Junkers' Verkehrsflugzeug-Projekt im Vorteil

Dornier mit Rückschlägen auf ganzer Linie

Das technische Wissen der Deutschen Luftfahrtindustrie ist den Siegermächten ein Dorn im Auge. Im Metallflugzeugbau sind Dornier und Junkers weltweit führend. Man schickt Kontrollkommissionen durchs Land.

Jede Idee und Neuerung muss auch Claude Dornier von den internationalen Kommissaren prüfen lassen. Er fürchtet, dass seine Pläne ausspioniert werden. Nur seiner Frau Olga vertraut Claude Dornier seine große Vision an: Er will ein Flugboot für den Passagierverkehr zwischen Europa und Amerika bauen. Doch wird die Kommission ein Flugboot dieser Größe gestatten?

Erster Non-Stop-Flug

Im Juni 1919 erreicht Dornier eine schockierende Nachricht. Die beiden britischen Offiziere Alcock und Brown sind von Kanada aus zum ersten Non-Stop-Flug über den Atlantik gestartet. Sollte ihnen gelingen, wovon Dornier schon seit Jahren träumt? Mit einem altersschwachen Bomber wagen die britischen Draufgänger das riskante Unternehmen. Die Welt fiebert mit den Piloten. Der Flug endet mit einer Bruchlandung in einem irischen Sumpf. Doch die beiden Männer haben Europa erreicht, und sie werden weltberühmt. Dornier weiß, dass er jetzt keine Zeit mehr verlieren darf.

Nur wenige Monate später ist sein neues Flugzeug startklar. In der Nordsee soll die "Gs I" heimlich getestet werden. Wegen der strengen Kontrollen in Deutschland sucht Dornier eine ausländische Werft. Dort will er sein Flugzeug in Serie produzieren lassen. Um seine Pläne nicht zu gefährden, darf nichts davon nach außen dringen,

Wilde Flucht

Doch die Kontrollkommission schlägt zu. Man wirft Dornier vor, insgeheim ein Flugzeug für die Marine zu bauen. Dornier trifft einen verzweifelten Entschluss: Er will auf jeden Fall verhindern, dass sein wertvolles Wissen in die Hände der Kommissare fällt. Im letzten Moment schickt er seine kostbare Maschine auf eine wilde Flucht. Nur der Pilot kennt das geheime Ziel. Es scheint ohnehin alles verloren. Die Kommissare ordnen die Zerstörung aller Teile in Dorniers Montagehalle an. Sie erfahren aber nicht, wo sich das fertige Flugzeug befindet. Dornier gelingt es, sein Wissen vor der Kontroll-Kommission zu verbergen. Doch er verliert kostbare Zeit.

Währenddessen ist Hugo Junkers ein geschickter Schachzug gelungen. Er präsentiert sein modernes Verkehrsflugzeug in Russland und stößt auf Begeisterung. Schon bald verhandelt er mit Regierungsvertretern. Er will ein Werk in Russland, in der Nähe von Moskau errichten. Junkers ist auf dem besten Wege zu einer Monopolstellung im Osten. Um Längen scheint er jetzt Dornier voraus zu sein, dem das Schicksal auch privat keine Rückschläge erspart.

Private Rückschläge



Nach dem Ersten Weltkrieg wütet die Spanische Grippe. Ausgezehrt von Hunger und Entbehrung haben die Menschen dem tödlichen Killer nichts entgegenzusetzen. Innerhalb eines Jahres werden weltweit 20 Millionen Menschen dahingerafft. In diesen schweren Zeiten nimmt die heimtückische Krankheit Claude Dornier seine geliebte Frau Olga. Erst 23-jährig wird die junge Mutter aus dem Leben gerissen. Sie hatte ihrem Mann zwei Söhne geschenkt, die Claude Dornier jetzt alleine großziehen muss.

Jahre der unermüdlichen Arbeit liegen hinter ihm. Jetzt hat er fast alles verloren. Auch sein neues Flugzeug, die Gs I, ist zerstört. In letzter Sekunde hat er es selbst angeordnet. Lieber soll seine Erfindung auf den Grund der Ostsee sinken als der verhassten Kontroll-Kommission in die Hände fallen. Das einzigartige Wrack der Gs I liegt bis heute irgendwo auf dem Boden der Kieler Förde. Es wurde nie gefunden.

Gelder für den Neuanfang

Während Junkers in Russland die Serienproduktion aufnimmt, steht Dornier vor dem Nichts. Doch der Zeppelinkonzern gibt dem talentierten Ingenieur eine letzte Chance und bewilligt Gelder für einen Neuanfang. Dornier will nach Italien. Dort hat er eine heruntergekommene Werft gefunden, ideal für seine Zwecke. Nur wenige Bauteile und Pläne hatten seine Männer retten können. Bei Nacht und Nebel schmuggeln sie das Material über den Bodensee in die Schweiz.



Hugo Junkers hat inzwischen für sein Flugzeug sogar eine Zulassung in Deutschland bekommen. Die Maschine gilt als zu langsam und zu klein, um als Kriegsgerät gefährlich werden zu können. Und jetzt will Junkers der Welt zeigen, was alles in seinem Flugzeug steckt. Während eines Testfluges schraubt sich die Maschine immer steiler in den Himmel, erreicht sagenhafte 6750 Meter. Noch nie hat ein Flugzeug solche Höhen erreicht.

Mittel für ein Nurflügler

Junkers wird von der Presse gefeiert. Und die Fluggesellschaften überhäufen ihn mit Bestellungen. Junkers' Maschinen fliegen bald in ganz Europa. Endlich hat der leidenschaftliche Flugzeugkonstrukteur die Mittel, auch sein Nurflügler-Projekt voranzutreiben, auch wenn ihm eines fehlt: Er selbst hat nie einen Pilotenschein besessen und ist auch selbst höchst ungern geflogen, ihm wurde immer schlecht dabei.

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