Karthagos kleine Schwester

Schatztruhe für Unterwasser-Archäologen

Auf der Suche nach dem karthagischen Tempel setzt man auf Luftbilder. Wie sah Karthagos kleine Schwester aus? Wann gründete Karthago die Kolonie? Wie wirkte sich die römische Besetzung aus?

Eine Drachenkamera liefert Fotos zur Rekonstruktion der Bebauung. Thorsten Schwing und seine Kollegen von der Fachhochschule Karlsruhe, Studiengang Vermessung und Geomatik, wollen ein dreidimensionales Modell erstellen, in dem das Gelände, aber auch archäologische Details wie die antiken Mauern und Zisternen dargestellt sind. Dazu brauchen sie möglichst detailgetreue topografische Aufnahmen.

Rekunstruktionsversuche

Das erste Modell entsteht, Klein Karthago bekommt Konturen. Das Grabungsareal ist durch die topografischen Aufnahmen erfasst und kann jetzt an das Landeskoordinatensystem angepasst werden. Es folgen vorläufige Rekonstruktionsversuche der punischen Siedlung. Vieles ist noch ungenau und fraglich, aber sie bieten zumindest eine Arbeitshypothese. Ein virtueller Flug über die Vulkaninsel zeigt im Hintergrund den modernen Flughafen, vorne die Akropolis mit punischer Bebauung. Auf der Spitze der vermutete Tempel. Zwischen den Hügeln die Agora, der öffentliche Versammlungsplatz.

Die Stadt auf dem Doppelhügel, der Brückenkopf für die antiken Kolonialmächte, lag nur 70 Kilometer von der afrikanischen Küste entfernt. Das führt heute dazu, dass hier immer wieder Seelenverkäufer mit Flüchtlingen an Bord stranden. Schlepperbanden bieten für teures Geld Schiffspassagen nach Europa an. Die Reise ins gelobte Land endet nicht selten in den Klippen.

Antike Wracks

Pantellerias historische Bedeutung im Schnittpunkt der alten Seehandelsrouten zeigt sich auf dem Meeresboden. Eine wissenschaftliche Schatztruhe für Unterwasser-Archäologen. Zahlreiche antike Wracks wurden rund um die Insel schon entdeckt. Und hunderte von Amphoren zum Transport von Öl, Getreide und Wein. Die Container des Altertums. An Form und Material erkennt man das Herkunftsland. Die Jahrtausende alten Transportgefäße stammen aus allen Bereichen des Mittelmeers. Pantelleria muss einer der frühesten Stützpunkte des karthagischen Seereichs gewesen sein.

Handel bringt Reichtum - damals wie heute. Karthago beherrschte den Zugang zu den Rohstoffen Gold, Silber und Zinn, das zur Bronzeherstellung damals so wichtig war wie für uns heute Erdöl - und politisch genau so heiß umkämpft.

"Museum" von Pantelleria

Unterwasser-Archäologe Roberta Baldassare verstaut vorsichtig die geborgenen Amphoren im Keller des "Museums" von Pantelleria. Neben Gasmasken, Gewehrmunition, karthagischen und römischen Münzen und steinernen Katapultkugeln. Auch ein neu entdecktes Fußbodenmosaik kommt dazu: ein wunderschönes Exemplar eines spät-punischen Paviments mit vielfarbigen Steinen in Estrich eingelegt mit einer schönen Reihe weißer Mosaiksteine. Bodenbeläge wie man sie auch aus Selinunt kennt. Die Fußböden aus Pantelleria und aus Karthago unterscheiden sich nicht in der Setzung der Steine, sondern eigentlich nur in ihrem Unterputz.

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