Kleines Porträt des biblischen Gottes

Die Welt auf dem Weg zum Monotheismus

Die Götterwelt der alten Kulturen ist untergegangen. Diese Welt ist in den Sog eines einzigen Gottes geraten – des Gottes Jahwe. Dieser eine Gott hat alle anderen Götter verschluckt und absorbiert. Aus den vielen Göttern ist ein einziger geworden, so dass sogar sein Eigenname – Jahwe – keine Rolle mehr spielt. Weil er ein einziger ist, benötigt er keinen Eigennamen mehr. Wie konnte es zu dieser Karriere kommen?

Die Antwort kann nur sein: Weil sich von allen religiösen Gemeinschaften der antiken Welt in der Spätantike – der Zeit zwischen etwa 300 und 700 nach Christus – nur solche Religionen gesellschaftlich durchgesetzt haben, die vom monotheistischen Gottesglauben überzeugt waren: Christentum, Judentum, Islam. Der monotheistische Glaube empfahl sich der Elite, weil er das Bedürfnis nach Abstraktheit befriedigte; er empfahl sich jedoch auch der Masse, weil er die Sehnsucht nach einem Gott erfüllte, der sich um jeden einzelnen Menschen kümmert.

Gegensätzliche Vorstellungen von Gott

Theologe Bernhard Lang
Theologe Bernhard Lang Quelle: ZDF/Raf Gemmecke

In der Bibel finden wir zwei gegensätzliche Vorstellungen von Gott: Ein archaischer Wüstengott tritt auf einem heiligen Berg – dem Berg Sinai – mit einem kleinen Volk in Verbindung, um sich als dessen Schutzgott zu empfehlen. Mit dieser Gottesvorstellung konkurriert eine zweite, die Gott als Stadtgott denkt: Im Tempel von Jerusalem verehrt, gilt er als Weltenherr und Schöpfer von Himmel und Erde. Beide Bilder haben ihre Spuren in dem Gott hinterlassen, der zum monotheistischen Gott aufsteigen konnte. Der enge Kontakt, den Gott zur Glaubensgemeinschaft pflegt, stammt aus der Wüste, während die Weltherrschaft auf das urbane Milieu zurückweist.

In der Bibel miteinander vermischt, sind die beiden Gottesbilder schwer voneinander zu sondern. Dafür bietet uns die Bibel ein gewaltiges Panorama von einer Welt, die von einem einzigen Himmelsgott verwaltet und gelenkt wird. Nach der Bibel hat Gott seinen Palast im Himmel, weit über den Wolken, jenseits des Firmaments, an dem – nach dem Weltbild Israels – Sonne, Mond und Sterne befestigt sind. Mehrfach gewährt die Bibel einen Blick in den Thronsaal dieses Palasts. Angetan mit einem langen, bis zu den Knöcheln reichenden Gewand sitzt Gott in der Gestalt eines weißhaarigen alten Herrn auf erhöhtem Thron. Ihn umgeben seltsame tiergestaltige Wächter sowie eine Schar menschengestaltiger Diener. Vom Thronsaal, einer weiten Halle, geht alle Lenkung aus. Gelenkt wird die Natur, indem Gott Wind und Regen sendet, oder beides zum Schaden der Erde vorenthält. Beeinflusst wird das Leben jedes einzelnen Menschen, besonders derer, die sich Gott durch besonderes Vertrauen verbunden haben.

Walten im Leben der Völker

Gott waltet vor allem im Leben der Völker. Er verfügt über einen Stab niedriger Götter. Als Gott die Völker geschaffen hatte, stellte er jedes Volk unter den Schutz eines dieser Götter. Er selbst nahm das Volk Israel in seine Obhut. Ihm schenkte er durch seinen irdischen Diener Moses sein Gesetz. Von seinem Volk lässt er sich einen Tempel erbauen als irdische Residenz, wo er, von Priestern mit Opfergaben versorgt, anwesend sein kann. Auf dem Altar brennt ein ewiges, reines Feuer, Tag und Nacht, vergleichbar dem Feuer der Vestalinnen in Rom. Durch Opfergaben, von denen manche in diesem Feuer verbrannt werden, erhält Gott jene Kraft zurück, die er als Segenskraft zuvor selbst an Mensch und Natur gegeben hat. In seinem Volk erweckt sich Gott oft Männer – und manchmal auch Frauen –, die in seinem Auftrag als Propheten und Prophetinnen reden, indem sie Gottes Strafe für Vergehen oder auch Sieg im Kampf gegen feindliche Heere ankündigen.

Ein folgenreiches Ereignis im Himmel ist die von Gott verfügte Änderung der Weltregierung: Gott zitiert die Götter in den Thronsaal, herrscht sie an, wirft ihnen schlechtes Regiment vor, bezichtigt sie schwerer Vergehen, um sie alle zu vernichten (Psalm 82). Vom Tod verschont bleibt Satan, früher als Staatsanwalt am göttlichen Gericht tätig: Diese teuflische Gestalt wird aus dem Himmel verstoßen, um nun ihr Unwesen unter den Menschen zu treiben. Nach dem Tod der Götter und der Verstoßung Satans bestimmt Gott allein über das Geschick der Völker.

Geheimnisvolle Gestalt

Ihm zur Seite steht nun ein Hofstaat mächtiger Engel, die zu allerlei Diensten ausgesandt werden. Eine geheimnisvolle, nur undeutlich beschriebene Gestalt, als Großwesir mit Gott eng verbunden, wird manchmal mit weiblichen Zügen ausgestattet – dann trägt sie den Namen "Weisheit"; oder sie erhält jugendliche, kriegerische Züge und den Titel "Menschensohn" (in der Bedeutung: menschengestaltiger Gott; Daniel 7). Was will dieser Gott vom Menschen? Ein biblischer Prophet hat es unübertrefflich zusammengefasst: "Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies – Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott" (Micha 6,8).

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet