Krise, Krieg und Marburg-Epidemien

Spenden für Krankenstation Watsa benötigt

Watsa, Demokratische Republik Kongo, Ende 1998: Mehrere Goldgräber erkranken an Fieber und Blutungen, die meisten sterben. Der leitende Arzt der Krankenstation Watsa, Dr Katenga Bonzali, meldet diese Fälle umgehend an seine vorgesetzte Dienststelle. Er äußert den Verdacht, dass es sich um das gefürchtete Ebola-Fieber handeln könnte. Keine Reaktion.

Einige Wochen später wiederholt er seine Meldung, spricht von einer Katastrophe. Nichts geschieht. Auch sein dritter, flehentlicher Appell wird nicht erhört. Vermutlich gingen all' diese Hilferufe in den Kriegswirren verloren, denn im Ostteil Kongos herrscht Krieg.

Truppen aus Nachbarländern haben Teile des Landes besetzt, einheimische Rebellen machen das Land unsicher. Man schätzt, dass mehr als zwei Millionen Menschen durch diesen Krieg umgekommen sind - ein Krieg, der von der Weltöffentlichkeit weitgehend ignoriert wird. Auch der äußerste Nordosten Kongos, wo die Kreisstadt Watsa liegt, leidet unter dem Krieg, bleibt jedoch von systematischer Zerstörung verschont.

Späte Hilfe

Chefarzt Dr. Bonzali bleibt auf sich gestellt. Schließlich erkrankt er selbst an dem geheimnisvollen Fieber. Noch auf dem Transport ins nächstgrößere Krankenhaus veranlasst er, dass ihm eine Blutprobe entnommen und im Kühlschrank aufbewahrt wird. Dr Bonzali stirbt kurze Zeit später - es sind vier Monate sind seit seinem ersten Hilferuf vergangen.

Endlich schlagen die kongolesischen Gesundheits-Behörden auf internationaler Ebene Alarm. Ärzte ohne Grenzen sind nach wenigen Tagen als erste in Watsa, bergen die oben gennante Blutprobe und eskortieren sie ins Hochsicherheitslabor in Johannesburg, Südafrika. Dort wird die Diagnose gestellt: Marburg-Fieber - der erste und einzige dokumentierte Ausbruch in der natürlichen Umgebung des Virus.

Krankenhaus als Seuchenherd

Rasch wird ein internationales Ärzteteam zusammengestellt, zu dem auch der Heidelberger Arzt Matthias Borchert vom Tropeninstitut Antwerpen gehört - er reist im Auftrag von Ärzte ohne Grenzen. Die hygienischen Verhältnisse im Krankenhaus Watsa spotten jeder Beschreibung. Gerade noch ein Skalpell ist im OP vorhanden, Handschuhe gibt es kaum - dabei wird das Marburg-Virus vor allem durch direkten Kontakt mit dem Patienten, seinem Blut oder seinen Ausscheidungen übertragen.

In Watsa sind an die 100 Menschen Opfer des Marburg-Fiebers geworden: vor allem Goldgräber, ihre Angehörigen und Gesundheitspersonal. Die Experten finden heraus, dass das Marburg-Virus Watsa in den vergangenen Jahren schon mehrfach heimgesucht hat. Das Virus wurde im Krankenhaus offenbar nicht nur von Patienten auf Ärzte, Hebammen und Krankenpflegepersonal übertragen, sondern auch von Patient zu Patient weitergegeben - das Krankenhaus selbst wurde zum Seuchenherd.

Erste Hilfsmaßnahmen

Durch einfache, aber konsequent angewandte Maßnahmen machte das Ärzteteam der Epidemie schnell ein Ende. Für zukünftige Ausbrüche hinterließ es dem einheimischen Gesundheitspersonal Desinfektionsmaterial, Schutzkleidung, Handschuhe und vieles mehr, führte Fortbildungen über Krankenhaushygiene durch und installierte eine Funkverbindung, damit in Notfällen schneller Hilfe herbeigeholt werden kann.

Der neue Chefarzt der Krankenstation Watsa, Dr Amayo Kulidri, hat nur bescheidene Mittel zur Verfügung. Dennoch hat er bereits mit der Renovierung des Krankenhauses begonnen; so wurde z.B. das Dach schon repariert. Das Tropeninstitut Antwerpen steuerte eine neue Laborausrüstung bei. Nun fehlt noch das Geld, um Operations- und Kreißsaal zu renovieren und neu auszustatten. Außerdem muss das Gesundheitszentrum im Goldgräberdorf Durba - bisher eine Lehmhütte - neugebaut werden, damit sich nie wieder Patienten, Ärzte oder Pfleger im Krankenhaus oder Gesundheitszentrum mit dem Marburg-Virus infizieren.

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