Kampf gegen das Böse

Mit Ritualen gegen schlechte Energie

Negativer Energie und bösen Geistern rücken die Yanomami mit einem ihrer uralten Rituale auf den Leib. Doch gegen mächtige internationale Pharmakonzerne, die es auf das Pflanzenwissen der Indianer abgesehen haben und sich davon Milliarden-Umsätze versprechen, sind sie machtlos.

Das Oiju-Ritual beginnt: Die Zoé binden sich ihre Röcke um, die später eine wichtige Rolle spielen. Die hohen Gesänge der Frauen stimmen auf die Zeremonie ein. Sie haben in einem Trog ein übel riechendes Pflanzengebräu angesetzt, das der inneren Reinigung des Körpers dient.Geruch und Geschmack erzeugen einen sofortigen Brechreiz. Wird das Gebräu das Dorf reinigen?

Befreiung von schlechter Energie

Jetzt sind die Männer gefordert. Als erstes wird die Erde damit getränkt. Als Spenderin allen Lebens, aller nahrhaften und heilenden Pflanzen, soll auch sie symbolisch von schlechter Energie befreit werden. Dann beginnt die eigentliche Reinigung. Literweise stürzen die Männer das Gebräu herunter und würgen es nach kurzer Zeit wieder heraus. Alles Negative soll den Körper verlassen. Eine Parallele zur modernen Medizin: Bei manchen Vergiftungen werden ebenfalls Brechmittel verabreicht, um das Gift aus dem Körper zu entfernen. Die archaischen Völker sind überzeugt, dass die Heilwirkung einer Pflanze sich nur mit Hilfe unterstützender Rituale entfalten kann.

Wenn sich der Mond zeigt, beginnt der zweite Teil des Festes. Der Booru-Tanz. Das Stampfen der Holzkeulen auf dem Boden und die monotonen Gesänge schaffen eine tranceartige Atmosphäre. Alle machen mit. Sogar die Kinder. Die Zoé glauben, dass sich negative Energie durch Tanz und Gesänge löst und von den Fransen ihrer Pflanzenröcke aufgesogen wird. Deshalb werden sie abgeschnitten und später in die Bäume gehängt, so dass der Wind sie möglichst weit fort tragen kann.

Symbolischer Tod

Doch Reinigung heißt immer zugleich auch Kampf gegen das Böse. Das stärkste Symbol des Bösen ist die Schlange. Denn sie ist hinterhältig und greift ohne Vorwarnung an. Der Schlangentanz ist der Höhepunkt des nächtlichen Rituals. Am Ende töten die gereinigten Männer symbolisch die Schlange. Und haben auf diese Weise das Böse besiegt. Nachdem die Gefahr gebannt und die dunklen Mächte besiegt sind, wird fröhlich weiter getanzt.

Die Indianer ahnen nicht, dass die Bedrohung ihrer Existenz heute aus einer ganz anderen Richtung kommt: Es sind internationale Pharmakonzerne, die nur an dem Pflanzenwissen der Indianer, nicht aber an der Erhaltung ihrer Lebensform interessiert sind. Ein Beispiel ist das madegassische Immergrün, das Alkaloide enthält, aus denen der Krebs hemmende Wirkstoff Vinicristine gewonnen wird. Längst wird das Medikament synthetisch hergestellt und beschert dem US-Pharmakonzern Eli Lilly Milliardenumsätze. Die Menschen und die Regierung Madagaskars gingen dabei leer aus.

Grundlage für neues Präparat

Die Entwicklung solcher Präparate dauert oft Jahre, doch die Konzerne haben den langen Atem und eine hoch entwickelte Technologie. Die Suche nach natürlichen Grundsubstanzen ist mittlerweile Erfolg versprechender und sogar kostengünstiger als das künstliche Moleküldesign am Computer.

Während hier die Trefferquote bei 1 zu 10.000 liegt, wird bereits aus jeder 125. Pflanze eine Reinsubstanz entwickelt, mit der Tests vorgenommen werden können: Das heißt, Molekülketten der Substanz werden in Enzyme und Zellkulturen - zum Beispiel Tumorzellen - eingepasst. Zeigt eine Substanz Wirkung, passt also ihr Aufbau in die Struktur einer Testzelle, dann ist die Grundlage für ein neues Präparat gefunden. Vielleicht ein neuer Verkaufsschlager auf dem Medikamentenmarkt.

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