Kampf um Reformen

Cixi setzt sich gegen Modernisierer Kang Youwei durch

Im Schicksalsjahr 1894 greifen die Japaner an - mit durchschlagendem Erfolg. Die militärische Schwäche Chinas offenbart sich und ein globaler Wettlauf um Macht und Einfluss im Reich der Mitte beginnt. Die größte Gefahr droht jedoch im eigenen Land.

Unter dem propagandistischen Schlagwort von der gelben Gefahr formiert sich eine erstaunliche Allianz rivalisierender imperialistischer Großmächte, die sehr unterschiedliche Interessen haben: Frankreich sucht Rohstoffe und die Sicherung Indochinas, Japan und Russland sind auf Landnahme aus. Die cleversten sind die Engländer: Sie wollen sich Märkte schaffen.

Zerstückelt und zerschlagen

Sie erweitern zunächst ihr Gebiet um Hongkong, die Japaner erhalten Korea und Taiwan, Russland Teile der Mandschurei, Frankreich Gebiete im Südwesten, England Gebiete am Yangzi. Schweren Herzens muss der junge Kaiser Guangxu Friedensverträge unterzeichnen. Das Reich der Mitte ist zerschlagen. Ein kaiserliches Siegel bestätigt das Ende des Traums von einem großen China. 2000 Jahre Tradition - hinweggefegt im Sturm der Geschichte. Wie soll es jetzt weitergehen?

Der junge Kaiser entschließt sich zu einem ungewöhnlichen Schritt. Er empfängt jetzt den prominentesten Wortführer einer Reformbewegung, den Intellektuellen Kang Youwei. Der konfrontiert ihn mit der entscheidenden Frage: Warum ist das große China unfähig zu Reformen - Reformen wie sie das kleine Japan so stark gemacht haben?

Lokomotive des Fortschritts

Der junge Herrscher befiehlt seinen Eunuchen, ihn mit dem Reformer Kang Youwei allein zu lassen - ein ungeheuerlicher Vorgang im ehrwürdigen Palast. Niemand wird je erfahren, was die beiden wirklich miteinander verabreden. Vielleicht das Ende der althergebrachten Traditionen? Oder planen sie sogar einen Mordkomplott gegen die konservative Cixi? Sicher ist nur eines: Ein fundamentaler Erneuerungsprozess wird jetzt angeschoben. China soll zu einer Lokomotive des Fortschritts werden. 100 Tage lang wird ein Feuerwerk von Reformvorschlägen in Peking verbreitet, die das ganze Land verändern sollen.

Die Ideen der Modernisierer gefährden die Machtposition Cixis und ihrer konservativen Beamten. Als ihr berichtet wird, Kang Youwei habe heimlich und unter vier Augen mit dem jungen Kaiser ihre Entmachtung geplant, gerät sie außer sich vor Wut. Sie zwingt ihren Neffen, den Sohn des Himmels, vor ihr niederzuknien, die Reformen abzubrechen und von seinem Amt zurückzutreten. Noch während der Kaiser vor ihr auf den Knien liegt, stürmt die Polizei die Wohnungen der Reformer. Kang Youwei, können die Beamten jedoch nicht verhaften. Der junge Kaiser hat ihn rechtzeitig warnen lassen. Aber seine Mitstreiter werden abgeführt und hingerichtet.

Gebrochener Reformeifer

Nachdem sein kurzer Reformtraum ein jähes Ende gefunden hat, wird der junge Kaiser auf die Insel eines Sees, gleich neben der Verbotenen Stadt, verbannt. Cixis zuverlässigste Eunuchen bewachen ihn. Aus Enttäuschung über seine Niederlage erkrankt er schwer. Sein Reformeifer ist gebrochen.


Noch heute steht der kaiserliche Gebäudekomplex, in dem sich das Archiv der Qing-Dynastie befand. Hier wurden Dokumente verwahrt, die lange Zeit wenig Beachtung fanden, die aber ein genaues Bild von den Verhältnissen zur Zeit Cixis zeichnen. Davon ist jedenfalls Professor Wang Daocheng überzeugt, der mit einem Historikerteam begonnen hat, eine neue Geschichte der letzten Dynastie zu schreiben.

Globaler Pressekrieg

Cixis Gegner sahen das anders - besonders Kang Youwei, der Reformer. Er floh nach Japan, um den Häschern der alten Dame zu entkommen. Von dort aus organisierte er einen globalen Pressekrieg gegen sie. Selten wurde das Bild einer historischen Persönlichkeit so durch Gerüchte, Klatschgeschichten und Falschmeldungen verzerrt wie das der Cixi. Mit dem Abbruch der Reformen hat sie sich überall, im Ausland und in China selbst, Feinde geschaffen. Ihr Griff nach der Macht galt als rücksichtslos, ja brutal. Aber war sie wirklich das machtbessene Monster als das sie geschildert wurde?



Immerhin konnte sie sich bis zu ihrem Lebensende auf dem Thron halten. Mit dem Verzicht des jungen Kaisers ist sie im unerbittlichen Kampf um den Machterhalt als Siegerin hervorgegangen. Und nun erreicht sie den Gipfel ihres langen Weges: Sie besteigt den Drachenthron. Als Frau in einer traditionellen Männerdomäne hat sie sich mit eiserner Faust durchgesetzt. Das aber kostet alle Kraft. Für die Lösung der Probleme ihres Landes blieb nichts übrig.

Raue Wirklichkeit

Der Kaiserhof in Peking ist zwar eine prächtige Märchenkulisse - aber weit entfernt von der rauen Wirklichkeit. Kaiserin Cixi hat ihr riesiges Reich mit über 400 Millionen Menschen nie mit eigenen Augen gesehen. Die Verbotene Stadt hat sie kaum verlassen. Ahnt sie überhaupt, wie rückständig China ist?

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