Kriemhilds Falle

Die verhängnisvolle Einladung an die Burgunden

Selbst nach zwölf Jahren an der Seite Etzels sinnt Kriemhild noch immer auf Rache. So überredet sie den Hunnenkönig, ihre Familie und Freunde aus Worms zum Sonnenwendfest nach Ungarn einzuladen. Den Überbringern der Nachricht befiehlt sie, nichts von ihrem Schmerz verlauten zu lassen und Mutter Ute, Gernot sowie Giselher ihre tiefe Zuneigung zu übermitteln. Auch sollen sie Hagen von Tronje unbedingt mitbringen. So nimmt das Unheil seinen Lauf. (Aventüren 20-23)

Nach zehn Tagen erreichen Etzels Boten die Feste zu Worms und sprechen wie befohlen die Einladung aus. Hagen von Tronje reagiert sofort misstrauisch, während Gunther, Gernot und Giselher die Fahrt unbedingt antreten wollen. Andere Höflinge werden um Rat befragt - darunter auch der Küchenmeister Rumolt, der ebenfalls eindringlich zur Absage mahnt. Über viele Verse erstreckt sich das Für und Wider.

Dunkle Vorahnungen vor dem Aufbruch

Schließlich einigen sich die Männer darauf, mit einem waffenstarrenden Heer aus den 1000 besten Soldaten des Landes ins Hunnenreich zu ziehen. Etzels Gesandte werden so lange am Hof festgehalten, bis der Burgundentrupp selbst reisefertig ist. Eine List, um einen etwaigen Hinterhalt durch Kriemhild zu vereiteln. Im fliegenden Galopp reiten die Kuriere voraus und kündigen die Ankunft der Gäste an. Im Etzelpalast werden daraufhin die notwendigen Vorbereitungen für das große Ereignis in Angriff genommen.

In Worms heißt es Abschied nehmen. Mutter Ute orakelt über den Ausgang der Reise und erzählt den Söhnen ihren aufwühlenden Traum. In dem waren alle Vögel des Landes tot vom Himmel gefallen. Doch wie es Helden geziemt, nehmen die Ritter ihr Schicksal furchtlos an. Brünhild und Gunther verbringen noch eine stürmische Liebesnacht. Dann überqueren die Burgunden den Rhein. Auf der weiten Expedition nach Ungarn unterstützt ein Kaplan die Schar, täglich liest er den Gläubigen die Messe. Schon jetzt erfährt der Zuhörer, dass der fromme Mann als einziger das bevorstehende Drama überleben wird.

Das Schicksal scheint besiegelt

Hagen wirft den Kaplan ins Wasser Quelle: ZDF

Hagen von Tronje und sein Marschall Dankwart führen die Nibelungen, wie die Burgunden fortan immer wieder mal genannt werden, sicher durch Ostfranken und Swarfelde bis an die Donau. Doch der Fluss ist angeschwollen und die Strömung stark, so dass die Männer die Boote nicht besteigen können, ohne in Lebensgefahr zu geraten. Das Hochwasser verrät nicht nur, dass die Reise zum Sonnenwendfest im Frühjahr stattgefunden hat. Die Beschreibung besitzt auch eine symbolische Strahlkraft dafür, dass die Welt der Burgunden aus den Fugen gerät.

Hagen sucht nach einem Fährmann, der sie übersetzen könnte. Dabei trifft er auf zwei Nixen. Die hellsichtigen Frauen sagen ihm den Tod der gesamten Sippschaft mit Ausnahme des Kaplans voraus, sollten sie je die Etzelburg betreten. Beim Übersetzen über dem Fluss stößt Hagen den Kaplan ins Wasser, um so das Eintreffen der Weissagung zu verhindern. Vergeblich, der Pfaffe kann sich retten. Von da an weiß Gunthers Vogt: Das Schicksal lässt sich nicht abwenden. Entschlossen zertrümmert er die Fähre, damit keiner dem tragischen Los entgehen kann.

Rast bei Bischof Pilgrim

Hagen zerstört die Fähre Quelle: ZDF

Der starke Spielmann Volker übernimmt fortan die Führung der Reisegruppe. Nach einer Rast auf dem Sitz des Bischofs Pilgrim von Passau erreicht der Tross die Grenze zu Österreich. Dort stoßen sie auf den schlafenden Wächter Eckewart, ein Getreuer Kriemhilds und des Markgrafen Rüdiger. Der Vasall organisiert für die übermüdete und hungrige Schar eine Unterkunft. Die Nibelungenkönige und ihr Gefolge nehmen bei Rüdiger für vier Tage Quartier. Während der großzügigen Festgelage auf der Burg verlobt sich Giselher mit der lieblichen Tochter des Fürsten Rüdiger. Und wie stets am Ende einer Szene kündigt der Verfasser der Verse das dramatische Ende des Epos durch Kriemhilds gnadenlose Rache an.

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