Kreuzfahrer-Staaten in Bedrängnis

Papst und Kaiser fürchten den Verlust Jerusalems

Im Jahre 1099 erobern europäische Krieger das gelobte Land. Zu ihrer Sicherheit gründen sie nach dem ersten Kreuzzug das Königreich Jerusalem, das Fürstentum Antiochia sowie die beiden Grafschaften Edessa und Tripolis. Doch den Kreuzfahrerstaaten droht Gefahr: Vermögen, Land und Pilgerorte stehen auf dem Spiel.

Jerusalem Kampf um die Mauern Quelle: ZDF

Die militärischen Brückenköpfe in Palästina und Syrien dienen nicht nur dem Schutz der christlichen Stätten, sondern versprechen den Adligen aus dem Abendland auch satte Gewinne. Doch 1164 gelingt es islamischen Streitkräften, die Besatzer in der Schlacht von Artah empfindlich zu schlagen - ein Sieg mit Signalwirkung. Möglich wird er durch einen Mann, der die zerstrittenen arabischen Stämme unter seiner Fahne vereint: Sultan Nur-ad-Din. Er ruft den Heiligen Krieg aus und pflanzt die Parole in die Herzen seiner Brüder. Als Anführer einer großen Armee plant er, das ehrwürdige Jerusalem für den Islam zurückzugewinnen.

Nachricht vom blutigen Triumph

Sultan Nur-ad-Din Quelle: ZDF

Von Anbeginn war die Stadt Davids heiß umkämpft. Immer neue Eroberer stürmten die Mauern. Seit Nur-ad-Dins Erscheinen fürchten die Europäer, die Kontrolle über die christlichen Stätten - und damit ihre Macht im Vorderen Orient - zu verlieren . Papst Alexander III. kämpft gerade um sein Amt, als die Nachricht von Nur-ad-Dins blutigem Triumph in Europa eintrifft. Von seinem Widersacher Kaiser Barbarossa mit Reichsacht belegt, residiert der Heilige Vater im Exil in Frankreich. Der Kirchenmann fürchtet: Wenn Jerusalem verloren geht, lassen ihn seine Gönner fallen.

Doch in Palästina steht die Sache schlecht. Die Gegner rücken in erschreckender Überzahl an. Die Kreuzfahrer hingegen haben nicht einmal genügend Truppen, um die Mauern ihrer Burgen zu verteidigen. Unerbittlich dringen die Angreifer vor. Ein Bollwerk nach dem anderen müssen die Ritter aufgeben. Papst Alexander vermag keine Hilfe zu schicken. Die Fürsten verweigern ihre Unterstützung. Zu viele Menschenleben und zu viel Geld haben zwei Kreuzzüge bisher schon gekostet.

Eilboten bringen Brief Quelle: ZDF

Verlockendes Angebot

1165 überbringen Eilboten einen geheimnisvollen Brief an das Oberhaupt der Kirche. Er war ursprünglich an Kaiser Manuel von Byzanz adressiert. Der Text enthält ein verlockendes Angebot. Als Absender zeichnet ein mysteriöser Priesterkönig namens Johannes. Eine Abschrift des Dokuments bewahrt noch heute die Universitätsbibliothek Darmstadt auf.

"Wenn du die Sterne des Himmels und die Sandkörner des Meeres auszuzählen vermagst, dann errechne unsere Herrschaft und unsere Macht," schreibt er. Ausführlich schildert der Monarch den Reichtum seines Landes und die Pracht des Palastes: "Täfelungen und Gebälk sind aus Zedern, das Dach aus Ebenholz. An den äußersten Enden aber findet man zwei goldene Äpfel, und in jedem sind zwei Karfunkel, die in der Nacht leuchten." - "Der Raum, in dem unsere Erhabenheit zu ruhen pflegt, ist wunderbar mit Gold und aller Art Gestein geschmückt." - "Die Tische, von denen unser Hof speist, sind aus Amethyst, ihre Säulen aus Elfenbein." - "Unser Land aber ist das, in dem Milch und Honig fließen."

Brunnen mit dem Quell ewigen Lebens Quelle: ZDF

Alter Menschheitstraum

Das phantastische Szenario setzt sich fort: Im Schloss entspringe eine besondere Quelle, heißt es in dem Brief. "Wenn jemand dreimal nüchtern davon kostet, wird er von jenem Tag an nicht mehr krank. Und solange er lebt, wird er wie ein 32-Jähriger bleiben." Der Jungbrunnen - ein alter Menschheitstraum. "Im Fluss Ydonus", schreibt der Verfasser weiter, "werden Smaragde, Saphire, Granate, Goldtopase, Amethyste und andere Edelsteine gefunden." In erster Linie aber verspricht der Priesterkönig, ein riesiges Heer gegen den Islam zu schicken.

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