Konkurrent George Westinghouse

Mit neuer Technik gegen Edison

Thomas Alva Edison verlegt sein Büro nach New York, kauft im Süden Manhattans, im Herzen des Finanzzentrums, ein Grundstück. Das Bankhaus J. P. Morgan, die New York Times und die wichtigsten Börsenbüros werden seine Kunden sein. Doch die Stromerfolge rufen einen Konkurrenten auf den Plan: George Westinghouse.

In der Pearl Street baut Edison das erste öffentliche Kraftwerk der Welt. Kühn rechnet Edisons Electric Light Company schon im ersten Jahr mit einem Gewinn von rund 350.000 Dollar. Unterirdisch verlegte Kupferkabel bringen den Strom zu den reichen New Yorkern.

Geringe Reichweite

Aus den geplanten sechs Monaten sind zwei Jahre geworden, als am 4. September 1882 die Generatoren den Betrieb aufnehmen. Das von Edison entwickelte System arbeitet mit Gleichstrom. Der Generator liefert 110 Volt. Diese Spannung ist gerade stark genug, um seinen Strom ein paar hundert Meter zu "verschicken" und schwach genug, um die Glühlampen in den Häusern gefahrlos zu betreiben.


Um New York Flächen deckend zu versorgen, müssen für Edisons System Kraftwerke in fast jedem Häuserblock gebaut werden. Noch kann man Gleichstrom nur ein bis zwei Kilometer weit transportieren. Für weitere Strecken müssten die Kupferkabel armdick sein und das wäre viel zu teuer. Häufig werden Stromkabel einfach in die nicht mehr benötigten Gasleitungen gezogen. Kontore, Tanzsäle, Salons. Wenn es dunkel wird erstrahlen sie im hellen und doch milden Licht der Glühlampen. Die Reichsten lassen sich sogar eigene Kraftwerke in ihre Häuser bauen. Elektrisches Licht verspricht zu einem Riesengeschäft zu werden.

Investition in Wechselstrom



Pittsburg, Washington, New York - Der Industrielle George Westinghouse ist jede Woche auf Geschäftsreisen. Westinghouse bleibt der Erfolg von Edisons General Electric nicht verborgen. Dessen Stromsystem verbreitet sich immer mehr im Land, und die Aktien der Gaslieferanten stürzen ins Bodenlose. Westinghouse beschließt, in das zukunftsträchtige Geschäft mit elektrischer Energie einzusteigen. Die Schwachstellen von Edisons Gleichstromsystem hat er längst erkannt. Er investiert in Wechselstrom und kauft Firmen und Patente.

Wechselstrom ändert seine Fließrichtung in einem bestimmten Takt - mittels eines Transformators lässt sich die Spannung fast verlustfrei ändern. Stromtransport über weite Strecken wird möglich. Gleichstrom hingegen fließt nur in eine Richtung und mit der Entfernung wächst der Widerstand.

Revolutionärer Versuch

Die Wassermühle von Great Barrington in Massachusetts wird zum Schauplatz eines Versuchs, der das Geschäft mit der Elektrizität revolutionieren wird. Die Mühle treibt im März 1886 erstmals einen Wechselstromgenerator an. Der Strom wird auf eine hohe Voltzahl transformiert, eine Meile über Land in die nächste Stadt geleitet, dort herunter transformiert, um so die Straßen zu beleuchten. Zum ersten Mal wird Elektrizität weit entfernt von dem Energie liefernden Kraftwerk genutzt.



George Westinghouse hat bei Pittsburgh einen herrschaftlichen Sitz errichtet. Von hier aus kontrolliert er sein Imperium aus mittlerweile 29 Firmen. Seine Vertreter und Agenten leisten gute Arbeit. Innerhalb von zwei Jahren verkaufen sie 130 Wechselstrom-Kraftwerke. Das neue System ist viel preiswerter, kommt mit dünneren Kupferleitungen aus. Ein einzelnes Kraftwerk kann ein größeres Gebiet versorgen. So kann es außerhalb der Städte errichtet werden, wo die Grundstrückspreise bedeutend niedriger sind.

Der Beginn des Stromkriegs

Edison schäumt vor Wut und verklagt seinen Konkurrenten Westinghouse wegen Patentverletzung. Es ist der Beginn des Stromkriegs - der Kampf um einen gigantischen Zukunftsmarkt. Doch Westinghouse ist sicher, dass sein System überlegen ist. Edison geht in die Offensive und startet einen gigantischen Reklamefeldzug. Er lässt eine Prozession von 400 Männern mit leuchtenden Glühbirnen auf den Helmen durch Manhattan ziehen. Aus ihren Ärmeln führen Kabel zu einem fahrbaren Dampfgenerator. Edison will zeigen, wie ungefährlich sein Strom für die Menschen ist. Schließlich will er sein System in ganz Amerika verbreiten. Überall sollen kleine lokale Kraftwerke entstehen.

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