Jesus auf buddhistischen Pfaden?

Aufsehen erregender Bericht eines russischen Forschers

Auf der legendären Seidenstraße zwischen Europa und China herrschte auch um die Zeitenwende reger Handelsverkehr. Von Jerusalem über Damaskus, Herat, Taxila nach Srinagar im nordindischen Kaschmir sind es über 5000 Kilometer. War auch Jesus auf dieser Route unterwegs?

Eine Strecke, die Handelskarawanen im 1. Jahrhundert regelmäßig zurücklegten. Die Reise dauerte viele Monate, selbst wenn alles glatt lief.

Multikulturelles Publikum

Auf der Route und ihren Nebenwegen tummelten sich Kaufleute, Prediger, Abenteurer und Wunderheiler. An den Raststationen, den Nachrichtenbörsen des Altertums, traf ein multikulturelles Publikum zusammen. Erfahrungen und Informationen über drohende Gefahren wurden ausgetauscht, aber auch Geschichten erzählt und religiöse Ideen verbreitet. Der junge Galiläer könnte mit am Feuer gesessen haben.

Bis heute erregt der Bericht eines russischen Forschers die Gemüter, der 1887 im Himalaja angeblich einen Aufsehen erregenden Fund machte. Nicholas Notovitch war eine schillernde Figur. Der Schriftsteller und Historiker quälte sich über 4000 Meter hohe Pässe nach Ladakh - damals auch Kleintibet genannt. Zwei Monate verbrachte er im Hemis-Kloster mitten in den Bergen - etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Leh entfernt. Während seines Aufenthalts zeigte ihm der Vorsteher ein heiliges, buddhistisches Buch. Ein Dolmetscher übersetzte, was der Mönch vorlas.

Erkenntnisse des Erleuchteten

In dem alten Text hieß es, Jesus sei als 14-Jähriger mit einer Handelskarawane nach Nordindien gekommen. Er lebte bei Brahmanen und anderen Gelehrten, lernte, böse Geister auszutreiben und mit Gebeten zu heilen. Schließlich begegnete er Anhängern von Buddha und machte sich mit den Erkenntnissen des Erleuchteten vertraut. Nach zwölf Jahren sei Jesus in die Heimat zurück gekehrt. Ließ sich der Begründer des christlichen Glaubens von Buddha inspirieren, der 500 Jahre vor ihm Güte, Toleranz und Mitgefühl predigte?

1894 veröffentlichte Notovitch den brisanten Bericht in Paris. Ein Jahr später verhaftete ihn der russische Geheimdienst und verbannte den Historiker ohne Begründung nach Sibirien. Die buddhistische Schrift, die er gesehen haben will, ist verschollen. Die Mönche, die jetzt das Hemis-Kloster bewohnen, kennen sie nicht. Selbst in der alten Bibliothek wird niemand fündig. Und doch gibt es einen Ernst zu nehmenden Hinweis, der die Suche rechtfertigt.

"... von der Schrift gehört"

In einem Brief von 1995 schreibt der damalige Leiter des Klosters: "Viele Mönche haben von der Schrift gehört, da man aber immer nur nach einem Buch wie der Bibel suchte und nicht nach einem tibetischen Manuskript, ist es möglich, dass sich die Schrift noch immer in Hemis befindet."

Damit endet die Spur. Die frommen Männer wollen der Sache nicht weiter nachgehen. Das Klosterleben hat Vorrang vor der Suche nach einer rätselhaften Schrift. Auffällig aber, dass der Schutzpatron von Hemis ein Magier ist, der dem Glauben nach über das Wasser gehen und durch die Luft fliegen konnte. Fähigkeiten, die auch Jesus beherrscht haben soll. Übte sich der Mann aus Nazareth in der indischen Tradition der Askese?

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