Krieg gegen das Volk

Tote durch Schießbefehl des Bastille-Kommandanten

"Marchons à la Bastille!" - "Auf zur Bastille!". Mit dem Donnerschlag - man weiß bis heute nicht, woher er kam - beginnt der Sturm auf die Bastille. Aus der ganzen Stadt kommen Menschen gelaufen, um zu erfahren, was passiert ist.

Am Ende der Passage versperrt ein Tor den anstürmenden Massen den Weg. Ein Handwerker klettert hinüber und öffnet es von innen. Doch dann stoppt ein Graben vor der Zugbrücke endgültig den Vormarsch. Die Belagerung beginnt.

"Ein einziges Chaos"


Charpentier-Bericht (10.30 Uhr): "Tausende erregte Bürger, bewaffnet mit Piken, Messern, Beilen und Gewehren, belagerten spontan die Festung. Es war ein einziges Chaos. Niemand hörte auf die Warnung der Soldaten: Wir sollten stehen bleiben! Sie müssten auf uns schießen! Alle stürmten auf das Tor zu."


Gouverneur De Launay ist in einem Dilemma: Er will keinen Krieg gegen das Volk von Paris. Doch mit dem Ansturm auf das Tor sieht er den Punkt überschritten, bis zu dem sein Versprechen gilt, nicht anzugreifen. Er kann nicht zulassen, dass das Volk die Übergabe seiner Bastion fordert. Doch De Launay ist ein Mann ohne jede militärische Erfahrung. Die Schweizer Garde misstraut seinen Fähigkeiten als Kommandant der Festung. Zu schnell ändert er seine Entscheidungen. Und doch liegt alles in seiner Hand: De Launay ist völlig überfordert und gibt einen verhängnisvollen Befehl: "Schießen Sie!"

Mehr als 80 Tote


Charpentier-Bericht: "Was nun geschah, änderte alles: Die Schweizer Garde eröffnete gnadenlos das Feuer auf uns. Gegen ihre Schüsse aus den sicheren Mauern der Festung waren wir wehrlos. Wer konnte, brachte sich im Gouverneurs-Haus in Sicherheit."


De Launay hat nun doch den Krieg gegen das Volk eröffnet. Im Kugelhagel bleiben mehr als 80 Belagerer tot vor der Bastille liegen, noch mehr werden lebensgefährlich verletzt. Als das Feuer um 12.15 Uhr eingestellt wird, schickt die provisorische Stadtregierung einen Parlamentär ans Tor: Das Volkskomitee beansprucht den militärischen Oberbefehl für Paris. Dem soll sich auch die Bastille unterstellen.

Verstärkung vom Rathaus

Parlamentär De Corny setzt Gouverneur De Launay im Namen des Stadtparlaments in Kenntnis, dass die Stadtregierung die Befehlsgewalt über alle Streitkräfte übernommen hat und fordert das Öffnen des Bastille-Tor für die Bürgerwehr. De Launay soll sich dem Willen der Bürgerschaft fügen, doch er beruft sich auf die Befehlsgewalt des Königs. Da De Launay die Bastille nicht frei gibt, schlägt De Corny der versammelten Bevölkerung vor, Verstärkung im Rathaus zu suchen.


Trotz weißer Fahne seitens der Bastille-Belagerer gibt es erneut Schüsse aus dem Gefängnis. Doch bis heute ist ungeklärt, ob de Launey überhaupt den Befehl gab, das Feuer erneut zu eröffnen. Möglicherweise war es nur ein Missverständnis.

"Das sind eure Brüder, die dort sterben"


(13.00 Uhr) Auch der ehemalige Offizier Hulin ist dem König nicht mehr treu. Er beschwört einen Teil der Nationalgardisten, die Fronten zu wechseln: "Meine Brüder, seid ihr Bürger? Ihr seid mutige französische Bürger! Habt ihr die Kanonen gehört? Sie bringen die Bürger von Paris und eure Kameraden um. Das sind eure Brüder, die dort sterben. Sie schlachten unsere Väter, unsere Frauen und Kinder ab wie die Schafe. Ihr lasst euch niedermetzeln, obwohl ihr stark genug wäret, die Verräter zu bestrafen." Ohne die Hilfe der Streitkräfte war die Bastille nicht zu erstürmen. Erst die Allianz zwischen dem Volk und der Armee macht aus der Belagerung der Bastille einen wirklichen Sieg für das Volk von Paris.

Tollkühner Mut


Charpentier-Bericht (14:00 Uhr): "Am späten Mittag hatten auch wir endlich Kanonen. Hulin und seine Garde waren unsere Rettung, als wir schon aufgeben wollten. Nun gab es nur noch einen Ruf: Stürmt die Bastille!


Doch heftiger Qualm macht das Aufstellen der Kanonen unmöglich. Ein Karren mit brennendem Stroh stand vor dem Tor, um den Soldaten der Bastille die Sicht zu nehmen. Aber der Unterleutnant Elie bewies seinen tollkühnen Mut. Um den Wagen aus dem Weg zu ziehen, rannte er ohne zu zögern los, mitten in das Schussfeld. Er hatte es geschafft. An diesem Tag war jeder sein eigener Befehlshaber, jeder folgte nur seinem eigenen Kopf. Auch Bürger, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten, wurden zu Helden."

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