Kleine Chronik der mongolischen Völker

Von der Altsteinzeit bis ins 20. Jahrhundert

Schon in der Altsteinzeit siedeln die Urväter der mongoliden Rasse im Gebiet der heutigen Mongolei. In der Jungsteinzeit beherbergt die Ostmongolei sesshafte Volksgruppen, die stationäre Wohnbauten errichten und einen intensiven Ahnenkult mit reich geschmückten Bestattungsritualen betreiben. In der Westmongolei leben die Menschen eher nomadisch: Archäologen entdeckten dort zeitweilige Lagerplätze von Jägern und Fischern.


3. Jahrtausend. v. Chr. Zu Beginn der Bronzezeit siedeln zwei große Volksgruppen in der Mongolei: der europide Typ im Westen, welcher eher der europäischen Völkerfamilie zuzuordnen ist, und der paläomongolide Typ in der Ostmongolei.


2. Jt. v. Chr. Aus der Bronzezeit sind die ersten Zeugnisse der Jagd und kriegerischer Auseinandersetzungen erhalten: Mehr als 50 Felszeichnungen mit Darstellungen von Streitwagen haben Forscher entdeckt. Die pferdebespannten Einachser sind stets besetzt mit einem Krieger, der mit Bogen oder Axt bewaffnet ist.




4. Jahrhundert v. Chr. In dieser Zeit beeinflusst die Kultur der Skythen die mongolischen Völker maßgeblich: Von den westlich der Mongolei ansässigen Skythen übernehmen mongolische Völker nicht nur die Tracht, sondern vor allem deren Kriegskunst. Auch die wichtigste Waffe der Mongolen ist eine Erfindung der Skythen: der Reflex- oder auch Kompositbogen.


3. Jh. v. Chr. bis 2 Jh. Reiternomaden aus verschiedenen ethnischen und kulturellen Gruppen kontrollieren weite Teile Zentralasiens. Die ethnische Herkunft der Xiong-nu genannten Stämme ist umstritten, doch ihre Lebensweise ähnelt der der Skythen. Ab etwa 200 v. Chr. schaffen die Xiong-nu dank ihrer militärischen Stärke das erste Steppenimperium, dem mehr als 25 Völker unterschiedlicher Kulturen und Sprachen angehörten.
Der oberste Anführer Mao-dun (209 - 174 v. Chr.) äußerte sich 176 v. Chr. zur Gründung des Reiches: "Dann hat er (Mao-dun) Lö-lan,U-sun und Ho-k`ut mit 25 nahe liegenden Reichen unterworfen; diese sind somit alle zu Xiong-nu gemacht, und die Völker, welche Bogen spannen sind nunmehr zu einer einzigen Familie vereint."



1. bis 4. Jh. Im Jahr 93 n. Chr. werden die Xiong-nu von den aus dem chinesischen Raum kommenden Sien-pi (Xianbi), vernichtend geschlagen. Die Sien-pi sind ein Völkerverbund mongolischsprachiger Volksgruppen, überwiegend aus dem chinesischen Raum. Auch Xiong-nu Stämme sind Teil der Sien-pi.
Generell ist zu sagen, dass in den verschiedenen Epochen oftmals Völkerbündnisse in verschiedener Konstellation zusammen oder gegeneinander gekämpft haben. Diese werden unter dem Begriff der jeweils vorherrschenden Gruppe zusammengefasst.


4. bis 6. Jh. Etwa am Ende des vierten Jahrhunderts dominieren die Rouran, ein mongolisch geprägter Stammesbund, die Länder nördlich der Wüste Gobi. Im 5. Jahrhundert beherrschen sie auch weite Teile Zentralasiens.


6. bis 8. Jh. Im sechsten Jahrhundert schaffen einfallende türkische Völker (Kök-Türken) in der asiatischen Steppe für etwa hundert Jahre einen türkischen Staat, das erste türkische Chanat. Das Reich besteht als Verband nomadischer Stämme und hat große Bedeutung in der Geschichte der frühen türkischen Völker. Felszeichnungen zeigen türkische Reiter mit Rüstung und gepanzerten Pferden, was auch ihre militärische Stärke erklärt.
Im siebten Jahrhundert entsteht das zweite Türkische Chanat, welches später von anderen Türkvölkern, den Uiguren, zerschlagen wird.


8. bis 9. Jh. Die Uiguren (Uyghuren) sind die größte Volksgruppe in der autonomen chinesischen Region Xinjian. Sie betreiben Ackerbau und bauen Städte mit einer weit entwickelten Kultur.


9. bis 10. Jh. In dieser Zeit dominieren die Kirgisen, eines der ältesten Turkvölker, die asiatische Steppe. Sie führen mehrere Kriege gegen Kök-Türken und Uiguren, die sie unterwerfen können. Danach übernehmen die Kirgisen die Macht in Zentralasien.


10. Jh. bis 12. Jh. Nach und nach erlangen jedoch wieder mongolisch sprechende Stämme mehr Macht über die asiatische Steppe. Eines der wichtigsten Völker zu dieser Zeit sind die K`i-tan, Nachfahren der Sien-pi-Stämme.
Im 10. Jahrhundert startet der k`i-tanische Herrscher Apaoka einen Feldzug in die Mongolei und vertreibt die Kirgisen. Die K`i-tan breiten sich auch in einem großen Teil Chinas aus. Sie sind hoch zivilisiert, bauen Städte, betreiben Ackerbau und Viehzucht, verarbeiten Eisenerz und beherrschen die Webkunst. Die Gesellschaft ist in den herrschenden Feudaladel und verschiedenen Klassen eingeteilt. 1125 werden die K`i-tan von den Dschurdschen und verbündeten Südchinesen geschlagen.


12. bis 17. Jh. Doch die rein mongolisch sprechenden Stämme, von den Türken inzwischen auch Tartaren genannt, lassen sich ihre Macht über die Steppe nicht mehr nehmen. Die Stämme bilden Allianzen, und 1206 wird Temudschin zum obersten Herrscher aller Mongolen ausgerufen. Später erhält er den Titel "Dschingis Khan".
Seine Heere erobern weite Teile Zentral- und Ostasiens. Nie ist das mongolische Reich größer als zur Zeit des legendären Herrschers: von Ostasien bis nach Europa besiegen die Steppenreiter jede Armee, die sich ihnen entgegen stellt - oftmals in Unterzahl. Nach dem Tod Dschingis Khans zerfällt das Mongolenreich in Einzelreiche.


17. bis 20. Jh. Ab 1699 steht die Mongolei unter Mandschu-Herrschaft. Die Mandschu sind ein Volk aus der Mandschurei im Nordosten Chinas. Mit dem Sturz der Mandschu-Herrschaft trennt sich die Mongolei von China und orientiert sich ab 1911 an Russland.

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