Japans Ein- und Auswanderer

Warum Lachse tricksen und Bären vergöttert werden

Japanische Lachse werden in Flüssen geboren, wandern dann ins Meer und kehren zum Laichen in die Süßgewässer ihrer Geburt zurück. Eine kleine Gruppe von Lachsen jedoch wandert nicht aus, sondern bleibt in ihrem Heimatfluss. Welche Strategie steckt hinter diesem Verhalten der Fische?

Kirschlachs in einem Fluss
Kirschlachs in einem Fluss Quelle: ZDF

Jeden Winter schlüpft in den Oberläufen der Flüsse eine neue Generation Kirschlachse. Ihren Namen tragen sie, weil sie alljährlich zur Zeit der Kirschblüte wieder hunderttausendfach aus dem Meer zurückkehren und die japanischen Flüsse hochsteigen.

Dicke Fische

In ihrer Jugend sehen die Kirschlachse alle gleich aus und müssen den gleichen Gefahren trotzen. Im Frühjahr sind die Lachse stattlich herangewachsen. Weil aber das Futter nicht für alle reicht, entbrennt bald ein harter Konkurrenzkampf. Nur die stärksten Männchen setzen sich durch und verbleiben in den Flüssen. Die schwächeren Männchen und alle Weibchen wandern ins Meer. Bei ihrer Rückkehr sind sie kaum wiederzuerkennen. Die einstigen Verlierer sind jetzt doppelt so groß wie die daheim gebliebenen Artgenossen und unterscheiden sich deutlich durch ihre Form und die rote Färbung.

Keine Frage, wer nun bei der Befruchtung die besseren Chancen hat: Die Weibchen bevorzugen große Partner. Nur mit einem Trick kann es den kleinen Männchen gelingen, den eigenen Nachwuchs zu sichern. Beim Laichen legt das Weibchen die Eier auf den Boden ab. Das ist ihre Chance: Geschickt schlüpfen die kleinen Fische an ihren mächtigen Konkurrenten vorbei und entlassen Wolken von Samen über den Eiern. Dadurch erhöhen sie ihre Chancen, Nachkommen zu zeugen - obgleich sie körperlich die Unterlegenen sind.

Lachse und Bären

Jede der über 13 Lachsarten in Japan hat ihre eigene Fortpflanzungsstrategie entwickelt. Die Männchen der Buckellachse etwa verändern am Ende ihres Lebens ihr Aussehen, nämlich dann, wenn sie zum Laichen die Flüsse hochschwimmen und permanent mit anderen Männchen um die Reviere kämpfen müssen. Diese Kämpfe lassen ihren Hormonspiegel ansteigen, und die Hormone wiederum bewirken, dass sich ihre Farbe ändert. Mit dem sogenannten Laichhaken, der ihnen oben am Maul wächst, können sie besonders kräftig auf die anderen Männchen einbeißen.

Bevor die Buckellachse und ihre Verwandten sich paaren, müssen sie einigen Gefahren entgehen. Wenn die Schwärme von Hunderttausenden Tieren die Flüsse der Insel Hokkaido hinaufwandern, werden sie schon erwartet: Hier leben etwa 3.000 Braunbären. Sie kamen einst über Eisbrücken von Russland und waren lange die unumstrittenen Herrscher der Insel. Als die ersten Menschen Japans Norden besiedelten, war der Konflikt unvermeidlich. Bis heute haben die Bären für die Ureinwohner Hokkaidos eine herausragende Bedeutung.

Jäger- und Sammlervolk im Norden

Die Ainu kamen einst als Jäger und Sammler hierher. In den Tieren sahen sie Gottheiten, die besondere Verehrung verlangen. Dem Bären räumten sie früh eine Sonderstellung ein. In der Vorstellung der Ainu ist das Tier von einem Gott beseelt, der mit einem heiligen Ritus befreit werden muss. So, glaubten sie, würde der Bär vom gefährlichen Nahrungskonkurrenten zum Gefährten.

Mann aus dem Volk der Ainu bei einem Ritual am Feuer
Ainu Quelle: ZDF

Die Vorfahren der Ainu betraten die japanischen Inseln vor etwa 16.000 Jahren über eine Landbrücke im Norden. Die Jäger- und Sammlerkultur kam in Bedrängnis, als später Völker aus China über Korea einwanderten und den Reisanbau mit auf die Inseln brachten. Nur auf Hokkaido hielten die Ainu dem Druck der Neuankömmlinge stand. Denn kaltes Klima und raues, dicht bewaldetes Terrain machen hier den Reisanbau unmöglich. Die Ainu dagegen fanden mit der Jagd ihr Auskommen. Bis heute pflegen sie ihre Traditionen, allerdings nur mit folkloristischen Tänzen, in denen sie wie früher der Natur huldigen. Auf Hokkaido leben noch rund 24.000 Ainu, die erst seit Kurzem als kulturell eigenständige Minderheit anerkannt sind.

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