Kobolde im Regenwald

Tarsier - die ältesten und kleinsten Primaten der Welt

Wer Glück hat, kann nachts im Regenwald einen ganz besonderen Bewohner der Philippinen treffen: den Koboldmaki, wissenschaftlich Tarsius syrichta. Das Äffchen mit den langen Fingern und den großen Augen beflügelt seit jeher die Fantasie der Menschen. Früher glaubten die Inselbewohner, Koboldmakis seien die Haustiere der Waldgeister.

Koboldmaki hängt an Ast
Fast wie ein kleiner Außerirdischer: der Koboldmaki Quelle: ZDF

Das seltsame Aussehen der etwa 10 bis 15 Zentimeter kleinen Affen machte die Wissenschaft neugierig. Tarsier sehen anders aus als andere nachtaktive Tiere und doch finden sie sich im nächtlichen Dschungel bestens zurecht. Wie ist das möglich?

Früheste Primatengattung

Knochenfunde bestätigen eine Sonderstellung der Koboldmakis: Sie lebten schon vor 45 Millionen Jahren und sind damit die ältesten Vertreter einer Tiergruppe, die uns nahesteht: der Affen. Doch damals waren sie noch tagaktiv. Als die Nahrungskonkurrenz durch größere Affenarten im Laufe von Millionen von Jahren zunahm, blieb den zierlichen Tarsiern nichts anderes übrig, als in die Nacht zu flüchten.

Koboldmaki frisst grüne Heuschrecke
Koboldmakis lieben Insekten wie diese Heuschrecken. Quelle: Off the Fence

Doch diese sekundäre Nachtaktivität stellte die urtümlichen Äffchen vor ein Problem: Ihre Sinne taugten nicht für die Dunkelheit. Dass sie sich dennoch behauptet haben, zeugt vom großen Anpassungsvermögen unserer frühen Vorfahren. Die Hauptnahrung der Koboldmakis bilden, neben Vogeleiern und Früchten, Insekten und kleine Wirbeltiere. Diese im nächtlichen Regenwald auszuspüren und zu fangen, ist nicht einfach und erfordert einen sehr guten, auch bei Dunkelheit funktionierenden Sehsinn.

Glubschaugen und Gummihals

Viele Räuber, die nachts auf Beutezug gehen, wie die Zivetkatze, sind perfekt dafür ausgerüstet. Wie die meisten nachtaktiven Tiere hat sie hinter der Netzhaut eine Art Restlichtverstärker: Eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, das Tapetum lucidum, spiegelt das einfallende Licht und wirft es ein zweites Mal auf die Netzhaut. Auch viele unserer Haustiere - Katzen, Hunde, aber auch Pferde und Rinder - besitzen ein Tapetum lucidum.

Auge mit Tapetum lucidum (Animation)
Ein Restlichtverstärker wirft das Licht ein zweites Mal auf die Netzhaut. Quelle: ZDF

Den Koboldmakis fehlte dieser Spiegel, aber sie kompensierten das Manko: Ihre Augen wuchsen immer weiter, um mehr von dem spärlichen Nachtlicht zu sammeln. Ein einzelnes Auge des Koboldmakis ist größer als sein Gehirn. Weil sich die riesigen Augen aber nicht frei bewegen lassen, bildete sich in der Evolution eine weitere Besonderheit heraus: Koboldmakis können ihren Kopf um 180 Grad drehen. Diese beiden Eigenschaften sorgen im Zusammenspiel dafür, dass den Makis im Wald fast nichts entgeht.

Anpassungen an das Nachtleben

Augen des Koboldmakis
Perfekte Augen für die Jagd in der Dunkelheit Quelle: Off the Fence

Auch das Hörvermögen der Tarsier ist exzellent. Sie können Töne bis zu 91 Kilohertz wahrnehmen und kommunizieren selbst via Ultraschall, im Bereich von bis zu 70 Kilohertz. So können sie sich über eine Art privaten Kanal verständigen, der von keiner anderen Tiergruppe benutzt beziehungsweise "mitgehört" werden kann. Mit ihren ebenfalls sehr beweglichen Ohren fangen sie jedes noch so feine Geräusch ein.

In der Isolation auf den Inseln der Philippinen haben sie sich weiter spezialisiert: Ihre Beine sind länger geworden als die ihrer Verwanden aus Indonesien. Damit können sie bis zu drei Meter weit springen. Der lange Schwanz dient als Steuerruder. Aus dem einstigen Tagäffchen ist ein perfekt angepasster Nachträuber geworden.

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