Krieg der Religionen

Kampf um Tod oder das ewige Leben

Der Dschungel hat die einstige Metropole Goa fast vollständig verschluckt. Um die Ausmaße der versunkenen Weltstadt zu begreifen, fahndet der portugiesische Wissenschaftler Sidh Mendiratta nach den Stadtmauern und den Spuren ihrer Handelspartner. Er begegnet den Auswirkungen der Religionskämpfe.

Abtransport Götterbilder der Hindu Quelle: ,ZDF,Resa Asarschahab

Mitten im Dornengestrüpp entdeckt Mendiratta das Stadttor, über fünf Kilometer vom Heiligen Hügel entfernt: Der Beweis für die Ausdehnung des "Goldenen Goa". Durch das Tor kamen einst Gewürze, Juwelen und Sklaven aus dem hinduistischen Hinterland. Elefantenkarawanen brachten die begehrten Güter nach Goa. Es war ein gutes Geschäft für beide Seiten. Haupthandelspartner war das unabhängige Hindu-Königreich Vijayanagara.

Elefantenställe Quelle: ZDF

Anfälliges Hindu-Reich

Die Portugiesen lieferten die begehrten Araberpferde im Austausch für die Kostbarkeiten Asiens - und alle wurden reich. Vijayanagara war eine prunkvolle Residenz. Wie pompös erkennt Sidh Mendiratta, als er die Elefantenställe der Hindu-Metropole besichtigt. Ein Palast für Dickhäuter. Die Stadt war zu ihrer Zeit eine der glanzvollsten der Welt. Chronisten berichten, dass die Märkte von Seide und Edelsteinen überquollen, von rauschenden Festen und juwelenbehangenen Kurtisanen, deren Schmuck so schwer wog, dass Dienerinnen helfen mussten, ihn zu tragen. Doch das große Hindu-Reich war anfällig. Christen und Moslems gierten nach seinen Schätzen.

Ruinen Vijayanagara Quelle: ZDF

Eine Moslem-Armee aus dem Norden zerstörte die Stadt. Die Hindu-Götter konnten Vijayanagara nicht beschützen. Für Sidh Mendiratta, den Portugiesen mit indischen Wurzeln, ist Religion vor allem ein Symbol, unter dessen Fahne Macht und wirtschaftliche Interessen leichter durchgesetzt werden können. Im Namen eines Gottes lässt es sich glaubhafter zerstören, vertreiben, töten, meint er.

Saat der Jesuiten

In Goa litten die Kaufleute unter der Vernichtung ihres wichtigsten Handelspartners, doch auch hier tobte der Kampf der Religionen. Die Saat der Jesuiten ging auf: Getaufte Kinder denunzierten ihre Eltern, verrieten die geheimen Plätze, wo den Hindu-Göttern geopfert wurde. Ihnen sind die Götzenbilder ihrer Väter sehr zuwider, schrieb Franz Xaver zufrieden nach Rom.

Ballsaal Herrenhaus Quelle: ZDF

Die Hindus wurden mit Gewalt vertrieben. Die Missionierung galt als handfester Kampf zwischen den Mächten des Teufels und Gottes, in dem es um Tod oder Leben ging. Um das ewige Leben. Einige arrangierten sich. Das Herrenhaus einer zum Christentum konvertierten indischen Familie: ein riesiger Ballsaal, italienische Marmorfußböden, Leuchter aus belgischem Kristall, Silber aus Portugal, Wedgewood-Porzellan aus England, Vasen aus China. In der Hauskapelle aus dem 16. Jahrhundert liegt der größte Schatz - eine Reliquie: ein diamanten besetzter Zehennagel des heiligen Franz Xaver.

Fußnagel Reliquie Quelle: ZDF

Flucht vor christlicher Verfolgung

Das Nachbarhaus aus der gleichen Zeit erzählt eine andere Geschichte. Eine Falltür führt in einen geheimen Keller. Die verwinkelten Konstruktionen sind typisch für alte Hinduhäuser. Sie dienten als Versteck und zur Flucht vor christlicher Verfolgung - und zur Verteidigung, wie die alten Schießscharten beweisen. Doch es hat nichts genützt: Das Haus der vermutlich standhaften Hindus wurde abgerissen und auf dem alten Gewölbe im portugiesischen Stil neu gebaut. Der Kampf der Religionen zeigt sich bis in die Architektur.

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