Junger Held aus gutem Hause

Erste Bewährungsprobe in der Schlacht gegen Karthago

Im Jahr 154 vor Christus findet auf dem Forum in Rom die prachtvolle Totenfeier für Tiberius Sempronius Gracchus den Älteren statt. Dem Sohn des Toten, dem kleinen Tiberius, brennen sich die Eindrücke des Tages unauslöschlich in die Seele.

Tiberius kämpft gegen Karthago

Der zwölfjährige Tiberius ist bei der Trauerfeier für seinen verstorbenen Vater anwesend. Klageweiber beweinen den prachtvoll aufgebahrten Leichnam. Totentänzer treten mit Masken auf, die dem Antlitz des Verblichenen ähneln. Ein Senatssprecher zeichnet in einer ehrenden Ansprache den Lebensweg des Toten nach - ein ergreifender Staatsakt.

Berühmte Eltern

Der Verstorbene ist einer der einflussreichsten und angesehensten Politiker seiner Zeit gewesen, Spross vornehmster Kreise der römischen Oberschicht. Mehrere Vorfahren und Verwandte waren Konsuln gewesen. Tiberius selbst hatte dieses höchste Staatsamt sogar zweimal inne gehabt. Seine Leistungen als militärischer und politischer Führer sind schon zu seinen Lebzeiten legendär gewesen.

Seine Frau Cornelia ist die Tochter des Hannibal-Bezwingers Publius Cornelius Scipio Africanus, eines der größten Helden Roms. Von den zwölf Kindern wurden nur drei erwachsen: Tiberius, sein Bruder Gaius und Schwester Sempronia. Da sich Cornelia sehr intensiv um ihre Kinder kümmert, wird sie zum Inbegriff der Mutterrolle und bleibt dies bis mindestens ins 19. nachchristliche Jahrhundert.

Hohe Ideale

Ehre und Gerechtigkeit sollen die Ideale des Vaters gewesen sein. Tiberius S. Gracchus der Ältere habe sein persönliches Wohl dem des Staates untergeordnet, heißt es. Diese hohen Ideale anzunehmen und dem Vater nachzueifern, empfindet Tiberius S. Gracchus der Jüngere während der Trauerfeier als Verpflichtung. Tröstend und aufmunternd bestärkt Cornelia ihren Sohn in seinem Vorsatz.

Die Worte der Mutter nimmt sich der Knabe zu Herzen. Sie bestimmen fortan das ganze Streben des Heranwachsenden, der schon wenige Jahre später die Chance erhält, sich erstmals auszuzeichnen - beim Militär, wie man es von einem jungen Mann aus vornehmer Familie erwartet. Er nimmt an der Entscheidungsschlacht um Karthago teil - unter dem Kommando des genialen Strategen Scipio Aemilianus, seines Vetters und Schwagers.

Frühe Ehren

Es ist die letzte Schlacht des Dritten Punischen Krieges. Im Jahr 146 vor Christus setzen die Römer zum Sturm auf die Hauptstadt ihres alten nordafrikanischen Rivalen an. Tiberius ist knapp siebzehn, als er dem Erzfeind gegenüber steht. Kaum fronterfahren, muss er Mut und Führungsstärke beweisen. Er weiß, dass man ihn an seinem legendären Vater misst und will auf keinen Fall versagen.

Die Stadt ist auf dem Land- und Seeweg durch römische Truppen völlig abgeriegelt. Die Karthager wehren sich verzweifelt. Doch Tiberius gelingt die Glanzleistung, als Erster die 18 Meter hohe und neun Meter dicke Stadtmauer zu erklimmen und seine Abteilung nachzuführen. Dafür erhält er nach Beendigung der außergewöhnlich brutalen, etwa eine Woche dauernden Kampfhandlungen aus der Hand von Aemilianus die goldene Corona Muralis, eine sehr hohe Tapferkeitsauszeichnung.

Karthago brennt

Roms Rache

Die Römer machen Karthago dem Erdboden gleich, schleifen sämtliche Mauern und Gebäude. Nichts soll mehr an die einst blühende Mittelmeer-Metropole erinnern. Die Bevölkerung der Stadt wird auf brutalste Weise umgebracht, 50.000 ausgehungerte Überlebende in die Sklaverei verkauft.

Die Römer belegen das ehemalige Stadtgebiet mit einem Fluch und meiden es fortan. Neue Ansiedlungen in der jungen römischen Provinz Africa entstehen in einiger Entfernung. Die einstige Großmacht Karthago ist damit für alle Zeiten ausgelöscht, ihre Kultur vernichtet, ihre Sprache vergessen. Das westliche Mittelmeer ist nun unangefochten römisches Hoheitsgebiet.

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