Könige der Elemente

Rekordhalter zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Eigentlich sind alle Tiere, die heute auf dem Globus leben, Supertiere - denn sonst wären sie längst nicht mehr da. Die Angehörigen der mindestens 1,2 Millionen verschiedenen Arten haben es geschafft, sich optimal an ihre Umwelt anzupassen. Sie besitzen die unterschiedlichsten Fähigkeiten, die ihnen das Überleben sichern. Einige sind extreme Meister ihres Fachs. Wer sich allerdings zu sehr spezialisiert, ist auch gefährdet: Verändern sich die Bedingungen, ist das oft das Aus für eine ganze Spezies.

Gepard
Gepard Quelle: dpa,Kim Ludbrook

Einem unserer Könige der Elemente wäre es in früheren Zeiten beinahe so ergangen - dafür sprechen jedenfalls genetische Untersuchungen. Damals müssen die Bestände der Geparde aus irgendeinem Grund stark eingebrochen sein, denn alle heute lebenden Geparde sind ganz eng miteinander verwandt - so eng, dass manche Wissenschaftler das Auftreten von Inzuchteffekten befürchten. Doch noch sind die gefleckten Katzen die unumschränkte Nummer Eins, wenn es um Sprint auf der Kurzstrecke geht. Kein anderes Tier rennt so schnell wie der Gepard.

Sprintkönig der Savanne

Er startet immer von der Pole Position. Kein anderes Landtier ist zu Fuß auch nur annähernd so schnell. In zwei Sekunden von Null auf 70 Kilometer pro Stunde, und nach wenigen Sätzen auf 110 Stundenkilometer. Das hat seine Gründe: Relativ kleiner Kopf mit schwacher Kiefermuskulatur, lange Beine, schlanker Körper, kleine Füße mit kurzen, geraden, stets ausgefahrenen Krallen als Spikes, extrem bewegliches Skelett, Brust- und Schultergürtel nur locker mit muskulös verspannter Wirbelsäule verbunden - das sind die Eckdaten dieses einmaligen Sprintspezialisten in Leichtbauweise. Ein langer Schwanz stabilisiert die Highspeed-Katze bei vollem Kurvenlauf und ein besonders leistungsstarkes Lunge-Herz-Kreislauf-System garantiert die optimale Energieversorgung. Allerdings: Nach 500 Metern ist Schluss. Dann hat sich das Tier vollkommen verausgabt und braucht eine Pause von mindestens 15 Minuten. Allzu oft darf dem Gepard die Beute nicht entwischen, und tatsächlich kann die Super-Katze die höchste Erfolgsrate aller einzeln jagenden Landraubtiere vorweisen: 60 Prozent. Nur im Rudel sind wenige andere Fleischfresser erfolgreicher, aber diese können leichtfüßige, blitzschnelle Gazellen nicht fangen - das Monopol des Gepards. Auch nach erfolgreicher Hatz muss er vor der Mahlzeit verschnaufen. Fast 160 mal atmet er dann pro Minute. Erst wenn er seine Atmungsfrequenz auf ein Zehntel gesenkt hat, entwickelt er wieder Appetit und lässt es sich schmecken.

Wanderfalke
Wanderfalke Quelle: ZDF

Jagdflieger mit Scharfblick

Ein König des flüchtigen Elements ist der Wanderfalke, zumindest hinsichtlich der Fluggeschwindigkeit. Er ist der Schnellste seiner Zunft. Das muss er auch sein, denn seine Beute ist nicht gerade langsam: Vögel in freiem Flug. Das erfordert eine spezielle Jagdtechnik. Der Wanderfalke kreist in großer Höhe, weit oberhalb der angepeilten Beute. Diese sollte nicht schwerer sein als 500 Gramm. Eine mittelgroße Taube ist ideal und daher das bevorzugte Objekt der Begierde - früher Grund genug für Taubenzüchter, die schnittigen Greife erbarmungslos zu verfolgen. Mit seinen scharfen Augen nimmt der Falke seine Beute ins Visier, berechnet deren Kurs und Geschwindigkeit, passt seine eigene Flugbahn an und geht in den Sturzflug über. Immer schneller stößt er hinab, winkelt die Flügel an und legt die Schwanzfedern zusammen, bis er beinahe Tropfenform und damit den geringst möglichen Luftwiderstand und oft über 320 Stundenkilometer erreicht. Knapp vor dem Zuschlagen bringt er sich in die Waagrechte, packt den Flüchtenden und durchbohrt ihn mit den dolchartigen Krallen der Hinterzehen. Oft ist der Beutevogel jedoch bereits durch den Aufschlag des Falkenfanges getötet worden. Verfehlt der Falke sein Opfer, muss er mit abenteuerlicher Luftakrobatik seine Richtung korrigieren und im Horizontalflug hinterher rasen - immerhin mit nahezu 100 Kilometern pro Stunde. Dann wird die Jagd schwierig. Kann der andere Vogel geschickt manövrieren, gibt der Falke meist auf.

Segelfisch
Segelfisch Quelle: ZDF

Fischkönig mit Prunksegel

Sie zählen zu den eindrucksvollsten Erscheinungen der Ozeane: der Segelfische, auch Fächerfische genannt. Zwei Arten sind bisher bekannt: der Atlantische und der Indopazifische Fächerfisch. Sie dürften wohl die rasantesten Unterwasserjäger der Weltmeere sein. Ihr stromlinienförmiger Körper ist von der Spitze des "Nasenspeeres" bis zu den Enden der sichelförmigen Schwanzflosse auf Geschwindigkeit und Wendigkeit getuned. Die Rückenflosse kann zu einem beachtlichen Segel aufgefächert werden - daher die beiden Namen. Wie schnell so ein Segelfisch das Wasser durchschneidet, haben Fischer im Indopazifik beobachtet: binnen drei Sekunden riss das Tier 91 Meter Fangleine von der Spule. Da geriete selbst ein Gepard beinahe in Verlegenheit.

Segelfische machen vor allem Jagd auf Schwarmfische. Die bis zu 3,80 Meter langen und 100 Kilogramm schweren Räuber sind äußerst effiziente Schwimmer und wahre Muskelpakete. Durch die Arbeit bestimmter Muskeln erzeugen sie sogar Wärme, die durch spezielle Anpassungen des Blutgefäß-Systems im Körper gehalten und nicht ins kältere Umgebungswasser abgeleitet wird. Das wärmere Blut wiederum treibt Hirn und Augen zu höherer Leistung an. Sie schwimmen mit großer Geschwindigkeit in einen Fischschwarm hinein, bremsen plötzlich ab und schlagen mit ihrem "Nasenspeer" auf Fische in Reichweite ein. Die so erlegte oder paralysierte Beute verspeisen sie anschließend in aller Ruhe.

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