Kampf ums Überleben

Die Luft Hansa-Mission scheitert

Nach der beglückenden Zeit am Edsin Gol bricht die Karawane auf - mit erheblicher Verspätung. Wieder wartet ein endlos langer, beschwerlicher Weg - und ein grausamer Winter steht vor der Tür.

Die Führer erklären, eine Durchquerung der Gobi im Winter würde zum reinen Kampf ums Überleben werden. Hedin ignoriert die Warnungen. Er will weiter - wie damals, im Katastrophenjahr 1895. Der Besessene ahnt die drohende Gefahr, doch wieder denkt er nicht ans Umkehren. Die Etappe vom Edsin Gol nach Urumqi ist 1200 Kilometer lang - ein Himmelsfahrtkommando bei extremer Witterung.

Kamele sterben reihenweise

Das Wetter schlägt um. Hedin berichtet: "Der Sandsturm hat eine Geschwindigkeit von 30 Metern pro Sekunde, das ist, als fegte ein Besen über das unendliche Land, die Luft ist von Millionen kleiner Sandkörner erfüllt." Der Sturm droht die Zelte samt Inhalt hinwegzufegen. Verzweifelt kauern sich die Männer in ihre Sturm gepeitschten Unterkünfte oder versuchen ihr Material zu sichern. Oft dauert es Tage, bis das Schweigen sich wieder über die Wüste legt - dann ist die Stille beklemmend. Bei eisiger Novemberkälte kommt die Karawane nur langsam voran. Die Kamele sterben reihenweise, weil sie kein Futter bekommen und trotzdem die schweren Lasten tragen müssen. Für Mitleid ist keine Zeit.

Die Reise auf dem "Pfad der Nachdenklichkeit", wie die Mongolen diese Route nennen, entwickelt sich zum Todesmarsch. Dem Karawanenführer bleibt nichts anderes übrig, als das Blut und die Eingeweide Not geschlachteter Tiere an die hungernden Kamele zu verfüttern - eine makabre Kraftnahrung. Eines Morgens wacht Hedin mit starken Schmerzen auf. Der Expeditionsarzt diagnostiziert Gallensteine und verordnet absolute Bettruhe - unter den herrschenden Umständen ein sinnloses Rezept. Denn an eine Rast ist nicht zu denken - es geht jetzt für alle um Leben oder Tod. Hedin lässt sich durch die Wüste tragen - Schwäche erträgt er weder bei sich noch bei anderen. Die Karawane muss unbedingt weiter zur nächsten Wasserstelle, wo man auch Brennstoff und Kamelfutter zu finden hofft.

Wie in einem Krieg

Die Kälte wird unerträglich. Nur langsam kämpft sich die Karawane Schritt für Schritt weiter. Das Wetter verschlechtert sich dramatisch. Seine Schmerzen werden unerträglich, er muss im Bett durch die Wüste getragen werden. Der Winter scheint die Expedition wie in einem Abnützungskrieg zu zermürben. Inzwischen haben auch die Männer nichts mehr zu essen und erschießen die schwächsten Tiere. Nach drei Monaten entkommt die Karawane endlich der Gobi. Sie hat ein Drittel der Kamele verloren.

Hedin muss im Januar 1928 seine Kamele und die mongolischen Begleiter an der Grenze zur Provinz Xinjiang zurücklassen. Unter strenger militärischer Bewachung werden die Europäer nach Urumqi gebracht. Als der Schwede die Landeshauptstadt erreicht, wird er mit militärischen Ehren, wie ein Heerführer empfangen, nicht wie ein Forscher. Die Provinzregierung ist auch nicht gewillt, der Lufthansa eine Fluggenehmigung zu erteilen. Für seine Auftraggeber ist die Mission gescheitert. Doch für Hedin zählt nur der persönliche Triumph.

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