Kastell aus Lehmziegeln

Systematische Erforschung

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs begann der Franzose Antoine Poidebard mit der Spurensuche aus der Luft. Der "fliegende Jesuitenpater" machte um 1930 Luftaufnahmen in brillanter Qualität und legte damit das Fundament für die systematische Erforschung römischer Militärbauten in der Wüstensteppe Syriens.

Bis heute nutzen Wissenschaftler Poidebards Vermächtnis. Er hat die versunkenen Spuren Roms planmäßig festgehalten.

Quadratische Struktur

Die Entdeckung des Luftbildpioniers am Euphrat hat eine quadratische Struktur. Das Bild, das er unter dem Namen Qreiye veröffentlichte, zog einen jungen deutschen Archäologen in seinen Bann. Markus Gschwind war aufgefallen, dass dem Viereck die bei spätrömischen Kastellen üblichen vorspringenden Türme fehlen. Verbirgt sich unter der Erde von Qreiye eine Befestigung, die älter ist als die meisten aus dem Orient bekannten Römerkastelle?

Eine gute Versorgungslage war ideale Voraussetzung für die Stationierung einer größeren Truppe. Doch welche strategischen Gründe gab es, gerade an diesem Euphratabschnitt zu bauen? Welche Einheit wurde hier her verlegt? Und wann wurde das Fort aufgegeben oder zerstört? Scherbenfunde datieren die Forscher auf die Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus. Spätere wurden bisher nicht gefunden. Ein Hinweis auf das Ende des Kastells.

Neue Grenzen

Im späten 2. Jahrhundert hatten die Römer im Osten zwei neue Provinzen eingerichtet. Die Grenzen mussten militärisch gesichert werden, denn damit hatten sie die Parther, die einzige Supermacht neben Rom, herausgefordert.

Wie überall an den Rändern des Imperium Romanum wurden die Truppen in befestigten Lagern untergebracht. Im 3. Jahrhundert war ein römisches Kastell am Limes in Süddeutschland eine rechteckige Anlage mit Wachtürmen und Toren. Die Offiziers- und Mannschaftsquartiere im Inneren waren standardisiert. Galt das auch für den Orient? Im Zentrum: die Principia, das Stabsgebäude. Im Fahnenheiligtum bewahrte die Truppe die Insignien der Macht auf: ihre Feldzeichen und ein Bildnis des Kaisers.

Ausweitung des Imperiums

Markus Gschwind vom Deutschen Archäologischen Institut in Damaskus ist auf das Mauerwerk der Principia in Qreiye gestoßen. Der Grundriss stimmt mit dem Plan eines römischen Stabsgebäudes überein, das 100 Kilometer Euphrat abwärts entdeckt wurde. War der Fluss eine Einfallsroute für die Feinde des Reichs oder dienten Qreiye und die Stadt Dura Europos als Basis für die offensive Ausweitung des Imperiums?

Qreiye war ein römisches Kastell. Gschwind gelang die Rekonstruktion der Baugeschichte des aus der Luft entdeckten Vierecks: Anfang des 3. Jahrhunderts gegründet, bestand es nur 40 oder 50 Jahre. Die Gründe seines Untergangs liegen allerdings noch im Dunkeln.

Wichtige Verbindungsstraße

Antoine Poidebard hatte auch ein Brückenkopfkastell am anderen Euphratufer erwähnt. Die Archäologen vermuten deshalb, dass die beiden Kastelle zum Schutz eines strategisch wichtigen Flussübergangs, einer Verbindungsstraße zwischen den Machtzentren der alten und neuen Provinzen, errichtet wurden.

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