Kraftprobe mit dem Kaiser

Wachsende Kritik an Wallenstein

Nach 15 Jahren Krieg will Wallenstein den Frieden. Doch noch immer sind die Schweden nicht besiegt. Als Kaiser Ferdinand II. ihm einen Winterfeldzug befiehlt, fürchtet der Feldherr um seine Armee. Kälte und Hunger würden zu viele Opfer fordern.

Wallenstein will Zeit für Verhandlungen gewinnen und verweigert den Kampf in Eis und Schnee. In klirrender Kälte ist der Krieg nicht zu gewinnen.

Der Pilserner Revers

Gegen den strikten Marschbefehl des Kaisers führt Wallenstein seine Soldaten in die Winterquartiere - eine ungeheure Provokation für den Herrscher in Wien. Man verdächtigt ihn der Sabotage. Im Januar 1634 riskiert Wallenstein die Kraftprobe mit dem Kaiser. Seine Offiziere unterschreiben den Pilsener Revers. Sie verpflichten sich, einzig und allein dem Befehl des Generalissimus zu folgen. Dass sie nicht gleichzeitig dem Kaiser die Treue erklären, kommt einer Reichsrebellion gleich, die mit dem Tod geahndet werden kann. Jeden Eidbrüchigen wollen die Getreuen an Leib, Leben und Besitz strafen.

Am Wiener Hof wächst die Kritik an Wallenstein. Ferdinand II. setzt weiter auf Krieg und bangt um seine kaiserliche Autorität. Drahtzieher einer Kampagne gegen den abtrünnigen Feldherrn sind die Jesuiten. Sie bezichtigen ihn, "den Krieg schmählich zu vernachlässigen, um dem törichten Gespinst eines Friedens nachzujagen". Was ist dran, an den Gerüchten über ein geheimes Komplott des Herzogs? Wie reagiert der Kaiser auf die Verschwörung? Eine Hetzschrift des einflussreichen Hofpredigers Pater Johannes Weingartner gibt Einblicke.

Demonstration von Wille und Macht

Das Zentrum der Macht ist das Schloss Waldstein im böhmischen Gitschin. Von dort aus regierte der schwerreiche Kriegsunternehmer wie ein absoluter König. 1000 Linden lässt er in wenigen Minuten von 1000 Soldaten pflanzen. Eine drastische Demonstration von Wille und Macht. Die Allee weist den Weg zur berühmten Loggia des Generals, verbindet seinen Palast und die ausgedehnten Parkanlagen. Doch die Architektur seiner Bauten ist mehr als nur Ausdruck seines persönlichen Geschmacks.

Wallenstein ließ die Bauwerke nach einem rätselhaften Konzept errichten, behauptet eine Theorie. Im Plan seiner Stadt glauben tschechische Wissenschaftler, die Sternenkonstellation seines Horoskops zu erkennen. Im Mittelpunkt aller Linien lässt Wallenstein seine Palastkirche bauen. Die Türme bilden ein exaktes Viereck, in dessen Mittelpunkt er sich ein geheimes Gemach errichten ließ. Die Kirche wurde nie vollendet.

Astrologische Prophezeiungen

Wie gläubig war der Generalissimus, von dem man sagte, dass er nicht den Allmächtigen um Rat fragte, sondern die Magier? Inwieweit folgte er den Prophezeiungen seiner Astrologen tatsächlich? Seine Gegner dichteten ihm an, vom Rat der Sternendeuter abhängig zu sein und selbst militärische Entscheidungen danach zu richten. Gezielte Intrigen gegen den undurchsichtigen Fürsten?

Vielleicht war Wallenstein besonnener als seine Zeitgenossen glaubten. Nach 15 Jahren Krieg muss er erkennen, dass militärisch kein Sieg zu erringen ist. Im anhaltenden Krieg gegen die Schweden setzen beide Parteien auf die Strategie der verbrannten Erde, rauben Feind und Volk den letzten Atem zum Überleben.

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