Kampf um das Preisgeld

Entscheidung Längengrad

In der Universitätsstadt Göttingen machte ein junger Kartograf und Mathematiker von sich Reden. Im Alter von 28 Jahren wurde der junge Gelehrte Tobias Meyer bereits zum Professor der Mathematik berufen, ohne selbst jemals studiert zu haben. Er sollte bei der Bestimmung des Längengrades eine bedeutende Rolle spielen.

Komplizierte Gleichungen

Man hatte die Position der Sterne und die Bahn des Mondes studiert, man hatte den Sextanten entwickelt, mit dem man die Distanz zwischen Mond und Sonne oder Sternen messen konnte. Als Kartograf musste Tobias Meyer ständig Positionsbestimmungen durchführen. Was fehlte, waren zeitlich geordnete Mondtabellen, anhand derer man die Entfernung in Längengradpositionen übersetzen konnte. Dies erwies sich als der schwierigste Teil, doch Tobias Meyer schuf mit komplizierten mathematischen Gleichungen die ersten Tabellen dieser Art. Er glaubte, das Längengradproblem gelöst zu haben und schickte seine Ausführungen nach London. Neville Maskelyn ging sofort daran, die Tabellen ins Englische zu übersetzen und als "The British Mariner's Guide" zu veröffentlichen. Neville Maskelyn war überzeugt: Die Methode der Monddistanzen stand endgültig vor ihrer praktischen Verwirklichung. Real Video: Komplizierte Rechnung Den Real Player zum Abspielen der Clips gibt es kostenlos.

Meisterwerk H4

John Harrison dagegen präsentierte der Welt ein kleines tickendes Ding in einer Kiste. Dafür brauchte man weder Kenntnisse in Mathematik noch in Astronomie. Für Wissenschaftler und Himmelsnavigatoren hatte diese Uhr etwas Unpassendes. Doch Harrison wusste, er hatte ein Meisterwerk geschaffen und verlangte deren Erprobung zur See. Doch der alte Mann war schon zu schwach, um selbst auf diese Reise zu gehen. Ende 1761 machte sich Harrisons Sohn William an Bord der Deptford auf den Weg nach Jamaika. Mit vier Schlössern war das Kästchen der H4 gesichert und jeder Handgriff von William wurde kontrolliert. Die Atlantiküberquerung dauerte fast drei Monate, bis man schließlich am 19. Januar Jamaika erreichte. Ein Astronom als Abgesandter der Längengradkommission ging als einer der ersten an Land. Er hatte die Aufgabe, mit astronomischen Mitteln die genaue Ortszeit festzustellen und einen Vergleich mit Harrisons Uhr vorzunehmen. Wieder und wieder maß der Astronom die Monddistanz und berechnete die genaue Uhrzeit. Es war eine Sensation: Die H4 hatte nur fünf Sekunden verloren: Fünf Sekunden in 81 Tagen auf See.

Gängelung durch die Kommission

Zurück in England trat die Längengradkommission zusammen. Der Preis müsste eigentlich sofort an Harrison gehen, denn seine Erfindung erfüllte die Bedingungen des Longitude Acts, doch alles schien sich gegen ihn zu verschwören: Die königlichen Astronomen wollten die Methode der Monddistanz durchsetzen. Man zweifelte die Messungen von Jamaika an, verlangte eine zweite Erprobungsreise, zitierte Harrison wiederholt vor die Kommission, verlangte die Übergabe aller Konstruktionszeichnungen und schließlich zwangen sie Harrison, seine Uhr vor ihren Augen zu zerlegen. Immer wieder wurden die Regeln des Longitude Acts anders interpretiert und das Preisgeld Jahr für Jahr verweigert. Schließlich ließ die Kommission alle Uhren von Harrison beschlagnahmen. Die H4 lagerte schon seit Monaten in Greenwich. Harrisons Gegenspieler Maskelyn war königlicher Astronom geworden und betrachtete die Uhren als Eigentum der Krone, schließlich habe man sie mit Fördersummen bezahlt. Und Maskelyn machte Harrison weitere Auflagen. Zwei neue Exemplare der H4 sollte er bauen - ohne Pläne, ohne Vorlage.

Königlicher Appell

Trotz hohen Alters, schlechter Augen und ständiger Gichtanfälle, gelang es Harrison in fünf Jahren eine der geforderten Uhren zu bauen. Doch der alte Mann fühlte, wie ihm die Kräfte schwanden. In seiner Verzweiflung blieb ihm nur eine Hoffnung: er musste den König sprechen. König Georg III. hatte sich in Kew Gardens, außerhalb von London eine eigene Sternwarte bauen lassen, er interessierte sich leidenschaftlich für Forschung, Astronomie und wissenschaftliche Instrumente. Als Harrison inständig um nichts anderes als Gerechtigkeit bat, versprach er ihm zu helfen. Der König umging die Kommission und appellierte direkt an das Parlament. John Harrison wurden noch im selben Jahr 8.750 Pfund Preisgeld zugesprochen. 50 Jahre nach seinen ersten Plänen war sein Schiffs-Chronometer endlich anerkannt. Kapitäne versorgten sich auf eigene Kosten mit den wertvollen Uhren, die bald in Serie produziert wurden. John Harrison konnte weder seinen Reichtum noch seinen Ruhm lange genießen. Der einfache Uhrmacher vom Lande, der den Seefahrern der Welt die sichere Navigation schenkte, verstarb am 24. März 1776.

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