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Kampf um das erste Passagierflugzeug

Dornier und Junkers mit unterschiedlichen Konzepten

Im Juni 1916 nimmt Claude Dornier einen neuen Anlauf. Obwohl seine erste Flugboot-Konstruktion missglückt ist, hat Graf Zeppelin weitere Mittel zur Verfügung gestellt. In nur wenigen Wochen hat Dornier ein neues und stark verbessertes Flugboot gebaut.

Auf Dorniers Schultern lastet enormer Druck. Einen weiteren Misserfolg wird Zeppelin kaum akzeptieren. Der erste Flugversuch mit dem neuen Flugboot, der Rs II, steht an.

Einfach und genial

Dornier hat aus den Fehlern des ersten Flugbootes gelernt. Der Rumpf hatte förmlich am Wasser geklebt. Jetzt hat er in den Unterwasserrumpf eine Stufe eingebaut, damit die Strömung abreißen kann. Dornier liegt innen im Rumpf, um dort alles genau im Auge zu haben. Plötzlich spürt er es: sein Flugzeug hebt ab, der Rs II fliegt. Die einfache und doch geniale Idee bringt endlich den ersehnten Erfolg.

Zwei Jahre lang hat Claude Dornier fieberhaft gearbeitet, um sein erstes Flugboot Realität werden zu lassen. Jetzt will er den Grafen Zeppelin überzeugen, dass sein Flugboot das Passagierflugzeug der Zukunft sei. Man müsse weiter investieren. Neue, größere Modelle entwickeln, bevor die Konkurrenz das tut. Zeppelin bewilligt weitere Gelder, denn Dornier ist sein wichtigster Mann.

Eigener Windkanal

Hugo Junkers arbeitet zur gleichen Zeit unermüdlich an einem kleinen Verkehrsflugzeug. Er hofft auf das baldige Kriegsende. Dann will er als Erster den Fluggesellschaften ein neues Passagierflugzeug anbieten. Junkers hat zum Testen seiner Ideen sogar einen eigenen Windkanal entwickelt, in dem er rund 18.000 Einzelversuche durchführte, um das Flügelprofil und den Rumpf zu formen.

Doch dem ehrgeizigen Projekt droht Gefahr durch die Weltpolitik. Das ersehnte Kriegsende kommt zwar, aber mit unerwarteten Folgen. Nachdem im November 1918 Deutschland den Krieg verloren hat, ordnen die Siegermächte die Zerstörung aller deutschen Flugzeuge an. Der Bau neuer Zivilflugzeuge wird streng überwacht und reglementiert. Keinesfalls sollen sie für Kriegszwecke eingesetzt werden können.

Ungetüme aus Holz und Leinen



Ausgemusterte britische und französische Bomber werden provisorisch zu Passagierflugzeugen umgebaut. Diplomaten und Geschäftsleute sind die ersten Kunden der jungen Fluggesellschaften. Der Pilot sitzt im Freien. Die Ungetüme sind aus Holz, Klavierdraht und Leinen zusammengezimmert. Die Passagiere zahlen viel Geld, um in den unbequemen Flugzeugen mit zugigen Kabinen reisen zu können.

Die Zeiten sind hart. Über Monate kann sich die Abteilung Do nur mit der Herstellung von Badewannen über Wasser halten. Dornier bedrängt den Vorstand des Zeppelinkonzerns, endlich ein Passagierflugzeug zu bauen. Draußen herrscht Goldgräberstimmung unter den Flugzeugbauern. Und Hugo Junkers drängt mit Hilfe von Auslandskontakten mit seiner neuen Verkehrsmaschine auf den Markt.

Besonders seetüchtig

Claude Dornier greift auf alte Pläne zurück. Er will aus einem Aufklärer ein Flugboot für den Luftverkehr entwickeln. Fast alle Metropolen liegen an Flüssen oder am Meer, verfügen also über Häfen. Wo keine Landflugplätze existieren, ist ein Flugboot das ideale Verkehrsmittel. Dornier entwirft ein hochmodernes Flugboot. Und er setzt eine zündende Idee um: stabilisierende Flossenstummel machen es besonders seetüchtig. Ein Riesenvorteil gegenüber der Konkurrenz.

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