Kaiserin wider Willen

Höfisches Leben als Marionette der Monarchie

Vom robusten bayrischen Mädchen vom Lande zur Kaiserin von Österreich: Elisabeths Leben scheint wie ein Märchen zu beginnen. Durch ihre Filmdarstellerin Romy Schneider wurde Elisabeth I. für alle Zeiten zur Legende. Doch ihre Wirklichkeit war ganz anders.

Sisi unglücklich (Spielszene) Quelle: ZDF

spanEigentlich soll Elisabeths ältere Schwester Helene mit dem österreichischen Monarchen Franz Joseph vermählt werden. Die Verlobung steht so gut wie fest. Doch beim Aufeinandertreffen in der Sommerresidenz des Kaisers im August 1853 in Bad Ischl verliebt er sich unsterblich in die 15-jährige Elisabeth. "Dem Kaiser von Österreich gibt man keinen Korb", ist der unmissverständliche Rat der Mutter an die hilflose Tochter. Nach der Hochzeit im darauffolgenden Jahr scheint Sisis Leben ein ewiger Walzer zu sein. Die Hoffnungen der Nation kristallisieren sich an der Prinzessin aus dem bayrischen Possenhofen. Niemand erkennt hinter der glänzenden Fassade die scheue junge Frau, die nicht prominent sein will.

"Erwacht in einem Kerker"

Vom Schloss Schönbrunn in Wien aus regiert Kaiser Franz Joseph sein Vielvölkerreich mit absoluter Macht. Über Politik erfährt die Märchenprinzessin nichts. Schnell verfliegt Elisabeths Euphorie: "Ich bin erwacht in einem Kerker", schreibt sie, "Fesseln sind an meiner Hand." Elisabeth erkennt, dass ihre einzige Aufgabe darin besteht, dem Kaiser und dem Reich einen strammen Thronfolger zu schenken. Über ihre Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie, schreibt Sisi: "Sie schleppte mich in den Garten und erklärte mir, es sei meine Pflicht, meinen Bauch zu produzieren, damit das Volk sehe, dass ich schwanger bin."

Schloss Schönbrunn in Wien Quelle: ZDF

Elisabeth fühlt sich wie eine Marionette der Monarchie und will nicht unter Menschen gehen, wo "hunderttausend Gaffer sie umstehen". Niemand registriert, dass sie zu zittern beginnt, wenn jemand ihr zu nahe kommt. Niemand bemerkt, dass sie das Erbe der Wittelsbacher in sich trägt - freiheitsliebend, exzentrisch, nervös pendelnd zwischen Schwermut und Überschwang - wie ihr Cousin König Ludwig II.

Kronprinz mit harter Kindheit

Thronfolger Rudolf in Uniform Quelle: ZDF

Als 1858 endlich der Thronfolger Rudolf als drittes Kind geboren wird, ist Elisabeth gerade einmal 20 Jahre alt. Der Kaiser hat sich einen mutigen und kräftigen Sohn gewünscht - einen Soldaten. Er lässt Rudolf scharf drillen und mit psychischer Abhärtung traktieren - ohne zu merken, dass der Kronprinz daran zerbricht. Rudolf hat die Persönlichkeit seiner Mutter geerbt. Und auch er ist gezeichnet von der inzestuösen Last der Wittelsbacher Gene. Elisabeth weiß nichts vom Leid ihres Sohnes, der isoliert von ihr von Männern erzogen wird - bis ein Lehrer sie alarmiert.



Seit seiner Geburt ist Rudolf Offizier der Armee. Er muss ständig exerzieren, und wird mit scharfen Methoden zum Soldaten ausgebildet. Dem schüchternen, zarten, aber sehr intelligenten Kind bekommt diese Erziehung aber nicht. Als Rudolf sechs Jahre alt ist, liegt er im Sterben. Elisabeth interveniert - vor allem aus eigenem Interesse. Mit den Worten "entweder die oder ich" erzwingt sie die Entlassung der konservativen Ausbilder und Lehrer. Sie will jetzt selbst über die Erziehung ihrer Kinder entscheiden und verlangt bürgerliche, liberale Lehrer, die nach modernen Unterrichtsmethoden lehren.

Streit zwischen Franz und Sisi (Spielszene) Quelle: ZDF

Tiefe Traurigkeit

Die Forderung kommt einer Revolution gleich, aber der Kaiser gibt nach, denn er will nicht ohne seine Frau leben. Die Zustimmung von Franz Joseph, dass Elisabeth von nun an über ihr eigenes Leben und das der Kinder bestimmen darf, ist ein besonderer Schritt und gleicht einer Unabhängigkeitserklärung. Der sechsjährige Rudolf bekommt neue Erzieher. Doch er leidet noch lange unter nächtlichen Angstattacken. Eine große Liebe bindet ihn an seine Mutter - ein Verhängnis, wie sich zeigen soll. Denn er wird sich am Hofe ebenso fremd fühlen wie seine Mutter, obwohl er der designierte Hausherr ist. Elisabeth aber nimmt die tiefe Traurigkeit, die in seiner wie in ihrer Seele wohnt, gar nicht wahr. Sie will frei von allen Zwängen sein - und lässt ihn doch wieder ganz allein.

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