzfäller, Fischer und Jäger kommen illegal in die Reservate. Sie holen sich Holz, Wild und Fisch. Sydney und seine Leute haben schon ganze Schiffsladungen von Tropenhölzern und anderem Schmuggelgut beschlagnahmt. Doch Biopiraten sind viel schwerer zu fassen, selbst wenn sie mit Blut-, Pflanzen- oder Insektenproben erwischt werden. Oft arbeiten sie mit gefälschten Genehmigungen, oder angeblich im Auftrag brasilianischer Universitäten. Dann sind selbst den Leuten der FUNAI die Hände gebunden.

Blutige Auseinandersetzungen

Für die Anführerin der Korubos war Sydney der erste freundliche Weiße, dem sie je begegnet ist. Vor zwei Jahren war es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Korubo und umliegenden weißen Siedlern gekommen. Als Sydney davon hörte, griff er ein. Niemand kannte die Sprache der Korubos. Die Gefahr von Missverständnissen war groß. Wie soll man einem Volk, das immer wieder von Weißen beschossen wurde, klarmachen, dass man jetzt mit besseren Absichten kommt?

Die Korubos haben inzwischen Vertrauen zu den Leuten der FUNAI, auch wenn die Verständigung immer noch sehr schwierig ist. Doch Sydney steckt in einem Zwiespalt. Einerseits will er die Korubos schützen, andererseits weiß er, dass schon dieser kleine Kontakt das ursprüngliche Leben der Indianer aus dem Gleichgewicht bringt. Doch er hat keine andere Wahl. Heute besteht diese Gruppe noch aus 20 Menschen, aber schon morgen können es nur noch zehn sein. Getötet durch Gewehrkugeln eines Holzarbeiters oder von einem einfachen Grippevirus, eingeschleppt durch weiße Genjäger.

Landeseigene Ressourcen schützen

Eine Einheit der brasilianischen Bundespolizei soll Sydney unterstützen. Mit dieser Task Force, die auf Biopiraterie spezialisiert ist, will die brasilianische Regierung die landeseigenen Ressourcen schützen. Denn ist eine genetische Substanz erst mal außer Landes, haben die brasilianischen Behörden keinen Einfluss mehr.

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