Jericho und Beidha

Erfindung der Immobilie

Als Keimzelle der Zivilisation vermuteten Gelehrte stets den Raum des heutigen Palästina. Besonders klotzig zeigt sich Jericho - die Oasenstadt aus der Bibel. In der Blütezeit vom Göbekli Tepe war Jericho nur ein bescheidenes Lager von Jägern und Sammlern.

Danach war Jericho eine Lehmhaussiedlung - umgeben von einer etwa dreieinhalb Meter hohen Mauer. Ein Schutzwall gegen Flutwellen oder feindliche Stämme.

Architektonischer Weltrekord

Den Überraschungsfund aber machten Archäologen in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Sie legten einen fast neun Meter hohen Turm frei, den Baumeister etwa 7500 vor Christus hoch gezogen hatten. Für jene Ära ein architektonischer Weltrekord.


In Schichten aus einer späteren Epoche kamen mysteriöse Objekte zutage. Zahlreiche menschliche Schädel - auf einzigartige Weise präpariert. Totenköpfe - überzogen mit Lehm. Geformt zu eindrucksvollen, plastischen Masken mit überaus realistischen Gesichtszügen. Eine Ahnenverehrung, wie sie ähnlich auch in nachfolgenden Kulturen praktiziert wurde.

Lebensechte Porträts

Nach der Entfleischung trennten die Steinzeitler den Kopf des Toten vom Körper ab. Aus Lehm und Kalk rührten sie einen Brei an und schmierten ihn auf die Knochen. Dann fingen sie an, die Gesichtsformen heraus zu modellieren. So entstanden lebensechte Portraits. Die Hinterbliebenen bewahrten die Reliquien in ihren Behausungen oder in eigenen Kulträumen auf. Ausdruck ihrer Verbundenheit mit den Verstorbenen. Schon das vorbiblische Jericho war ein heiliger Ort. Und der Turm eine rituelle Stätte - vermutlich vergleichbar mit Göbekli Tepe.

Im Großraum zwischen Palästina und der heutigen Türkei setzte vor rund 10.000 Jahren ein Prozess ein, der die Lebensweise der Nomaden vollkommen veränderte. Nachdem der Mensch Jahrtausende lang als Jäger und Sammler umhergezogen war, fing er irgendwann an, Äcker zu bestellen. Er zähmte und züchtete Tiere - eine epochale Umwälzung.

Neue Lebensweise

Die neue Lebensweise basierte auf Vorratshaltung. Erst der Hausbau machte das möglich. Die Gemeinschaft schloss sich in festen Dörfern zusammen. Einzelne Siedlungen gab es zwar vorher schon, doch die nutzten die Stämme nur saisonal. Anfangs bauten die Siedler runde, einräumige Häuser. Aus statischen Gründen mussten sie eng beieinander stehen. Die Räume hatten geglättete Kalkböden und eine feste Feuerstelle nahe der Tür. Die sesshaften Kleinfamilien lebten in bescheidenem Wohlstand.

Ganz in der Nähe der antiken Stadt Petra im Süden Jordaniens liegt Beidha, ein etwa 9900 Jahre altes Dorf. In seiner Art eines der ersten der Menschheit. Das alte Beidha gilt unter Fachleuten als frühes Beispiel für rechteckige Raumkonstruktionen. Eine technische Innovation mit weit reichenden Folgen. Sogar eine Unterfütterung durch Keller - vermutlich Werkstätten oder Speisekammern - gehörten zum steinzeitlichen Entwurf.

Kampf ums Territorium

Den Menschen jener Epoche ging es nicht schlecht. Viehzucht und Landwirtschaft sicherten die Ernährung der Bevölkerung das ganze Jahr über. Immerhin wohnten ungefähr 400 Einwohner in dem Dorf. Doch dann muss irgend eine Katastrophe passiert sein. Dem archäologischen Befund zufolge endete die Besiedlung dort abrupt. Mögliche Ursache war ein Überfall kriegerischer Nachbarstämme, die nach besseren Lebensbedingungen suchten.

300 Jahre nach seiner Gründung liegt Beidha verlassen da. Die Bewohner sind ausgewandert, um sich eine neue Bleibe zu sichern. Mit der Sesshaftigkeit beanspruchten Bauern und Viehzüchter eigenes Land. Konflikte brachen aus, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Der Kampf um das Territorium hatte begonnen. Und läutete die Ära "Jenseits von Eden" ein. Die biblische Episode von Kain und Abel - Symbol für den plötzlich aufflammenden Streit um Besitz.

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