Kampf gegen die Trockenheit

Überdimensionale Linien lösen Bildbotschaften ab

Nasca-Forscher vermuten, dass die Indios irgendwann anfingen, ihren Göttern Opfergaben darzubringen. Dafür sprechen zahllose Keramikscherben aus jener Zeit. Offensichtlich genügte es nicht mehr, prächtige Bildbotschaften an die Götter zu richten. Die Schutzwesen forderten immer höheren Tribut. Die Sehnsucht der Indios nach immer größeren Ritualplätzen konnte lange nicht erklärt werden. Doch sie musste mit Veränderungen der Lebensbedingungen zusammenhängen.

Regenzauber der Indios (Spielszene)
Regenzauber der Indios (Spielszene) Quelle: ZDF

Die Analyse von Bohrkernproben zeigen, dass vor über 4000 Jahren in der Atacama-Wüste ein feuchteres Klima geherrscht haben muss. Optimale Bedingungen für die Nasca-Indios. Dann aber muss es zu massiven Störungen im Ökosystem mit verheerenden Folgen gekommen sein.

Massive Wasserknappheit

Unaufhaltsam dehnt sich die Wüste aus und verdrängt eine Siedlung nach der anderen. Spätestens ab 100 nach Christus bedroht massive Wasserknappheit die Nasca-Region. Der Anfang vom Ende für die Geoglyphenbauer. Die fehlenden Niederschläge führen zu schweren Einbußen in der Landwirtschaft.

Nasca - Bodenprobe wird gezogen Quelle: ZDF

Ein Kampf ums Überleben beginnt. Die Wüste auf dem Vormarsch und überdimensionale Linien statt Bildbotschaften: Zwei Phänomene, die erst im Zusammenspiel das letzte Geheimnis der Indios preisgeben.

Im Kampf ums Dasein geht es nicht mehr darum, anspruchsvolle Bodenbilder anzulegen. In der Spätphase kommt es nur noch darauf an, immer größere Kultplätze zu bauen. Lineare Konstruktionen bieten eine schnelle Lösung. Sie lassen sich einfach in den Boden scharren. Zwar werden mehr Arbeiter gebraucht, aber in der Not schuften die Clans Hand in Hand. Die Monumentalität der Anlagen ist aber nicht das einzige Merkmal jener Ära. Ab dem dritten Jahrhundert nach Christus boomt der Geoglyphenbau.

Muschel als Wetterindikator

Und noch eine Neuerung prägt das Schlusskapitel ihrer Geschichte: Auf einer der Prozessionsstraßen entdeckt der Archäologe Markus Reindel einen Opfertisch aus geschichteten Steinen und Geröll. Die kostbare Spondylusmuschel im Schutt - für die Archäologen endlich der Beweis: Das Fruchtbarkeitssymbol wurde als Kultobjekt eingesetzt.

Nichts wünschen sich die Wüstenbewohner mehr, als dass der Himmel endlich seine Schleusen öffnet. Mit Opfergaben wollen sie die Mächte der Natur versöhnen. Denn das Ausbleiben des kostbaren Regens empfinden die Gläubigen als Strafe der Götter. In den religiösen Zeremonien spiegelt sich der verzweifelte Kampf der Indios gegen die andauernde Trockenheit. Die in den harten Boden gescharrten Anlagen erfüllten demnach nur noch einen Zweck: Sie waren Bühnen für Wetterzauber. Ein Massenpublikum strömt zu den weithin sichtbaren Plätzen. Selbst aus entfernten Gebieten kommen die Siedler dorthin. Nur wenn die Clans zusammenhalten, kann der Schamane auf den Erfolg seiner Beschwörung hoffen. So zumindest die damalige Vorstellung.

Ungehörter Hilferuf

Spätestens ab 300 nach Christus verschärft sich das Klimaproblem. Die Dürreperioden dauern immer länger an. Die Verkarstung des Bodens ist nicht aufzuhalten. Der Wassermangel besiegelt schließlich das Schicksal des Volkes. Von den kargen Erträgen der verbliebenen Felder können sich die Menschen nicht mehr ernähren. Da nutzte es auch wenig, dass die Nasca auf den Aktionsflächen ein Massenspektakel nach dem anderen abhielten. Ihr Hilferuf wurde nicht gehört. Die Götter antworteten nicht mehr.

Um 600 nach Christus steht die Gemeinschaft vor einer unausweichlichen Entscheidung: Verharren und dem Hungertod entgegensehen oder die Heimat verlassen. Die Indios wählen den Exodus. Tausende schließen sich zu Trecks zusammen. Frauen, Männer und Kinder machen sich auf zu neuen Ufern. Nur wenige Stunden von der Atacama-Wüste entfernt, in den Tälern der Anden, wartet auf die Nasca eine bessere Zukunft. Den Indios muss das fruchtbare Gebiet wie ein Paradies vorgekommen sein. Ein Ort, an dem sich die Götter den Bewohnern gewogen zeigen.

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