Kapitulation der Osmanen

Engländer und Franzosen zerstückeln das Imperium

1918 muss das 600-jährige Osmanische Reich kapitulieren. Im Schloss von Versailles und in anderen Vororten von Paris beginnen die Friedensverhandlungen zwischen Siegern und Verlierern.

Doch die osmanischen Politiker haben keinen Spielraum mehr. Engländer und Franzosen zerstückeln das Imperium. Mit Federstrichen auf Landkarten wie Kolonialherren. Die meisten der damals gezogenen Grenzen existieren bis heute.

Schöpfungen der Siegermächte

Aus der Zerschlagung des Osmanischen Reiches gehen die Staaten des Nahen Ostens hervor. Die Briten kreieren Jordanien und Palästina, wo später Israel entsteht. Der Irak, der Libanon und Syrien - alle diese Staaten sind Schöpfungen der Siegermächte - mit einer Ausnahme: der Türkei. Auch dieser Rest des Imperiums sollte zerschlagen werden.


Doch der Plan scheitert an seinem Widerstand: General Mustafa Kemal, genannt Atatürk - das heißt: "Vater der Türken". Er reißt zu Beginn der 20er Jahre die Macht an sich und mobilisiert noch einmal die Armee. In harten Kämpfen zwingt er die Europäer dazu, das heutige Staatsgebiet der Türkei anzuerkennen. Trotzdem verfolgt er in den 20er Jahren konsequent ein einziges Ziel: die Europäisierung der Türkei.

Radikales Reformprogramm

Europäisierung bedeutet allgemeine Schulpflicht, Einführung des lateinischen Alphabets, Universitäten für Frauen, Abschaffung der Vielehe und des Schleiers. Atatürks radikales Reformprogramm und die Gründung der Republik Türkei zieht den endgültigen Schlussstrich unter die Geschichte des Osmanischen Reiches. Unter eine große Tradition, die ein beeindruckendes Erbe hinterlassen hat, aber im 20. Jahrhundert nicht mehr bestehen konnte.



Der "kranke Mann am Bosporus" - wie der Zar das Osmanische Reicht genannt hat - war sehr viel zäher als viele es erwartet hatten. Sein Siechtum dauerte über hundert Jahre. Dann kam das Ende. Durch eine politische Vision durch die Idee, dass alle Völker das Recht auf Selbstbestimmung haben. Deshalb zerfiel der Koloss in ein dutzend neuer Staaten.

Zu wem gehört die Türkei?

Aber auch die Türken haben sich dadurch als Volk entdeckt, als eigene Nation. Eine Nation, die sich in Richtung Europa geöffnet hat. Aber die Verhältnisse ändern sich. Die westliche Lebensweise wird heute überall in der islamischen Welt in Frage gestellt. Auch in der Türkei. Und so ist die Frage immer noch offen: gehört die Türkei zu Europa, zur islamischen Welt - oder zu beiden?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet