Kleopatra - attraktive Frau und Königin

Die Macht der Schönheit als Instrument in der Politik

Die schönste Frau, die je ein Auge sah, ist nach Meinung zahlreicher Zeitgenossen und vieler Geschichtsschreiber die ägyptische Königin Kleopatra (69–30 v. Chr.) gewesen. Sie war mächtig, weil sie aus einer mächtigen Familie stammte und weil sie kalt und skrupellos sein konnte, um ihre Macht zu erhalten.

Als sie im Jahr 51 v. Chr. den Thron der Pharaonen bestieg, war sie gerade 18 Jahre alt. Kleopatra VII., Kleopatra die Große. Die junge Frau aus der Dynastie der Ptolemäer war während der dreihundert Jahre dauernden ptolemäischen Herrschaft in Ägypten die Erste und Letzte, die die Sprache des Landes sprach, das sie regierte – eine Sprache, die für Schönheit und Sonnenlicht dasselbe Wort (»nfr«) verwendete. Kleopatra regierte zusammen mit ihrem Bruder, den sie auch heiratete. Außer dem Land am Nil gehörten auch die Cyrenaika, Zypern, Südsyrien, etliche Inseln der Ägäis und ganze Küstenstreifen an der West- und Südküste Kleinasiens zu ihrem Herrschaftsgebiet. Kein Wunder, dass es zwischen den Geschwistern bald schon Streit gab. Die Königin wird vertrieben. Aber ihre Feinde haben die Rechnung ohne Kleopatras Attraktivität gemacht.

War Kleopatra eigentlich schön?

Ihre Marmorbüste, wenn es denn die ihre ist, die man in der Berliner Antikensammlung sehen kann, zeigt ein klares, ebenmäßiges Gesicht mit einer ansehnlichen Nase, für die in manchen Quellen sogar das undankbare Wort »Hakennase« verwendet wird. Wenn sie das Haar nicht hinten zu einem Knoten gebunden hätte, würde man sie auch heute schön finden. Eine Büste aus dem Ägyptischen Museum in Turin legt die Vermutung nahe, Kleopatra könne mehr oder weniger »schwarz« gewesen sein. Aber dies bleibt der einzige Hinweis auf ein »afrikanisches« Aussehen der Königin.

Sie muss zweifellos attraktiv gewesen sein, als sie sich, wie Plutarch berichtet, mit einem kleinen Boot und in einen Teppich verschnürt, mitten in der Nacht an der Pier des von Cäsar requirierten Königspalastes von Alexandria absetzen ließ – und dadurch den Römer so beeindruckte, dass bald eine stürmische Liebesaffäre ihren Lauf nehmen konnte.

Inkarnation der Göttin Venus

Julius Cäsar war im Jahr 48 v. Chr. in Alexandria gelandet. Jetzt, nachdem Kleopatra und er ein Paar sind, lässt er das alte Reich der Ptolemäer durch seine Geliebte regieren – ein Gewinn für beide. Macht für Schönheit, Schönheit für Macht. Kleopatra wird bald schwanger, der Sohn erhält den Namen Cäsarion. Die Herrscherin Ägyptens reist zu einem Staatsbesuch nach Rom und bleibt fast zwei Jahre dort. Sie hält Hof in Cäsars Villa auf der rechten Tiberseite, während der Hausherr bei seiner Ehefrau wohnt. Kleopatra gibt rauschende Feste und lässt sich als Inkarnation der Göttin Venus feiern.

Als Cäsar ermordet wird, ist Kleopatra noch in Rom. Alle Pläne sind mit einem Mal zunichte. Kleopatra kehrt nach Alexandria zurück. Schon bald wird sie – mit kühlem Kopf – neue Strategien schmieden, um sich weiterhin den Schutz Roms und damit ihre Macht zu sichern. Der Neue ist Marcus Antonius, herausragender Repräsentant Roms im Osten des Reiches. Wiederum setzt Kleopatra ihre persönliche Schönheit und Attraktivität als »gute Partie« ein, um in Marcus Antonius einen Nachfolger für Cäsar zu finden. Sie segelt auf einer prachtvollen, vergoldeten Galeere nach Tarsos, um den Mann zu treffen, der Cäsar ersetzen soll. Sie umwirbt und betört den Römer sowie dessen Gefolge mit dem ganzen Prunk Ägyptens – vor allem aber mit Tausenden und Abertausenden von Rosen.

Die Macht der Schönheit und die Schönheit der Macht

Jetzt sind es drei Namen, die die Schnittstelle zwischen körperlicher Liebe und Politik, persönlicher Attraktivität und Macht markieren: Kleopatra, Cäsar und Marcus Antonius. Im Machtpoker zwischen dem Ptolemäerreich und dem Römischen Imperium verknüpft Kleopatra ganz offensichtlich und sehr zielstrebig ihren politischen Sinn für die Mechanik der Machterhaltung mit ihrem Wissen um die Anziehungskraft der Geschlechter. Sie weiß ihre Attraktivität als Frau und als Königin einzubringen in ein Spiel, das den uralten Gesetzen der Macht und der Schönheit folgt: der Macht der Schönheit und der Schönheit der Macht. Ein Spiel, das am Ende scheitert, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Dass es Kleopatra gelingt, nacheinander zwei römische Machtpolitiker an sich zu binden, verdankt sie ihrem rationalen politischen Kalkül, zugleich aber den im Verborgenen wirksamen irrationalen Kräften der Attraktivität und der Liebe. Sie hat die Macht der Schönheit als Instrument eingesetzt. Cäsar und Antonius wiederum haben ihre Macht mit der Schönheit geschmückt.

Es stimmt versöhnlich, dass alle drei nicht im Dunkel der Geschichte verschwunden sind, sondern dass auch heute noch immer wieder Licht auf sie fällt.

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