Jeffersons Projekt

Archäologische Abenteuer mit seltsamen Hügeln

Virginia, Sommer 1784. Auf seinem Landsitz Monticello gibt Thomas Jefferson, zwanzig Jahre später dritter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, einen Empfang. Der Hausherr engagiert sich nicht nur für Politik, sondern auch für die Wissenschaft.

An jenem Tag überrascht Thomas Jefferson seine Gäste mit einem außergewöhnlichen Projekt.

Wildeste Spekulationen

Auf seinem Gelände plant er, eine Grabung durchzuführen und damit einer Frage nachzugehen, die damals viele bewegt. Was steckt unter den merkwürdigen Erdhügeln, die überall im Land aus dem Boden aufragen? Sind es heilige Bauten einer mythischen Urrasse oder die Relikte von Überlebenden des sagenumwobenen Atlantis? Haben gar gezähmte Mammute, vorzeitlichen Bulldozern gleich, das Erdreich aufgetürmt? So die wildesten Spekulationen.


Mehr als einhunderttausend der Erhebungen prägten einst weite Teile der Landschaft - vom Atlantik bis zum Mississippi. Die meisten jedoch sind längst zerstört. Einige aber wurden in die Gestaltung von Siedlungen einbezogen - als Verkehrsinseln oder markante Aussichtspunkte.

Mounds als Rätsel

Manche der Mounds sind zu Ensembles gruppiert. Andere wiederum stehen einzeln und locken Ausflügler an. Als Kegel oder auch in Pyramidenform errichtet, dann wieder wie bei einer Festung von einem Wall umgeben oder durch schnurgerade Straßensysteme verbunden - die Mounds bleiben den neuen Amerikanern ein Rätsel. Zwar bestaunen sie die Vielfalt der imposanten Bauten. Aber kaum einer traut solch eine Leistung den Ureinwohnern zu. Denn in den Augen der Neuzeitler sind die Indianer nichts anderes als primitive Waldläufer, allenfalls noch geschickte Jäger.


Für das archäologische Abenteuer auf seinem Grundbesitz wählt Thomas Jefferson einen kegelförmigen Hügel aus. Zunächst lässt er nur oberflächlich graben, und das an mehreren Stellen zugleich. Schon bald stoßen die Arbeiter auf große Mengen menschlicher Knochen. Ein erster Erfolg. Gewissenhaft hält der kluge Kopf den Befund fest. In seinen Aufzeichnungen heißt es: "Es herrschte ein völliges Durcheinander, zusammengehalten nur durch das Erdreich. Knochen der verschiedensten Körperteile wurden beieinander gefunden, so dass der Eindruck entstand, sie seien unterschiedslos aus einem Sack oder Korb ausgeschüttet und mit Erde bedeckt worden."

Hügel im Querschnitt

Nach dem eher zufälligen Vorgehen entwickelt der Forscher ein präzises Verfahren: die Stratigraphie. Bis heute ein unerlässliches Handwerkszeug der Archäologen. Dafür lässt der Amerikaner einen senkrechten Schnitt durch den sechs Meter hohen Hügel anlegen. Aus den übereinander liegenden Schichten kann er so - wie in einem Kalender - die zeitliche Abfolge der Bestattungen ablesen.


Ein Einblick in den Totenkult der Indianer. Offenbar beerdigten die Ureinwohner lediglich die Gebeine, und das in einem Sammelgrab. Stoff- oder Lederreste fehlen gänzlich. Jefferson vermutet, dass die Körper der Verstorbenen vor der Bestattung bereits vollständig verwest waren. Auf die erste Knochenschicht auf ebenem Boden folgt eine Lage Erde - mühsam herangeschleppt, Korb für Korb. Denn die Menschen damals kannten weder Fuhrwerk noch Zugtiere - nicht einmal das Rad.

Knochenschichten bis 30 Meter

Jahre später breiteten sie eine zweite Knochenschicht darüber und bedeckten auch diese wieder mit Erde. Im Lauf der Generationen wuchsen die Aufschüttungen allmählich empor - manche bis auf gut 30 Meter. Nur ein Bruchteil der vergänglichen Ruhestätten blieb erhalten. Anders als bei den ägyptischen Pyramiden stützten weder Lehmziegel, Holz noch Steinquader die aufwendigen Konstruktionen.

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