Kaiser Alexios' Empfang

Kreuzfahrer vor den Toren Konstantinopels

Papst Urban II. hat mit seinen Reden im Volk ein Fieber entfacht, dessen Ausmaß erst allmählich erkennbar wird. Der Kreuzritterzug zieht auch marodierende Horden an - ein katastrophaler Auftakt für eine bewaffnete Pilgerfahrt.

Im Herbst 1096 brechen französische, deutsche und italienische Teilverbände des offiziellen Kreuzzuges auf.

Aus allen Schichten der Gesellschaft

Gottfried von Bouillon führt das größte Kontingent. An seiner Seite sein Bruder Balduin. Anders als der tief fromme Gottfried ist Balduin, Graf von Boulogne, allen weltlichen Verlockungenen sehr zugetan. Die Teilnehmer des Kreuzzuges stammen aus allen Schichten der Gesellschaft. Wohlhabende führen ihren gesamten Haushalt mit. Auch sehr viele Frauen haben sich auf den Weg gemacht.

Unwegsames Gelände, Hitze, Kälte, Versorgungsengpässe - noch meistern die Kreuzfahrer jede Herausforderung, beseelt von der Gewissheit, Vergebung ihrer Sünden zu erlangen, fest im Glauben, Christus selbst leite sie. Sechs Monate Marsch quer durch Europa. Gottfrieds Truppe hat mehrere tausend Kilometer zurückgelegt, als sie am 23. Dezember 1096 vor den Toren Konstantinopels eintrifft.

Sakraler Prachtbau

Die Metropole auf der europäischen Seite des Bosporus, Hauptstadt des Byzantinischen Reiches, ist mit der Hagia Sophia, der riesigen Sophien-Kathedrale, spirituelles Zentrum der oströmischen, griechisch-orthodoxen Kirche. Doch kaum ein päpstlicher Gotteskrieger bekommt den sakralen Prachtbau zu Gesicht.



Als die Kreuzfahrer ankommen, werden die glänzenden Tore vor ihrer Nase geschlossen. Kaiser Alexios hat gute Gründe für den unfreundlichen Empfang. Die Kreuzfahrer bereiten den Byzantinern nichts als Ärger, seit sie die Reichsgrenzen überschritten haben. An solche unkontrollierbaren Heerscharen hatte der Herrscher nicht gedacht, als er den Papst um Hilfe bat.

Wie eine Heuschreckenplage

Eigentlich hatte er etwa 300 gut ausgebildete Ritter erwartet, die unter seinem direkten Kommando stehen sollten. Doch was er bekommt, hätte er sich nicht einmal in seinen wildesten Träumen ausmalen können. Zehntausende bewaffnete Fanatiker, die nach den Worten eines Chronisten wie eine Heuschrecken-Plage in sein Reich einfielen - Welle für Welle für Welle.

Die Befestigungen Konstantinopels umschließen die Stadt in zwei konzentrischen Mauerringen - über 16 Kilometer lang und zehn Meter hoch. Doch auf Dauer werden sie die Kreuzfahrer nicht aussperren können. Alexios sitzt in der Klemme.

Mit List und Tücke

Der byzantinische Kaiser lädt Bohemund von Tarent, Gottfried von Bouillon und Balduin von Boulogne, die zu den bedeutendsten Heerführern der Kreuzfahrer zählen, zu Verhandlungen ein. Mehrmals bereits hatte er ihnen wertvolle Geschenke zukommen lassen. Mit List und Tücke will der gewiefte Taktiker nun die diplomatisch unerfahrenen Ritter für seine Interessen einspannen.

Als namhafte Kämpfer sollen sie dem Kaiser und der oströmischen Kirche riesige Gebiete zurückgewinnen, die an die Seldschuken verloren gegangen waren. Alexios würde für Verpflegung sorgen und mit seinen Schiffen alle Kreuzfahrer nach Kleinasien übersetzen. Die Adligen leisten dem Regenten den geforderten Treueeid. Doch wer weiß schon, ob sie es ehrlich meinen?

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