Kaspar Hauser

Teil III: Auszüge aus dem Experten-Chat

Der Historiker Werner Bürger arbeitet als Kurator der Kaspar-Hauser-Sammlung des Ansbacher Markgrafenmuseums und beantwortete im Chat Fragen:


Könnte Kasper Hauser nicht ein Experiment gewesen sein? Werner Bürger: Theoretisch ja!


Warum wurde K. Hauser eingesperrt und nicht gleich getötet? Gibt es darüber Theorien? Werner Bürger: Eine der beteiligten Parteien könnte geplant haben, ihn später als Druckmittel einzusetzen.


Woher hat man die Sicherheit, dass die Kleidung, von der man die Gen-Proben entnommen hat, tatsächlich die von Kaspar Hauser ist? Werner Bürger: Die Aufbewahrung der Kleidung in Ansbach ist nahezu lückenlos dokumentiert.


Welches sind die nächsten Schritte in der Hauser-Forschung? Werner Bürger: Interessant wäre jetzt sicher ein Vergleich der Blutspuren an den verschiedenen Kleidungsstücken.


Könnte man die Leiche Hausers nicht exhumieren, um zu klären, ob die Blutflecken von ihm stammen? Werner Bürger: Die Exhumierung der Leiche wäre sehr schwierig, da sich die Lage des Grabes am engen Ansbacher Stadtfriedhof im Laufe der Zeit verschoben haben könnte. Es gab einige Bombeneinschläge in der Nähe. Das Grab wurde allerdings nicht zerstört.


Wer bestimmt eigentlich in heutiger Zeit, dass die Gruft der Badener nicht geöffnet werden darf? Wer vom Hause Baden hätte heute noch Interesse an einer Vertuschung? Werner Bürger: Der jeweilige Chef des Hauses hat dies zu entscheiden. Es geht heute wahrscheinlich eher um den Schutz der Privatsphäre.


Mit welcher Begründung wurde die Untersuchung der Leiche abgelehnt? Werner Bürger: Das Haus Baden hat dies abgelehnt, ohne Gründe zu nennen.


Sollte sich herausstellen, dass Kaspar Hauser der Erbe war, was für Folgen hätte das heute? Werner Bürger: Seit Abschaffung der Monarchie keine.


Wenn Kaspar wirklich Stephanies Sohn ist, ist er doch auch ein entfernter Verwandter von Kaiser Napoleon, oder? Werner Bürger: Ja, das wäre so!


Hat sich Stephanie niemals im Zuge der größer werdenden Bekanntschaft Kaspars dafür interessiert, wer dieser Junge ist, der so eng mit ihr in Verbindung gebracht wurde? Oder war sie bereits verstorben? Werner Bürger: Sie wurde mehrfach über Kaspar Hauser informiert.


Gibt es oder gab es ein Mitglied des Hauses Baden, das glaubt oder glaubte, dass Hauser der Erbprinz von Baden war? Werner Bürger: Ja, Max von Baden glaubte an diese Theorie.


Wieso kam überhaupt die Idee auf, Hauser könnte Prinz von Baden sein? Werner Bürger: Ein erster anonymer Hinweis datiert bereits von Ende 1828.


Gehörte Ansbach damals zu Bayern oder zu Baden? Gab es zwischen den beiden nicht politische Konflikte? Werner Bürger: Ansbach war zu dieser Zeit bayerische Kreishauptstadt. König Ludwig wollte Gebiete, die zu Baden gekommen waren, wieder zurückhaben.


Welches Interesse hatte Bayern an Kaspar Hauser? Werner Bürger: Mit Kaspar Hauser als möglichem Erbprinzen hätte Bayern ein Faustpfand für seine Gebietsansprüche gehabt.


Was würde ein eindeutiger Verwandtschaftsnachweis denn nun eigentlich heute bedeuten? Werner Bürger: Rechtlich gesehen wäre der Nachweis irrelevant. Für die Hauser-Forschung sicher sehr interessant.


Warum ist Schloss Beuggen noch immer unzugänglich? Werner Bürger: Die Frage kann ich leider auch nicht beantworten.


Wie konnte sich Hauser an das Schloss erinnern, wenn er doch vertauscht wurde und dort nicht aufgewachsen ist? Werner Bürger: Gute Frage! Dies trifft einen zentralen Punkt.


Wie konnte der junge Kaspar die Flaschenpost schreiben?Werner Bürger: Jemand soll sie für ihn geschrieben haben, zum Beispiel der Pfarrer.


Wie soll die Flaschenpost Rhein aufwärts nach Basel geschwommen sein? Werner Bürger: Diese Frage stellen wir uns ebenfalls!!


Die Unterschrift der Flaschenpost lautet nach Ferdinand Mehle: Hares Sprauca, woher leitet sich die im Film genannte ab? Werner Bürger: Die Unterschrift ist ein Anagramm, das auf verschiedene Weise aufgelöst werden kann.

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