Kampf um die Weltherrschaft

Einflusszonen im Osten und Westen "im Namen Gottes" abgegrenzt

Der Spanier Christoph Kolumbus ist ein erfahrener Seemann, der von der Kugelform der Erde weiß. "Indien liegt zwar im Osten, doch ich kann auch ans Ziel gelangen, wenn ich immer nach Westen fahre!" lautet seine Schlussfolgerung aus dem geografischen Wissen der Zeit. Kolumbus' Entdeckung der Neuen Welt verschafft den Spaniern einen Vorsprung um die Vorherrschaft in Übersee.

Aufteilung der Welt zwischen Spanien und Portugal Quelle: ZDF

Glücklicher Rechenfehler

Darüber, dass die Erde rund ist, besteht im Jahr 1492 kein Zweifel mehr. Doch auf dem weltberühmten "Nürnberger Globus" von Martin Behaim, eine mit einer bunten Landkarte beklebten Kugel aus Kupfer, ist die "Neue Welt" noch nicht verzeichnet. Er zeigt die Welt ganz so, wie es sich Kolumbus vorstellte: Wenn er von Spanien aus in Richtung Westen losfährt, dann kommt er irgendwann in Indien an. Doch wie weit man fahren muss, hängt von der Größe der Erde ab.
Schon 2000 Jahre zuvor hatte ein griechischer Gelehrter den Erdumfang am Äquator mit ungefähr 40.000 Kilometer recht genau berechnet. Solche Distanzen waren aber mit den Schiffen des 15. Jahrhunderts nicht zu machen. Doch zum Glück hat Kolumbus an diese alte Berechnung nicht geglaubt. Er war von seiner Vision so bezaubert, dass er sich die Erde zurechtgeschrumpft hat. Bis zu seinem Lebensende hat er den Erdumfang viel kleiner eingeschätzt, weil er die Existenz eines neuen Kontinents, Amerika, nicht wahrhaben wollte. Ein gravierender, aber glücklicher Rechenfehler machte die Entdeckung Amerikas überhaupt erst möglich.

In Südspanien sticht am 3. August 1492 die kleine Flotte des Kolumbus in See. Es ist der Aufbruch zu einer Reise ins Ungewisse. Die Schiffe wirken auf dem weiten Ozean wie zerbrechliches Spielzeug - doch sie müssen eine gewaltige Aufgabe bewältigen. Nach Monaten des Bangens ist der Triumph endlich greifbar nah: Eine tropische Küste kommt in Sicht. Am 12. Oktober 1492 betritt Kolumbus auf einer Bahamasinsel zum ersten Mal amerikanischen Boden. Er hat einen neuen Kontinent entdeckt - doch das ahnt der Entdecker noch nicht.

Kolumbus´Schiff Santa Maria Quelle: ZDF

Friedliches erstes Zusammentreffen

Kolumbus begegnet den amerikanischen Ureinwohnern Quelle: ZDF


Der Dschungel ist voller Gefahren, kriegerische Eingeborene belauern die Fremden. Die Spanier fühlen sich schutzlos ausgeliefert, jedes Geräusch verängstigt sie. Aus dem Verborgenen werden sie beobachtet: Die Einheimischen rätseln sogar, ob es sich bei den weißen Männern um Götter handeln könnte. Das erste Zusammentreffen zwischen den Menschen zweier grundverschiedener Kulturen verläuft friedlich. Den Entdeckern erscheint die Welt der Eingeborenen sogar wie das Paradies auf Erden. Der Häuptling begrüßt die Spanier mit Respekt und Geschenken. Die Indianer behaupten allerdings, kein Gold zu besitzen. Doch Kolumbus glaubt ihnen nicht.

In Portugal ist der Königshof wegen der spanischen Entdeckungen äußerst beunruhigt: Ist es den feindlichen Nachbarn durch eine glückliche Fügung gelungen, einen alternativen Seeweg nach Asien zu finden? Nach den eigenen Berechnungen kann es sich zwar nicht um Indien handeln, doch der König will kein Risiko eingehen. Portugal und Spanien sollen ihre Einflusszonen gegeneinander abgrenzen - mit dem Segen des Papstes. In der Stadt Tordesillas versammeln sich 1494 die Unterhändler beider Länder, um den Globus aufzuteilen. Nach erbitterten Diskussionen einigen sie sich und schließen einen Vertrag von weltpolitischer Bedeutung.

Vertrag über die Aufteilung der Welt Quelle: ZDF

Seegrenze "für alle Zeiten"

Heute wird das Originaldokument in Sevilla aufbewahrt: "Im Namen Gottes" wird durch diese Zeilen "für alle Zeiten" bestimmt, dass die Seegrenze zwischen beiden Reichen im Atlantik 370 Meilen westlich der Kapverdischen Inseln verlaufen soll - auf einem Längengrad von Pol zu Pol. Alle Gebiete im Westen dieser Linie fallen an Spanien, die gesamte Welt im Osten wird portugiesischer Besitz. Dazu wird auch das noch unentdeckte Brasilien gehören.

Vasco da Gamas Landung in Indien Quelle: ZDF


In Lissabon setzt das Herrscherhaus alles daran, damit Portugal endlich den Seeweg nach Indien auf der Ostroute findet. Der König ernennt seinen Vertrauten Vasco da Gama zum Befehlshaber einer neuen Expeditionsflotte. Im Jahre 1498 gelangt da Gamas Mannschaft tatsächlich nach Indien - nach zehn entbehrungsreichen Monaten ist das schier Unglaubliche wahr geworden. An Land treffen die Portugiesen auf arabische Händler, die sogar fließend Portugiesisch sprechen - sie haben Indien schon vor langer Zeit als Handelspartner entdeckt. Noch größer ist die Verwunderung der Europäer, als der Herrscher von Calicut ihre für ihn wertlosen Geschenke kaum beachtet. Nur mit Mühe gelingt es Vasco da Gama, Gewürze und Edelsteine zu erwerben. Niemand hat die Portugiesen freudig begrüßt - sie können sich in Indien nur mit Gewalt durchsetzen.

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