Kaspar Hauser

Teil II: Auszüge aus dem Experten-Chat

Dr. Bernd Brinkmann vom Rechtsmedizinischen Institut Münster beantwortete die Fragen der Chatter:


Wo kann man Ihre Ergebnisse offiziell einsehen - gibt es einen Bericht - ähnlich wie damals von Bark und Eisenmenger? Bernd Brinkmann: Eine Pressekonferenz ist nicht geplant; ein Bericht ist erstellt.


Der Arzt Hesse hat 1967 in der Med. Wochenschrift bei Kaspar eine Epidermolytis bullosa , ein erbliches Haut- und Muskelleiden diagnostiziert wie es zum Beispiel zur Zeit der Geburt von Kaspar in Tirol öfter vorkam. Könnte man diese Diagnose mit Hilfe der Genanalyse verifizieren? Bernd Brinkmann: Diese Art der genetischen Analyse wäre möglich, wenn das betroffene Gen bekannt ist; dann kann man dieser Frage gezielt nachgehen.


Die mtDNA ist doch hochkonservierte DNA. Übereinstimmungen in der Sequenz sind da doch vorprogrammiert. Wie kann man da Rückschlüsse auf Verwandtschaftsbeziehungen ziehen? Bernd Brinkmann: mtDNA ist an sich hochkonserviert, nicht jedoch die untersuchten hypervariablen (sic!) Regionen. Hier besteht eine extreme Variabilität innerhalb einer Bevölkerung.


Wie gravierend sind die Fortschritte in der DNA-Analyse zum Jahr 1996? Bernd Brinkmann: Die grundlegenden Technik ist dieselbe (DNA-Sequenzierung). Die Empfindlichkeit ist heute allerdings größer.


Wie konnte es passieren, dass die DNA-Analyse vom Spiegel soweit daneben lag? Ist schlampig gearbeitet worden? Bernd Brinkmann
: Dazu kann ich nur sagen: Die Analytik war höchstwahrscheinlich in Ordnung. Nur die Quelle der DNA-Spur ist unterschiedlich zu unseren.


Wusste der Spiegel damals nichts von der Existenz weiterer Kleidungsstücke /Haare/etc. oder warum wurde nur eine DNA-Analyse einer Probe in Auftrag gegeben. Der Kreuz-Vergleich verschiedener Proben erscheint mir da doch erheblich sicherer. Und ich frage mich wieso der Spiegel nicht auf so etwas kam. Bernd Brinkmann: Vielleicht hielt man zum damaligen Zeitpunkt die Untersuchung des großen Blutflecks für erfolgsversprechend. Der Rest Ihrer Frage ist sehr sinnvoll.


Wenn Sie die Ergebnisse der Haarprobe haben und identische Ergebnisse von der vermuteten Leiche aus dem Grab erhielten, wären Sie einen Schritt weiter.Bernd Brinkmann: Ja, im Hinblick auf die Authentizität der Haare/anderer Spuren.


Sind in naher Zukunft noch bessere Methoden der Genanalyse mit Haaren oder Schweiß von Kaspar Hauser und noch lebenden Nachkommen zu erwarten? Bernd Brinkmann: Die Methoden werden laufend verbessert und neue genetische Marker kommen ins Spiel - in einigen Jahren KÖNNTE also eine bessere Methodik existieren.


Kann man nach so langer Zeit einem Leichnam noch geeignetes Genmaterial für die Analyse entnehmen? Bernd Brinkmann: Ja, grundsätzlich funktionieren die Analysen auch mit älteren Proben, aber gelegentlich versagt die Methodik auch bei jüngeren Proben. Eine sichere Aussage ist also nicht möglich. Man sollte dies probieren.


Sind Abweichungen in sechs verschiedenen Stellen schwerwiegend, im Bezug auf die Verwandtschaft Kaspars mit dieser Nachfahrin? Bernd Brinkmann: Ja, sechs Unterschiede bedeuten einen definitiven Ausschluss der vermuteten Verwandtschaftsbeziehung.


Die Frage, ob das (genetische) Rätsel von Kaspar Hauser gelöst wurde, ist nach Ihren Erkenntnissen also weiter offen? Bernd Brinkmann: Ja! Es bleibt weiter spannend.

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