König der Regenmacher

"Bewässerungskonzept" der etwas anderen Art

Christoph Winters Assistent Hagen Neumüller ist ebenfalls dem Geheimnis des Wassers auf der Spur. Er fährt vom Kilimandscharo aus Richtung Westen quer durch die Serengeti, um ein "Bewässerungskonzept" der etwas anderen Art kennen zulernen.

Für den Saarländer ist die Serengeti Zwischenstation auf dem Weg zum Viktoriasee. Der Nationalpark ist Afrika pur. Seine nächste Etappe auf dem Weg zum größten See Afrikas führt ihn nach Fort Ikoma.

"Heiliges Wasser macht unverwundbar"

Die deutschen Kolonialtruppen hatten in dem heute dem Verfall preisgegebenen Fort eine wichtige Garnison. Um für Ruhe und Ordnung zu sorgen und Aufstände zu verhindern waren im ganzen Land Militärposten. Die Angst war nicht unbegründet: im September 1905 bedrohte der Maji-Maji- oder Wasseraufstand eine Million Quadratkilometer "deutsches Land". "Heiliges Wasser macht unverwundbar," hatte ein mächtiger Zauberer gesagt, "die Geschosse des Gegners werden wie Regentropfen von gefetteten Leibern abperlen." "Der Glaube an die Wunderkraft des Zauberwassers trug den Geist des Aufruhrs in wenigen Wochen über den ganzen Süden der Kolonie," berichtete der kaiserliche Gouverneur Graf von Götzen. Deutsche Truppen werden auf dem Marsch angegriffen. Die Gewehre der Askari machen den "wassergeschützten" Angreifern bald klar, dass der Zauber nicht wirkt. Der Aufstand wird blutigst niedergeschlagen. Eine Strafexpedition vernichtet die Ernte. 250.000 Menschen sollen verhungert sein.

Für die in der Nähe lebenden Zanaki bewahrt der Viktoriasee heiliges Wasser. Es ist ein Privileg, eine Kalebasse davon nach Hause bringen zu dürfen. Die vier jungen Männer sind Söhne des Regenkönigs der Zanaki. Seinem Geheimnis ist Neumüller auf der Spur. Wie wirkt das heilige Wasser? Über welche Wunderkräfte verfügt der König der Regenmacher? Marwa Ihunyo ist der Regenkönig der Zanaki. Kann er Wetter machen? Ausreichend Regen ist für die Leute hier genauso wichtig wie für die Chagga. Doch statt der Bewässerungstechnik vertrauen sie ihrem Regenkönig. Er soll einen besonderen Zugang zu den Göttern haben.

Zu Fuß über den Viktoriasee

Marwa Ihunyos Vorfahren müssen erfolgreich gewesen sein. Seine Dynastie ist mittlerweile in der 22. Generation. Doch wie zapft er die Wolken an? Das Gehöft des Regenkönigs müssen die jungen Krieger einmal im an einem Tag Jahr neu bauen. Wenn das nicht geschieht, bläst ein trockener Wind den Regen weg, erzählt Marwa Ihunyo. Früher kamen zu dem Ritual Tausende, heute sind es nur noch ein paar Handvoll. Die können an einem Tag gerade mal den Zaun neu errichten. Ein schwarzes Kalb symbolisiert Regenwolken, es liegt neben der heiligen Trommel. Die Gründerin der Dynastie, eine Frau namens Muse, war mit ihr zu Fuß über den Viktoriasee gekommen. Mythen spielen bei den Zanaki eine wichtige Rolle. Aus der Zeit des 15. Regenkönigs stammt ein Speer, mit dem dieser einen unverwundbaren Riesen tötete, indem er seinen Schatten durchbohrte.


Der Regenkönig ist alt. Einer seiner Söhne wird, in alle Geheimnisse eingeweiht, ihm nachfolgen. Kleinere Regenmacher, die man wie Ärzte oder Anwälte bezahlt, kann man vor Gericht verklagen, wenn sie keinen Regen bringen. Den Regenkönig dagegen nicht, denn er steht mit den Göttern im Bunde. Er kann die Natur besonders gut verstehen, gewisse Zeichen deuten wie etwa kleine Wölkchen über einem bestimmten Hügel. Aber kann er wirklich "Regen machen"? Neumüller tendiert zu der skeptischen Position, dass er Regen vorhersagen kann und mit dem Wissen, das er hat, eine Art Psychomanagement betreibt. Der Regenkönig hat von seinen Vorfahren die Gabe der Wettervorhersage geerbt. Vielleicht ist das der ganze Zauber.

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