Kessel um Wien

Über- und unterirdische Wege zur Festungsmauer

Im Juli 1683 beginnt die zweite Belagerung Wiens, der 12. September 1683 sollte der Schicksalstag für die Türken werden. An diesem Tag setzt der Befehlshaber der Türken, Großwesir Kara Mustafa, alles auf seine Mineure.

Dem historisch verbürgten Kundschafter Georg Michaelowitz bleiben nur noch wenige Stunden, um Hilfe zu holen.

Bis zum letzten Blutstropfen

Unter der Löbelbastei rollen türkische Mineure bereits Pulverfässer in eine Minenkammer. Wiens Stadtkommandant ist der Graf von Starhemberg. Er hat geschworen, seine Stadt bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Dem historisch verbürgten Kundschafter Georg Michaelowitz bleiben nur noch wenige Stunden, um Hilfe zu holen.



Michaelowitz-Bericht (00:10 Uhr): "Am 12. September 1683 schwanden all unsere Hoffnungen. Den Mineuren der Türken war es gelungen, eine große Bresche in die Löbelbastei zu sprengen. Tag für Tag gab es Tote und Verwundete in unseren Reihen. Wir waren nur noch wenige gegen unsere Erzfeinde, die jeden Tag aufs Neue anstürmten. Einzig die Truppen der Heiligen Liga konnten Wien noch retten. In der Dunkelheit suchte ich verzweifelt nach einem Zeichen: Wo blieb das Entsatzheer, ohne das wir verloren waren?"

Gigantisches Heerlager

Ein gigantisches Heerlager mit 25.000 Zelten umschließt Wien. Die Wiener sind eingekesselt; es gibt kein Entrinnen. Mit einem System aus Laufgräben haben sich die Türken oberirdisch bis an die Festungsmauern herangewühlt. Unterirdisch graben sie Tunnel, um mit Minen gezielt Breschen in die Befestigung zu sprengen. Das einstürzende Mauerwerk ist eine perfekte Rampe für den Sturm in die Stadt.


Michaelowitz-Bericht: "41 Minen hatten die Türken schon hochgehen lassen. Wie Kaninchen und Maulwürfe wühlten sie Tag und Nacht unter unseren Füßen, jederzeit konnten sie eine neue Ladung zünden. Bereiteten die Türken schon die nächste Sprengung vor? Wir kamen auf eine so einfache wie geniale Idee: Um uns Gewissheit zu verschaffen, machten wir die Erbsenprobe. Sie tanzten! Irgendwo unter uns arbeiteten die türkischen Mineure. Eine neue Sprengung stand uns bevor. Aber wir wussten nicht wann, noch wo. Starhemberg ließ eine Rakete in den Nachthimmel schießen. Sie war unser letzter, verzweifelter Hilferuf an das Heer der Alliierten."

Überlebenswichtige Nachrichten

Der einzige Ausweg ist nun das Eingreifen der alliierten Truppen. Michaelowitz macht sich mit einem Hilferuf des Stadtkommandanten auf den Weg zum Oberbefehlshaber der Alliierten. Aus der Zeit der Türkenbelagerung sind viele chiffrierte Briefe erhalten. Sie mussten durch die feindlichen Linien der Osmanen gebracht werden. Immer wieder gelang es Kundschaftern in orientalischer Kleidung, wie Georg Michaelowitz, überlebenswichtige Nachrichten zwischen der Stadt Wien und dem alliierten Heer zu übermitteln. Und dabei auch, ganz nebenbei, die Pläne der Osmanen zu erkunden.

Aber auch die Türken spionieren Wien aus: Sie wissen genau, wie die Festung angelegt ist, wo Kanonen stehen und wie viele. Und an welcher Stelle sie am besten das Bollwerk angreifen können. An der Burg- und Löbelbastei stehen sie seit 61 Tagen zum Sturm bereit. Aber nicht auf dem ungeschützten Vorfeld, sondern in Laufgräben nähern sie sich der Todeszone vor den Basteien.

Erbitterte Kämpfe

Türkische Kanoniere überschütten die Stadt mit einem Kugelhagel. Seit sieben Wochen wird erbittert um jeden Fußbreit Boden gekämpft, einem Verteidiger stehen 15 Türken gegenüber. 50 Sturmangriffe gab es bereits bis zum 12. September. Nur noch 4000 Verteidiger stehen gegen zehntausende türkische Soldaten. Die Elitetruppe der Janitscharen stürmt Tag für Tag durch die Laufgräben, bis an den Fuß der Löbelbastei.




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