Katharinas Kosakenflotte

Archäologische Funde weisen auch auf eine Werft hin

Mit dem Untergang von Baturin scheiterte 1709 der zweite Versuch, einen freien und geeinten Kosakenstaat auf dem "wilden Feld" zu gründen. Die Idee von "Cosakia", dem unabhängigen Kosakenstaat, war einst weiter im Süden in den schwer zugänglichen Gebieten jenseits der Dnjepr-Stromschnellen geboren worden.

Auch Zarin Katharina die Große sah in den Kosaken vom Dnjepr eine willkommene Streitmacht gegen die Türken im Kampf um den Zugang zum Schwarzen Meer. Die "wilden Reiter" aber erhofften sich dieses Mal an der Seite Russlands reiche Beute und einen eigenen Staat als Belohnung.

Schwierige Beweisführung

In den Gewässern unterhalb der berüchtigten Stromschnellen ist ein Forschungsschiff des ukrainischen Instituts für Unterwasserarchäologie unterwegs. Die archäologische Beweisführung ist heute schwierig, weil Staudämme den Lauf des Dnjeprs stark verändert haben. Nur bei der Felseninsel Chortiza ist sein Bett noch annähernd so wie früher.

Taucher suchen nach Überresten jener legendären Kosakenflotte, die für Katharina gegen die Türken gesegelt sein soll. Die Kosaken der Zarin waren auch geschickt in der Schifffahrt. Dabei ist die Aufgabe nicht ungefährlich: Im trüben Flusswasser sieht man oft die Hand vor den Augen nicht, hinzu kommen tückische Strömungen.

Wendige Boote mit "leichter Artillerie"

Zunächst finden die Unterwasserarchäologen ein Schiffsnagel. Dann entpuppen sich seltsame Steine als Kanonenkugeln. Die Kugeln sind nicht besonders groß. Die Kaliber wurden auf den schnellen Kosakenschiffen eingesetzt.
Alte Aufzeichnungen und Pläne aus den Geheimarchiven der Zaren zeigen den Tauchern, wonach sie suchen sollen: nach den "Tschaikas" - "Möwen" - den wendigen Booten der Kosaken mit ihrer "leichten Artillerie". Wenn ihre Unterlagen stimmen, gab es im Untersuchungsgebiet eine Werft, auf der einst über 300 Schiffe gebaut wurden.

Beim nächsten Tauchgang entdecken die Taucher Schiffsplanken. Das Wrack scheint einigermaßen gut erhalten. Doch wie ist es gesunken und wann? Im Kampf? Gegen wen? Gegen die Türken? Gegen die Zarin? Bei einem weiteren Unterwassergang taucht aus dem Algendunkel des Dnjepr ein weiteres Schiff auf. Der Rumpf ist ebenfalls stark beschädigt, doch den Froschmännern ist sofort klar, dass sie eine Tschaika entdeckt haben. Daneben viele Anker. Möglicherweise ist hier Katharinas Kosaken-Armada untergegangen.

Werften im Hochbetrieb

Eine Zimmermanns-Axt ist für Stadler und Ostapenko ein klares Indiz für den Standort der gesuchten Werft. Ein Anhänger mit dem heiligen Nikolaus ist nicht minder aussagekräftig, denn Nikolaus ist der Schutzpatron der Kosaken.
Auf den Werften der Zaren herrschte im 18.Jahrhundert Hochbetrieb. Der Zugang zum Schwarzen Meer war Voraussetzung für die russische Expansionspolitik. Hierzu wurden kosakische Söldner gebraucht.


Eine Grabung am Ufer nur 500 Meter von den Wracks entfernt, soll weitere Hinweise liefern. Die Archäologen entdecken zwei Skelette. Ein Mörder, der lebendig zusammen mit seinem Opfer begraben wurde, wie es damals Kosakensitte war? Doch die DNA-Analyse der Knochen wird die Archäologen auf eine ganz andere Fährte führen. Die beiden Männer waren schwer krank. Eine Typhus-Epidemie muss Hunderte Kosaken am Dnjepr hinweggerafft haben. Danach wurden die herrenlosen Schiffe vom Wintereis zerquetscht, folgert Ostapenko.

Virtuelle Flotte

Nach ihrer Bergung werden die Wracks sorgfältig konserviert. An der Luft würden die einst stolzen Segler sonst in wenigen Wochen zu Staub zerfallen. Am Computer ist die Flotte der Kosaken bereits wiederauferstanden, auf die sich Katharina trotz Epidemien und Eis im Krieg gegen die Türken verlassen konnte.

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