Japans gefährliche Vulkane

Verehrt und gefürchtet

Der Fuji-San ist einer der drei heiligen Berge Japans und das Wahrzeichen des Landes. Sein Gipfel wird als der schönste der Welt verehrt. Doch es ist eine gefährliche, trügerische Ruhe. Denn der mit 3776 Metern höchste Berg Japans ist ein Vulkankegel nur 50 Kilometer von Tokyo entfernt.

Wenn der Fuji explodiert, erleben Millionen die Hölle vor der Haustür. Fieberhaft arbeiten Wissenschaftler an Frühwarnsystemen. Der Fuji-San ist nicht die einzige Bedrohung. 200.000 Todesopfer gab es in den letzten 200 Jahren. Vulkanausbrüche bedrohen Megastädte wie Tokyo und damit ganze Wirtschaftssysteme.

"Heiße" Schnittstellen

1707 hatte der Fuji einen gewaltigen Ausbruch. Damals stellte man sich die im Erdinneren lauernde Gefahr als brodelnde Höllenfeuer mit glühenden Flüssen vor, die sich aus Kratern ergießen. Heute wissen wir, dass die Erdoberfläche aus Platten besteht, wo sie aneinander stoßen entsteht Vulkanismus. Japan liegt an einer besonders "heißen" Schnittstelle mit 60 feuerspeienden Bergen. 85 Prozent der Landmasse Japans besteht aus Bergen. Einer der berüchtigtsten erhebt sich im Norden der Insel Kyushu: der Unzen. Er steht im Mittelpunkt der Untersuchungen des deutschen Geologen Ulrich Küppers.

Der Wissenschaftler besucht das japanische Vulkanforschungszentrum Tsukuba, vor den Toren Tokyos. Das gemeinsame Ziel der internationalen Vulkanologie ist es, Methoden zu entwickeln, um Zeitpunkt und Stärke von Ausbrüchen bestmöglich vorhersagen zu können. Die japanischen Kollegen freuen sich über den Austausch. "Experimentelle Vulkanologen", wie Küppers, sind weltweit sehr gefragt.

Schlüssel zum Verständnis

Dr. Kozo Uto führt ihn zu seinem größten Schatz. In unzähligen Kisten liegt hier einer der Schlüssel zum Verständnis der unsichtbaren Vorgänge im Magma, dem glühend-flüssigen Material unter der Erdkruste: Bohrkerne, mehrere Kilometer tief aus den Flanken des Vulkans Unzen herausgeholt. Sie gewähren Einblicke auf die genaue Abfolge aller Ausbrüche seit Geburt des Vulkans, circa 500.000 Jahre zurück. An den Zylindern lassen sich Häufigkeit, Intensität und Materialzusammensetzung der Eruptionen ablesen.

Küppers interessiert vor allem, ob Zyklen zu erkennen sind. Sie könnten Anhaltspunkte zur Vorhersage zukünftiger Aktivitäten geben. Dazu braucht Küppers Proben, so viele wie möglich und von allen Ausbrüchen. Prognosen sind nur auf einer breiten Datenbasis möglich. Das Alter der einzelnen Bohrkerne ermittelt Kozo Uto mit Hilfe der Zerfallszeit radioaktiver Argon-Isotope mit einer "Genauigkeit" von unter 10.000 Jahren. Wenn man bedenkt, dass die Erde über vier Milliarden Jahre alt ist, ist das ziemlich exakt. Im Mikroskop untersucht Küppers Dünnschliffe der Lavaproben. Art, Größe und Form von Kristallen und Blasen verraten, unter welchen geochemischen Bedingungen der Feuerberg ausgebrochen ist.

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