Königliche Geisel

Annäherung an die fremde Kultur

Zwischen Pizarro und Inka-König Atahualpa entwickelte sich im Laufe der Zeit ein fast freundschaftliches Verhältnis. Während dessen ging die Suche nach "El Dorado" weiter.

Noch ahnte der Pizarro nichts von der Größe des "goldenen" Inka-Reiches. Es erstreckte sich damals vom heutigen Kolumbien im Norden bis nach Chile im Süden. Unter dem extremen Klima der Anden hatten seine Einwohner eine moderne, blühende Landwirtschaft entwickelt, die im rückständigen Spanien völlig unbekannt war. Doch die Inka gaben kaum etwas von den Geheimnissen ihres Landes preis: Auch von Machu Picchu erfuhren die Eroberer nichts. Erst 1911 entdeckte der amerikanische Forscher Bingham per Zufall die mächtige Andenmetropole, die 400 Jahre unter einem grünen Vorhang verborgen lag.

Trügerische Hoffnung

Verborgen war auch Atahualpa, den im Verließ des Heiligen Turms von Cajamarca die Spanier den Herrscher unter schwerer Bewachung gefangenhielten. Pizarro ließ seiner königlichen Geisel aber erstaunlich viele Freiheiten. Atahualpa durfte sich mit seinen drei Hauptfrauen umgeben, er regelte sogar weiterhin die Staatsgeschäfte. Noch hielt seine Autorität Ruhe und Ordnung im Reich aufrecht. Für kurze Zeit kam Hoffnung auf ein friedfertiges Miteinander der Kulturen auf.

Auch die Soldaten waren des lebenslangen Kampfes überdrüssig und träumten davon, sich in diesem Paradies niederzulassen. Doch die Hoffnung der Indios auf die Milde der fremden Eroberer war trügerisch, denn ihre Gier nach Gold war stärker. Nach dem ruhmvollen Sieg wollte man endlich alle Schätze des Landes.

Atahualpas Schachzug

Zwischen Pizarro und Atahualpa entwickelt sich im Laufe der Zeit ein fast freundschaftliches Verhältnis. Der spanische Analphabet gestattete seiner indianischen Geisel sogar, im Verlies lesen und schreiben zu lernen. Fast spielerisch machte sich der Inka mit den Geheimnissen der fremden Kultur vertraut. Er spürte die Überlegenheit seiner Bezwinger, erkannte jedoch auch ihre Schwäche: die grenzenlose Gier nach Gold. Pizarros Milde Atahualpa gegenüber war seinen Soldaten längst ein Dorn im Auge. Er brachte seiner königlichen Geisel sogar Brettspiele bei. Die beiden studierten einander zunächst argwöhnisch, dann immer neugieriger.

Der Konquistador wollte mehr über das Volk, den Staat und seinen absoluten Herrscher erfahren, den er besiegt hatte. Um die Bande noch enger zu knüpfen, bot Atahualpa dem Rivalen seine Lieblingsschwester zur Frau an. Anfangs misstrauisch verfiel er schließlich den Reizen der schönen Indio-Prinzessin. Er ließ sie auf den Namen Ines taufen und nahm sie als Konkubine. Eine christliche Hochzeit lehnte der Spanier jedoch ab. Dennoch schien Atahualpas Schachzug geglückt, er rechnete mit Pizarros Gnade.

Goldsuche in der "grünen Hölle"

Die Spanier, noch immer auf der Suche nach dem sagenhaften El Dorado, stießen Tausende von Kilometern entfernt bis in die grüne Hölle des Amazonas vor. Doch die Expedition scheiterte schon nach wenigen Monaten. Mit schweren Waffen, Panzerwesten und Eisenrüstungen ließ sich der tropische Regenwald nicht bezwingen. Die Suche nach dem Gold kostete immer mehr Opfer unter den Soldaten, die auf die Gefahren dieser fremden Welt nicht vorbereitet waren. Die Suchtrupps blieben mit ihren Pferden im metertiefen Morast stecken, fast alle gaben erschöpft auf. Wer nicht umkehrte, wurde von der "grünen Hölle" förmlich verschluckt. Laut Berichten der Indios wollen einige von ihnen den Reichtum mit eigenen Augen gesehen haben. Trieben sie lediglich ein Spiel mit der Goldgier ihrer Eroberer, um sie ins Verderben zu schicken?

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