Kampf und Leidenschaft

Die Geschichte des Ritters Don Pacheco (2)

Seit Anfang des 14. Jahrhunderts zogen Jahr für Jahr Fürsten und Ritter mit ihrem Gefolge Richtung Osten ins Ordensland, wo heute Polen an Russland und Litauen grenzt. Monatelang waren sie unterwegs. Bis zum Beginn der Treibjagd auf die Heiden vergnügte man sich in Königsberg. Die "Königsberger Saison" war ein fester Termin im Veranstaltungskalender der europäischen Ritterschaft.

Als ich zu meiner Grand Tour aufgebrochen war, hatte ich gelobt, dem Aufruf des Deutschen Ordens zum Kreuzzug gegen die Litauer zu folgen. Endlich kam der Winter. Mein neuer Herr verlangte, mich in Königsberg zu sehen. Ich sollte ihn auf der "Heidenfahrt" begleiten.

Warten auf den König

"Die Zeit ist lustig und der Tag", hieß es. Man hatte mir den Artushof empfohlen. Dort sollte ich mit meinem Knappen warten, auf meinen Herrn, den böhmischen König. Man trank gut und frönte der Leidenschaft des Würfelspiels. Der Graf von Holland gewann 600 Gulden, ein königliches Vermögen Er warf es unter das Volk, hörte ich.


Mit dem Segen der Kirche waren wir gekommen, doch im Gefolge waren nicht nur Knappen. Es gereichte der Ritterschaft nicht nur zur Ehre, was ich sah. Saufgelage und das Amusement mit Huren standen für manch einen auch auf der Tagesordnung.

Bankett und Würfelspiel

Der Edelmann Johann von Blois lud fast täglich zum Bankett: einen Tag 12 Ritter aus Flandern und Brabant, den nächsten Tag 28 aus Burgund, dann lud er alle Ritter ein, die zu Königsberg lagen. Man vertrieb sich die Zeit mit Waffenspielen. Ab und zu musste ein Wundarzt kommen.

Dann kam mein Herr. Ich hatte ihn erst für den nächsten Tag erwartet. Auf den Turnierplätzen galt er als ungestümer Haudegen. Doch am Hof von Paris schätzte man ihn als Schiedsrichter in Fragen der Höflichkeit. Den "guten, den edlen König" nannte man ihn.

Mir war es noch aufgetragen, nachzusehen, ob wir Gesinde zurückgelassen hatten. Befehl war, es zu töten. Es war aber auch Pflicht, die Patenschaft für ein Heidenkind zu übernehmen, es taufen zu lassen und christlich zu erziehen. Ende März, im Jahre des Herrn 1346, kamen wir wohlbehalten von der Heidenfahrt zurück. Es ging ans Teilen der Beute. Alles kam auf einen Haufen: Waffen, Gold und Silber. "Es war mein Schaden nicht", auch ich bekam meinen Anteil. Und erhielt weit mehr, als ich erwarten durfte.

Abenteuer Frau

Bis zum Ende des Kreuzzuges, so wie es verabredet war, hatte ich dem "blannen Jan" gedient. Auch wenn es eine Ehre war, dem rex et miles - dem König und Ritter, wie man ihn nannte, zu dienen, ich hatte von alldem erst einmal genug. Ich wollte auch noch anderes erleben.

Jetzt galt es andere Abenteuer zu bestehen.Ich ritt in den Burghof hinein und sah hinauf zu den "edlen Damen":
'Süße Minne, reine Minne, mach' mir ein Kränzelein. Das soll tragen stolz der Mann, der Frauen wohl dienen kann.'
Einer hohen Frau den Hof zu machen, um ihre Gnade zu werben, sie selbstlos zu lieben, ihr stete Treue zu schwören, galt als ritterliche Tugend.

Aber wird nicht auch Don Pacheco nur "an das eine" gedacht haben, ans "Ringelstechen" und an das "Wässern der krausen Haare im Beet ihrer Beine". Platonisch sich verzehrende Liebe war auch für Ritter auf Dauer nur schwer durchzuhalten. Doch Don Pacheco musste weiterziehen. Sein Herr rief ihn erneut. Die Krone Frankreichs war in Gefahr. Süße Minne, reine Liebe, Abschied scheint mir angebracht.

Das Ende der Rittermacht

Mein Auftrag lautete, an des Königs Seite, bei der Schlacht von Crècy gegen die Ritter Englands zu kämpfen. Es sollte eine furchtbare, blutige Niederlage werden. Doch, welch Fortune, ich überlebte die Schlacht. Mein Herr dagegen nicht.

Ich legte dem toten "blanne Jan" seinen Dolch auf die Brust:

'Welt, ich habe Leib und Seel' tausendmal für dich gewagt.
Ich habe deinen Lohn erkannt, Was Du mir gibst, das nimmst Du mir.
Wir scheiden alle bloß von Dir.'
( Walther von der Vogelweide )

Im Spätherbst kehrte ich in meine Heimat Portugal zurück. Ich blieb ein Ritter ohne Land. Doch ich hatte mein Kreuzzugsgelübde erfüllt, mir einen Namen gemacht und die Welt gesehen.

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