Kampf der Häresie

Mit neuen Ideen startet Paul III. die Gegenreformation

Politisch erkennt Paul III. die Zeichen der Zeit. Mit Luther und seiner Reformation war eine neue Epoche angebrochen. Und Papst Paul wusste nun, dass er handeln musste - und neue Strategien gefragt sind. Durch die Einberufung des Konzils nach Trient hat er 1545 den entscheidenden Schritt zur Reform der katholischen Kirche getan.

Jesuiten Quelle: ZDF

Papst Paul will der Reformation etwas entgegensetzen. Nicht allein Verbote - sondern neue Ideen. Zum Beispiel, dass Kirchen zu Kasernen werden - zu Kasernen Gottes. Die Mitglieder eines neuen Ordens verstehen sich als Soldaten. Aber ihre Waffen sind nicht Gewehre, ihre Waffen sind Worte. Sie nennen sich Jesuiten. Sie haben sich als Programm gewählt, die lutherische-calvinistische Ketzerei auszurotten.

Geistlich-militärische Ordnung

Die praktische Ausübung der militärischen Gewalt, die seit dem 16. Jahrhundert für die Päpste nicht mehr möglich war, schlägt mit dem Jesuitenorden um in eine geistlich-militärische Ordnung. Nicht umsonst ist der Gründer des Jesuitenordens selbst ein Offizier gewesen, der genau wusste, wie man einen Orden militärisch organisiert.

Statue von Ignatius Quelle: ZDF

Als tapferer Soldat hatte der Spanier Ignatius von Loyola in Pamplona gekämpft. Eine schwere Verwundung wirkte wie eine religiöse Erweckung. Aus dem Offizier wird über Nacht ein gläubiger Christ und Papstanhänger - einer, der die Botschaft Jesu zum Ruhme Gottes in alle Welt tragen will. Seinen Orden organisiert er als Elitetruppe: militärischer Gehorsam, absolute Treue zum Papst, hohe Gelehrsamkeit. Die Jesuiten wollen mit Argumenten siegen - und ihr Feind, das sind die Protestanten.

Kunst als Kampfmittel

Ende des 16. Jahrhunderts sind es mehr als 13.000 Soldaten Gottes, die gegen die Idee des Protestantismus zu Felde ziehen. Die Bedeutung dieses neuen Ordens bildet sich ab in der Pracht der Kirche "Il Gesú" zu Rom. Es ist ein Zug dieser Zeit, dass Macht und Größe zum Bilde werden, dass in den Gemälden und Kunstwerken dieser Epoche alle geistigen Energien Gestalt annehmen. So ist auch für Papst Paul die Kunst keineswegs Privatsache, sondern Kampfmittel in der Auseinandersetzung mit dem Protestantismus.

Wandmalerei in der Kirche "Il Jesu" Quelle: ZDF

Und es ist kein Zufall, dass gerade in dieser Epoche die größten Genies der Malerei und Baukunst die Weltbühne betreten. Der Größte unter ihnen ist Michelangelo. Für Papst Paul soll er die gewaltigste Kirche der Menschheit endlich vollenden: den Petersdom, seit 40 Jahren eher eine Bauruine als ein würdiges Symbol für die Kirche. Michelangelos Plan ist ebenso hochfliegend wie der Ehrgeiz des Papstes: 43 Meter Höhe, 42 Meter Durchmesser, eine freitragende Ziegelkuppel von nie da gewesenem Ausmaß. Hunderte Arbeiter müssen in Schwindel erregender Höhe ihr Leben aufs Spiel setzen. Größte Gefahr: Der tonnenschwere Überhang kann jederzeit einstürzen. Ein Bauwerk - ebenso riskant wie die Politik der Renaissancepäpste. Jetzt soll Michelangelo den atemberaubenden Schlusspunkt setzen.

Papst Paul III. und Michelangelo Quelle: ZDF

Wagemutige Konstruktion

Noch heute sind die originalen Baupläne aus der Hand Michelangelos erhalten - Dokumente, die von der Genialität des größten Baumeisters der Renaissance zeugen. Selbst die modernen Architekten sind immer wieder begeistert von den einfallsreichen Details und dem Wagemut der Konstruktion. Über Säulenstümpfe spannte Michelangelo seine gewaltige Kuppel. Das besondere Problem: Erst mit dem Schlussstein war die Statik der gewölbten Ziegelwände gesichert. Dass diese Leistung als Krone seines Schaffens anzusehen sei, schreibt Michelangelo selbst. "Ich habe dem Peterdom Körper und Seele geschenkt."

Brief von Michelangelo Quelle: ZDF

Als Paul III. 1549 stirbt, fällt das Urteil der Nachwelt über ihn zwiespältig aus. Seine Amtszeit sei voller Licht und Schatten gewesen. Auf der Negativseite seines Pontifikats wird oft die 1542 erfolgte Wiedereinführung der Inquisition verbucht und dass im Vatikan Vetternwirtschaft und maßlose Verschwendung noch einmal wahre Triumphe feierten.

Verspätetes Symbol

Im Mai 1590 setzen die Baumeister den letzten Stein in die Kuppel des Petersdoms ein, und 25 Jahre später wird auch die barocke Fassade vollendet - mehr als 100 Jahre waren vergangen, seit dem Tag, als Julius II. den ehrgeizigen Bauplan gefasst hatte. Zehn Päpste hatten in der Zwischenzeit regiert - und der Sturm der Reformation war über die Christenheit hinweggefegt. Jetzt stand sie da, die größte Kirche der Menschheit - wie ein verspätetes Symbol für ein Papsttum, das in seiner Repräsentationslust und Prachtentfaltung alle Grenzen gesprengt hatte.

Die Zeiten waren andere geworden - und auch das Papsttum hatte sich inzwischen verändert. Nie wieder würde so ein Prachtbau im Namen des Petrus, des armen Fischers vom See Genezareth, entstehen; nie mehr würden die besten Künstler der Welt mit den kostbarsten Materialien ein christliches Gotteshaus von dieser Dimension erschaffen.

Kuppel Petersdom innen Quelle: ZDF

Erinnerung an eine Epoche

Aber noch heute gehört der Petersdom zu den meistbewunderten Bauwerken der Welt. 60.000 Menschen passen in den gigantischen Kirchenraum. Wenn man heute unter der riesigen Kuppel Michelangelos stehen, dann spürt man vielleicht noch, wie mächtig das Selbstbewusstsein der Renaissance-Päpste gewesen sein muss. Es ist die Erinnerung an eine Epoche, in der man fast vergessen hatte, dass es ein einfacher besitzloser Wanderprediger aus Palästina war, der am Anfang dieser Kirchengeschichte stand: Jesus von Nazareth.

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