John Boyd Dunlops luftige Idee

Vom einfachen Luftreifen zum Hightech-Produkt

Der schottische Tierarzt John Boyd Dunlop kommt 1888 auf eine geniale Idee: Er zerschneidet eine seiner Gummischürzen und formt sie zu einem Schlauch. Damit ummantelt er eine einfache Holzscheibe und bläst den Schlauch auf.

Bis dahin kannte man für Fahrräder nur Hartgummireifen doch der neue Luftreifen rollt bedeutend leichter und komfortabler. Die Grundlage des modernen Reifens ist geboren. Er soll eines Tages zum großen Geschäft für die Kautschukindustrie werden und die Welt in ein neues Zeitalter der Mobilität führen. Doch das begann lange nach Goodyears Zeit.

Noch kein Ersatz für Naturkautschuk

Bis heute gibt es für Naturkautschuk keinen vollständigen Ersatz. Obwohl ein Reifen aus rund 300 verschiedenen Komponenten besteht, bietet kein anderes Material ähnlich gute Elastizität.


In Kurven werden vor allem die Seitenwände des Reifens extrem belastet. Selbst bei Geschwindigkeiten von 80 Kilometer pro Stunde verformen sie sich stark, die einwirkenden Kräfte sind hoch. Die Seitenwände benötigen daher ein Material von höchster Elastizität, und dafür ist Naturkautschuk am besten geeignet. Doch erst im Rennsport bei höchsten Geschwindigkeiten zeigt sich, was das Material zu leisten in der Lage ist.

Die Formel 1 ist das aufwendigste Entwicklungslabor der Welt. Die Verbesserung der Motoren verringert die Rundenzeiten um eine Hundertstelsekunde pro Saison. Die Neuentwicklung von Reifen jedoch bringt bis zu zwei Sekunden Zeitgewinn. Es sind die Fahrer, die den Ingenieuren genaue Berichte geben. Nach ihren Wünschen wird für jede Rennstrecke der Welt jedes Jahr eine neue, geheime Formel der Gummimischung entwickelt.

Reifen unter Hochdruck

Flugzeugreifen sind extremen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Bei der Landung verformen sich die Reifen um 30 bis 40 Prozent. Im Forschungszentrum von Goodyear in Akron, Ohio werden die Spezialreifen entwickelt und getestet. Ein Reifen wird unter Hochdruck mit Wasser gefüllt. An welcher Stelle und bei welchem Druck wird er platzen?

Beste Eigenschaften

Erst bei einem Druck von mehr als 55 Bar gibt der Reifen nach. Ein Vielfaches der tatsächlichen Belastung im Einsatz. Bei Start und Landung sind die Anforderungen besonders hoch. In großer Flughöhe auf 50 Grad minus abgekühlt, erhitzt sich der Reifen beim Aufsetzen blitzschnell bis auf 120 Grad Celsius.


Nach jeder Landung werden die Flugzeugreifen genauestens überprüft. Materialfehler könnten eine Katastrophe auslösen. Die Laufflächen können bis zu zwölf Mal runderneuert werden. Nach maximal 500 Landungen wird ein Reifen dann endgültig ausrangiert. Die Laufflächen bestehen fast vollständig aus Naturkautschuk, kein Werkstoff wäre besser geeignet, diesen Belastungen standzuhalten. Doch erst die Vulkanisation durch Charles Goodyear gab dem Rohstoff Kautschuk die gewünschten Eigenschaften.

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