Krankheit und Pflege

Neandertaler erreichte trotz Gebrechen ein normales Alter

Schwer herstellbare Gegenstände und Materialien wie Birkenpech haben die Neandertaler vermutlich mitgenommen, wenn sie zu einem neuen Lager zogen. Wahrscheinlich wechselten die Neandertaler mehrmals im Jahr zwischen verschiedenen Lagern, die jedoch einem bestimmten Territorium zugeordnet waren.

Wichtig war vor allem auch der Besitz des Feuers. Sehr wahrscheinlich führte ein Trupp immer glühende Kohlen oder Gerätschaften zum Feuer anmachen mit.

Furchteinflößende Gegner

Eine Höhle musste mit äußerster Vorsicht betreten werden. Immer bestand die Möglichkeit, dass ein anderer Anspruch auf die Behausung erhob. Höhlenlöwen waren nicht nur direkte Nahrungskonkurrenten des Neandertalers, sondern auch furchteinflößende Gegner. Mit einer Schulterhöhe von über 1,50 Meter war er auf allen Vieren fast so groß wie ein stehender Neandertaler und überragte seine heutigen Artgenossen um ein gutes Drittel. Tatsächlich ist der Riese nach Meinung der Forscher im Grunde identisch mit dem afrikanischen Löwen, wie er noch immer die Serengeti durchstreift. Einzig eine Mähne traut man dem Giganten nicht zu. Höhlenbilder zeigen das Tier stets ohne verlängertes Haupthaar.



Solchen Giganten ist nur mit Feuer beizukommen. Der Neandertaler-Trupp wusste mit Sicherheit, dass man diesen Feind nicht töten kann, wohl aber verwirren und sogar verscheuchen. Vielleicht wurde der berühmte Eiszeitler aus dem Neandertal bei einer Abwehr eines Höhlenlöwen-Angriffs verwundet, denn die Knochenreste zeigen Spuren eines Bruchs.

Medizinische Behandlung

Die Wunden des Mannes aus dem Neandertal waren lebensgefährlich. Eine medizinische Behandlung muss erfolgt sein. Allein die schwere Kopfverletzung hätte tödlich sein können. Die Wunde am Arm zeichnete den jungen Mann für sein ganzes Leben. Das Gelenk blieb nach dem Unfall steif, wie man anhand der Arthrose an den betroffenen Knochen bis heute erkennen kann.




Dann muss seine Gruppe ihn fast zwei Jahrzehnte lang mitversorgt haben. Ohne den Schutz und die Unterstützung der Gruppe hätte der Mann aus dem Neandertal nicht überleben können. Er versuchte zwar mit seinem gesunden Arm seine Behinderung auszugleichen, aber trotz aller Mühen blieb er gehandicapt. Ralf Schmitz möchte noch mehr über den Gesundheitszustand des Eiszeitlers erfahren. Ein Dünnschliff bestätigt: Der Unterarm wies Hohlräume auf, Zeichen für Knochenabbau. Aber nicht nur die kranke Elle wies interessante Veränderungen auf.

Krankhafte Veränderung

Unter dem Mikroskop erkennt man auf der linken Seite eine normale Höhlung, in der Mitte eine krankhafte. Prof. Schultz von der Universität Göttingen deutet die wie angenagt wirkenden Höhlen als krankhafte Veränderung infolge eines knochenfressenden Prozesses. Hatte der Mann aus dem Neandertal im Alter womöglich Krebs? Das er ein normales Neandertaleralter erreichte, verdankt er allein der Fürsorge und möglicherweise der medizinischen Betreuung seines Clans.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet