Kriegsheld in legendärer Schlacht

Heroische Bilder von Ramses II. auch im prächtigen Tempel von Abu Simbel

Als Ramses II. die Macht übernahm, zollten fast alle Nachbarvölker Ägypten Tribut. Die wenigen Feldzüge beendete er stets als Sieger. So zumindest ließ er es im ganzen Land verbreiten - und sie mit heroischen Wandmalereien verewigen.

Das Volk feierte den Kriegshelden als "Bändiger der Fremdländer", als Beschützer, der den Feind im Staub zertritt. Als Ramses im 5. Regierungsjahr gegen die Hethiter fast eine Niederlage einstecken musste, münzte der junge Pharao die Blamage in eine Siegeshymne um. Seine vermeintlichen Heldentaten zieren noch heute die Wände im großen Tempel von Abu Simbel.

Entscheidende Schlacht von Kadesch



Die Wandbilder stellen eine der berühmtesten Schlachten des Altertums dar. Ramses II. tritt mit seiner Armee im Jahr 1274 vor Christus gegen den Erzfeind, die Hethiter, an. Bei der Stadt Kadesch im heutigen Syrien kommt es zum entscheidenden Kampf. Die beiden großen Königreiche stehen auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Seit Jahrzehnten streiten sie um die Vorherrschaft im Orient. Ein militärisches Kräftemessen ohne Beispiel.

Furchtlos wie ein wilder Löwe

Dem hethitischen König gelingt es, Ramses zu überlisten. Er spielt dem Ägypter die Nachricht zu, dass er mit seinen Soldaten abgezogen sei. Die Eroberung von Kadesch scheint leichtes Spiel. Mit einer kleinen Truppe rückt Ramses vor, als die Hethiter aus dem Hinterhalt angreifen und ihn vom Haupttross abschneiden. Im letzten Augenblick können die Soldaten ihren König retten. Eine Blamage, die Ramses geschickt zu vertuschen weiß. Höchstpersönlich diktiert er seinem Schreiber Pentawer seine Version für die Nachwelt.


In der Schlacht von Kadesch beginnt der Sieg des Königs von Ober- und Unterägypten. Seine Majestät war ein Herr von strahlender Jugend, mutig wie ein Kriegsgott. Für seine Armee war er ein fester Schutzwall, am Tag der Schlacht ihr Schild und Bogen, wie er seinesgleichen sucht. Er ist tapferer als vereinte Hundertschaften. Millionen Männer halten ihm nicht stand, sie fallen vor ihm nieder wie verlöschendes Feuer. Er ist furchtlos wie ein wilder Löwe im Tal der Wüstentiere. Und er redet nicht wie ein Prahlhans.

Gleich nach seiner Rückkehr vom Schlachtfeld beauftragt Ramses Handwerker aus dem ganzen Reich, den legendären Sieg über den mächtigen Feind Ägyptens in die Wände der wichtigsten Heiligtümer zu meißeln. So auch im Tempel von Abu Simbel. Später schloss der Pharao mit dem König der Hethiter den ersten Friedensvertrag der Weltgeschichte. Im Allerheiligsten schließlich ließ sich Ramses zwischen die Hauptgötter des Landes setzen. Neben Ptah und Amun mussten ihn die Bildhauer als Dritten direkt an der Seite des Sonnengottes Ra platzieren. Damit stellte sich der Pharao auf die Stufe der Unsterblichen.

Betörende Konkubinen

Im Palast des Pharao lebten sieben Hauptfrauen. Sie gehörten ebenso zu seinem Harem wie zahllose andere Schönheiten aus Ägypten und dem Ausland. Betörende Konkubinen, die ihm nicht nur das Leben versüßten, sondern auch Kinder gebaren. Viele Nachkommen zu zeugen, bedeutete für einen Herrscher in jenen Tagen den Beweis göttlicher Herkunft. Die Gespielinnen blieben trotz ihrer Mutterschaft im Hintergrund. Das Frauenhaus garantierte ihnen lediglich eine lebenslange Versorgung, aber keine herrschaftlichen Rechte.



Allein die Aristokratin Nefertari stieg zur "Großen königlichen Gemahlin" auf, denn sie schenkte Ramses den ersten Sohn. Die "Schönste der Schönen", wie Nefertari übersetzt heißt, war Ramses große Liebe. In blumigen Versen pries er sie als "Fürstin des Liebreizes". Doch auch als politische Beraterin schätzte er die stolze Frau und stellte sie offiziell an seine Seite. Eine ideale Verbindung - zum Wohle des Landes. Um 1254 vor Christus präsentiert der mächtige Herrscher seiner geliebten Nefertari den vollendeten Kultbau in Abu Simbel. Der großen Königsgemahlin bot sich ein Anblick, der ihre kühnsten Vorstellungen übertraf. In Anwesenheit des gesamten Hofstaats weihten die Priester den Familientempel mit einer prunkvollen Zeremonie.

"Große königliche Gemahlin"

Nefertari widmete der Herrscher den zweiten, kleineren Tempel in Abu Simbel. Damit hob der Pharao auch die "Große königliche Gemahlin" schon zu Lebzeiten auf die Stufe der Götter. Auf der Fassade ließ er eine Widmung einmeißeln, die ihre hohe Position unterstreicht: "Nefertari, um deretwillen die Sonne scheint." Jeweils zwei Figuren mit dem Antlitz von Ramses flankieren das Bildnis der schönen Königin. Sie verkörpert Hathor, die Göttin der Liebe und Musik. Er selbst erhebt sich in dem Heiligtum zum Sonnengott - dem Schöpfer jeder Existenz. Das kolossale Denkmal mit den 22 Meter hohen Selbstportraits legitimiert den Pharao als ewigen Herrscher über Leben und Tod.

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