Kolonie und Vorherrschaft

Wechselhafte Beziehungen zwischen Kusch und dem Pharaonenland

Zeitgenössische Quellen rühmen Meroe, die Residenz der Kandake, als märchenhaften Ort, an dem die Götter ein und aus gehen. Im Hauptheiligtum verehrten die Menschen den Schöpfergott Amun. Das Erbe Ägyptens an die Schwarzen Pharaonen, die einst über das Land am Nil herrschten.

Kleopatra zu Gast am Hof der Kandake
Kleopatra zu Gast am Hof der Kandake Quelle: ZDF

Seither gilt der widderköpfige Amun auch als himmlischer Vater der Regenten von Kusch. Deshalb liegt sein Tempel unweit des prächtigen Palastes der Kandake. Die geheimnisumwitterte Monarchin war in der damals bekannten Welt ein Mythos mit Strahlkraft. Selbst die Bibel erzählt von einer "Königin Kandake aus dem Mohrenland". In der Apostelgeschichte heißt es, ihr Schatzmeister habe den christlichen Glauben angenommen und sich taufen lassen.

"Übermenschliche Größe"

Büste Alexander der Große
Büste Alexander der Große Quelle: ZDF

Auch der Alexander-Roman aus dem 2. Jahrhundert nach Christus rühmt die "Frau von stolzer Schönheit und übermenschlicher Größe". Den Welteroberer Alexander den Großen zwang sie zum Rückzug, schildert der Text. Beeindruckt von ihrem Auftritt schloss der Makedone umgehend Frieden mit der Herrscherin, die ihm vorkam wie seine eigene Mutter Olympias. Kein Zweifel: Die Menschen der Antike dachten, im fernen "Aethiopia" regierten mutige Weibsbilder, die alle Kandake hießen.





Seit Mitte des zweiten Jahrhunderts vor Christus übernahmen auffallend viele Kandaken die Macht in Kusch - zur selben Zeit, als in Ägypten die Ptolemäerinnen hohe Ämter ausübten. Es gab möglicherweise sogar Kontakte zwischen den Dynastien. So soll sich die 18-jährige Kleopatra für eine Weile nach Meroe abgesetzt haben. Während des Thronstreits mit ihrem Bruder zwischen 48 und 50 vor Christus lebte sie jedenfalls nicht in ihrer Heimatstadt Alexandria. Um sich Rückendeckung zu holen und die nötigen Schritte für ihre Alleinherrschaft in die Wege zu leiten, hätte es auch keinen besseren Ort als Meroe geben können.

Kleopatra
Kleopatra Quelle: ZDF

Ägyptisierung von Kusch

Kleopatra, die fließend Meroitisch sprach, sah in ihrer Gastgeberin womöglich ein Vorbild für das Selbstverständnis in ihrem späteren Königsamt. Immerhin erhob die Ptolemäerin - ebenso wie die Kandaken - die Göttin Isis zur persönlichen Schutzherrin. Doch nicht immer pflegten die Nachbarn gute Beziehungen zueinander. Um 1500 vor Christus kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Ägypten zerschlug das Südland, weil es zu mächtig geworden war. Die Söhne der Eliten nahmen die Eroberer mit. Sie sollten am Pharaonenhof erzogen werden und später die Ägyptisierung in Kusch vorantreiben.

Söhne der Elite
Söhne der Elite Quelle: ZDF

Die neue Kolonie beuteten die Herrscher vom Nil als Rohstoffquelle aus. Heiß begehrt waren Elfenbein, Straußenfedern, exotische Felle und Sklaven. Vor allem aber Gold, das "Fleisch der Götter", das in den kuschitischen Minen gefördert wurde. Ägyptische Quellen belegen, dass Nubien, wie Kusch auch hieß, zum größten Goldlieferanten der Pharaonen avancierte. Allein ihr prunkvoller Totenkult erforderte Tonnen des glänzenden Metalls - für die angemessene Reise der gottgleichen Herrscher ins Jenseits.

Schwarze Pharaonen

Mitte des achten Jahrhunderts vor Christus änderten sich die Vorzeichen. Die Unterdrückten nutzten die politischen Wirren im Reich der Besatzer und rissen die Macht an sich. Etwa 80 Jahre lang bestimmten die schwarzen Pharaonen der 25. Dynastie die Geschicke beider Länder. Ob Architektur, Sprache oder Religion - in Kusch zog der ägyptische Geist ein. Auch als das Südland die Vorherrschaft wieder verlor, hielten sich die übernommenen Traditionen. Dennoch begann mit den Königinnen von Meroe eine neue Ära. Selbstbewusst stellten sie sich jedem Angreifer entgegen und verteidigten das Reich mit starker Hand.

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